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„Wir haben vieles geschafft“

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Von: Barbara Scholze

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Gemischte Gefühle: Auch wenn sich Bernd Gerhardt auf seinen Ruhestand freut, vermisst er Dietzenbach und die Arbeit mit den Kollegen.
Gemischte Gefühle: Auch wenn sich Bernd Gerhardt auf seinen Ruhestand freut, vermisst er Dietzenbach und die Arbeit mit den Kollegen. © scholze

Er kennt die Stadt besser als viele Alteingesessene. Mehr noch, jahrzehntelang hat er wesentlich dazu beigetragen, Dietzenbach in die Zukunft zu entwickeln. Nun geht Bernd Gerhardt, Bereichsleiter des Technischen Betriebes bei den Städtischen Betrieben, in den Ruhestand. Der Kreisstadt fühlt er sich aber nach wie vor verbunden. „Wenn ich durch den Ort fahre und den Wandel sehe, den Dietzenbach durchlaufen hat, denke ich, dass wir doch vieles geschafft haben.“

Dietzenbach – Den Job in Dietzenbach begonnen hatte Gerhardt im Jahr 1999 zu einer Zeit, als auf dem sogenannten Bauhof vieles noch auf Zuruf möglich war. Im damaligen Stadtbetriebs- und Umweltamt unter der Leitung von Rolf Kurtz nahm er seine Arbeit als Organisator und Koordinator für Abteilungen wie Elektro, Schreinerei, Straßenreinigung und Hoch- und Tiefbau auf. „Aufgeschrieben wurde anfänglich eher wenig, es gab kaum Dokumentationen und wir haben viel Zeit investiert, um ein praktikables System zu schaffen“, erinnert er sich.

Geholfen hat dem gebürtigen Wächtersbacher dabei von Anfang an nicht nur sein gutes Nervenkostüm, sondern auch seine Multiprofessionalität, mit der er von jung an ausgestattet war. Nach Stationen im elterlichen Unternehmen hatte er lange Zeit seinen Platz im Großbetrieb der Formel 1 gefunden, wo er für den gesamten Gästebereich zuständig war. „Das war eine faszinierende Zeit mit ständigem Auf- und Abbau kompletter Zeltstädte und immer wieder neuen Erlebnissen“, erzählt er. Irgendwann aber sei das aufregende Leben zu viel gewesen. „Es gab ein Jahr, da war ich genau drei Wochenenden Zuhause und das wollte ich nicht mehr.“

Bei den Städtischen Betrieben hat Bernd Gerhardt dann unter anderem Personalplanungen ausgearbeitet, Maschineneinsätze geplant, Rechnungen erstellt und Leistungsverzeichnisse kalkuliert. Später kamen Aufgaben für die Stadtwerke hinzu. Neben all der Schreibtischarbeit war Gerhardt aber auch stets der Mann vor Ort, recherchierte genau die jeweilige Situation und plante gemeinsam mit den Teams der einzelnen Abteilungen. „Es waren ja nicht nur die sich ständig wiederholenden Arbeiten wie die Ausbesserung von Gehwegplatten“, erzählt er.

Eine „große Herausforderung“ sei etwa der Hessentag im Jahr 2001 gewesen. „Da hat der Bauhof gezeigt, was er kann“, freut sich Gerhardt. Vieles sei im Voraus vorbereitet worden, bereits während der Wintersaison entstanden die großen Parkflächen. „Das war nur am Abend oder am Wochenende möglich, die Alltagsarbeit gab es ja auch noch.“

Ein weiteres herausragendes Projekt, an das Bernd Gerhardt sich gut erinnert, war der Umbau des Platzes am Stadtbrunnen vor etwas mehr als zehn Jahren. „Die Bedingungen waren nicht einfach, es gab keine Lagerflächen und es musste der Zugang zu den Geschäften gewährleistet werden, darauf sind wir schon ziemlich stolz“, betont der frisch gebackene Ruheständler. Ähnlich sei es mit den Umgestaltungen der Kitas „Am Stiergraben“ und „Gießener Straße“ gewesen: „Die Außenanlagen haben wir fast komplett umgestaltet.“

Auch die Zeit der letzten Flüchtlingswelle ist Gerhardt noch gut im Gedächtnis. Es galt, Unterkünfte herzurichten, Wände frisch zu streichen, Betten, Schränke und Regale aufzubauen. „Da mussten wir oft nicht nur wie üblich gut sein, sondern aufgrund der meist kurzfristigen Zuweisungen vor allem auch schnell.“ Unerwartete Arbeit und besonders heftige Schrecken habe schließlich auch der Sturm im August 2019 gebracht. „Da waren wir viele Wochen intensiv beschäftigt und froh über jede Hilfe aus den Nachbarkommunen, etwa aus Heusenstamm und Neu-Isenburg.“

Auch die Organisation des städtischen Winterdienstes war stets ein wesentlicher Arbeitsbereich von Bernd Gerhardt. Was ihn dabei persönlich auszeichnete, sagt einiges über seinen Einsatz in all den Dietzenbacher Jahren aus. So übernahm er die Einsatzleitung über die Weihnachtstage immer selbst. „Ich wollte nicht, dass die Kollegen das auch noch machen müssen“, sagt er schlicht. Entsprechend ist sein Fazit, selbst wenn der Mühlheimer sich auf mehr Zeit mit der Familie und auf Urlaubsreisen freut. „Ich vermisse Dietzenbach schon ein bisschen, wir, die Kolleginnen und Kollegen und die Stadtverwaltung waren immer ein gutes Team und ich bin gerne zur Arbeit gegangen.“ (Von Barbara Scholze)

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