„Wir wollen Wellen machen“

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Bürgermeister Jürgen Rogg.

Dietzenbach (cz) ‐ Bürgermeister Jürgen Rogg hatte bei seinem jüngsten Besuch gleich mehrere und auch die passenden Zutaten und Gewürze dabei. Nein. Wir reden nicht vom Essen, sondern von Fakten, Ideen und Meinungen für ein Interview zur Lage der Stadt und die Aussichten für das Jahr 2012.

Wer die Küche unserer Kreisstadt-Redaktion betritt, sollte die Rezepte nicht vergessen. Das Gericht wird nicht jedem schmecken, stellenweise vielleicht ein bisschen scharf sein. Na dann, guten Appetit!

Was gehört aus Ihrer Sicht im neuen Jahr zu den dringlichsten Aufgaben?

Wir müssen endlich beweisen, dass die politischen Kräfte in der Lage sind, auch unpopuläre Dinge anzugehen. Dabei ist es nicht so einfach, bei einer Stadtverwaltung bestimmte Posten im Haushalt zu streichen. Denn die Mitarbeiter sind ja dann immer noch vorhanden. Die Flexibilität beim Personal ist bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst nicht so gegeben wie in der freien Wirtschaft. Umgekehrt würde sich kein Unternehmer – so wie wir – mit einem Haushalt von Jahr zu Jahr hangeln. Wir müssen endlich mehr auf Sicht agieren, für die nächsten Jahre planen.

Was heißt das denn konkret?

Wir sollten uns beispielsweise fragen, ob wir im Jahr 2014 noch eine städtische Altenpflege haben wollen, oder ob es dazu Alternativen gibt. Keine Frage: Was unsere Kollegen dort leisten, ist klasse. Es wird sicherlich einen Aufschrei geben, wenn wir die Leistungen beschneiden sollten auf das, was die privaten Dienste derzeit anbieten.

Bislang hat sich aber niemand so recht getraut, auf bewährte Angebote zu verzichten...

Zuletzt hatten wir eine Art Ping-Pong-Spiel. Die Verwaltung hat gesagt, die Politik muss entscheiden. Und die Politik hat gesagt, die Verwaltung weiß am besten, wo man einsparen kann. Zielführend war das nicht.

Wie wollen Sie den gordischen Knoten durchschlagen?

Ich möchte einen neuen Weg wählen, den vielleicht noch keine andere Kommune gegangen ist, und noch im ersten Quartal einen Lenkungskreis 2015 etablieren, der aus den Vertretern der großen Fraktionen, des Magistrats und Fachbereichsleitern bestehen wird. Aus dem Lenkungskreis heraus steuern wir Arbeitsgruppen, die jeden Stein umdrehen. Also die Leistungen und Aktivitäten der Stadt genau betrachten. Dabei sollten nicht nur die freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand. Auch bei den Pflichtaufgaben müssen wir uns immer fragen, ob wir sie nicht an Dritte vergeben oder den Standard verändern können. Auch im Sozialbereich darf es keine Tabus mehr geben. Wenn es bereits private Anbieter in diesem Markt gibt, kann ich das als Stadt nicht dauerhaft alleine machen. Es könnte ja eine Übergangsphase geben, die freilich mit dem Personalrat besprochen werden muss.

Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Offenbach-Post (12. Januar 2012)

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