Erschrocken, aber nicht wirklich überrascht

Wirbel um Treffen führender Salafisten

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Ein Foto des Salafisten-Treffens auf Facebook. Mit Unkenntlichmachung von op-online.de.

Dietzenbach - Erschrocken, aber nicht wirklich überrascht – so lässt sich vielleicht am ehesten die Stimmungslage gestern in der Kreisstadt zusammenfassen, nachdem der Hessische Rundfunk (HR) berichtet hatte, dass es am Wochenende offenbar ein Treffen führender Salafisten in Dietzenbach gegeben haben soll. Von Norman Körtge 

Unter ihnen war angeblich der einer breiten Öffentlichkeit bekannte Salafisten-Prediger Pierre Vogel. Auf die Spur gekommen war der HR dem Treffen von etwa 20 Personen nach einem im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichten Gruppenfoto (Bild oben), auf dem auch Bilal G. zu sehen sein soll, den Szenekenner als eine der Hauptfiguren der Salafisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet bezeichnen.

„Da es noch immer kein Betätigungsverbot für führende Salafisten wie Pierre Vogel gibt, wundert mich ein solches Treffen nicht. Es ist vielmehr nur logisch, dass dieser Hassprediger durch unsere Lande zieht, um seine Anhänger beisammen zu halten und neue Extremisten heranzuziehen“, lässt CDU-Landtagsabgeordneter Ismail Tipi über das konspirative Treffen in seinem Wahlkreis verlauten. Der Dietzenbacher CDU-Stadtverordnete Guido Kaupat sieht sich in seinen Mahnungen bestätigt und spricht gar von einem „Rückzugsort“ für Salafisten, da es sich um ein geheimes Treffen gehandelt habe. Er fordert, dass sich alle Demokraten – egal ob in Parteien oder Vereinen – deutlich von den Fundamentalisten distanzieren.

Bürgermeister Jürgen Rogg lässt allerdings mitteilen, dass die Stadt keinen Grund für übereilte Aktivitäten sieht. Die Angelegenheit sei jetzt Aufgabe der Ermittlungsbehörden, die notfalls weitere Maßnahmen einleiten würden. Rogg erinnert daran, dass es in der Vergangenheit bereits mehrere Versuche der Anhänger von Pierre Vogel oder auch von anderen Gruppierungen gegeben habe, in Dietzenbach durch Kundgebungen oder Koranverteilungen Beachtung zu erlangen. Stadtverwaltung, Polizei und die Moscheevereine hätten dann stets gemeinsam gehandelt und die Aktivitäten mit Missachtung bedacht. Auch die Imame hätten immer erfolgreich aufgerufen, den Kundgebungen fern zu bleiben. Auch deshalb hätten diese kaum Zuspruch gehabt. „Wir sehen jetzt keine Veranlassung, von diesem gemeinsamen Weg abzuweichen“, so Bürgermeister Rogg. „Wir werden uns auch weiterhin gegen Salafismus und Gewalt verherrlichende islamische Hassprediger einsetzen“, so der Rathaus-Chef.

Protest gegen Salafisten

Protest gegen Salafisten

Gerüchten, dass sich das Treffen in der marokkanischen Tawhid-Moschee an der Justus-von-Liebig-Straße zugetragen haben soll, stellt sich Horst Schäfer, Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach“ (ARD), entgegen. Er kenne alle Räume in den hiesigen Moscheen. Solch einen, in dem die Gruppe auf dem Facebook-Foto posiert, gebe es nicht, meint Schäfer. Helga Giardino, Vorsitzende des Ausländerbeirates (ALB), stellt klar, dass sich der ALB deutlich von Salafisten distanziert und auch keine in Dietzenbach haben möchte. Es sei auch nicht bewiesen, ob das Treffen überhaupt in der Kreisstadt stattgefunden habe. Giardino setze weiterhin auf das schon lange praktizierte friedliche Miteinander der Kulturen in Dietzenbach.

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