Wohnanlage zu verkaufen

Dietzenbach - Wer auf dem Immobilienmarkt investieren will, kann im Südosten der Stadt groß einsteigen. Nicht eine Wohnung oder ein Haus, nein, gleich eine ganze Wohnanlage samt Hotel sucht dort einen neuen Eigentümer. Von Barbara Scholze

Der müsste allerdings nicht nur den Kaufpreis von 10,8   Millionen Euro aufbringen. Darüber hinaus sollte der zukünftige Großgrundbesitzer dem Wunsch vieler Mieter entsprechen und ein paar Euro in die Substanz der Immobilie investieren. Zum Verkauf auf den gängigen Immobilienseiten im Internet steht nämlich die so genannte Wohnanlage Richter an der Robert-Koch-Straße.

Drei Hochhäuser mit rund 200 Wohnungen, die nach Angaben des Verkäufers 670 000 Euro Mieteinnahmen im Jahr bringen, seit langem aber durch ihren Zustand Schlagzeilen machen. Bereits vor rund acht Jahren war ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten veröffentlicht worden. Darin hatte der Frankfurter Professor Gerd Stüwe einen generellen Verfall der Häuser seit dem Jahr 1992 festgestellt.

„Zu der Wohnanlage gehören ein Hotel, ein Laden-Zentrum, eine Schwimmhalle sowie ein Fitness-Center“, wirbt nun der Königsteiner Eigentümer Robert Richter in seiner Anzeige im Internet. Jedes Wohngebäude verfüge über einen Aufzug, die Elektronik sei seit kurzem neu. Bei zwei Aufzügen seien Motor und Getriebe ausgetauscht, der Kessel der Heizanlage habe erst vier Jahre auf dem Buckel, 90 Prozent der Fenster in der Wohnanlage habe der Eigentümer erneuern lassen.

„Das mag ja alles sein, aber mir ist nicht bekannt, dass Herr Richter in den letzten Jahren darüber hinaus viel in die Häuser investiert hat“, sagt dagegen Cengiz Hendek. Seit Jahren kämpft der ehemalige Vorsitzende des Ausländerbeirates für bessere Wohnverhältnisse in den Richter-Häusern. Lange Zeit hat er selbst dort gelebt, auf seiner Internetseite veröffentlicht Hendek Erinnerungen und Geschichten rund um das Quartier. „Viele Probleme haben sich bis heute nicht erledigt“, sagt er. Etwa die defekte Klingelanlage, die über Jahre nicht funktionierte, was dazu führte, dass die Post keine Pakete mehr auslieferte. Oder die Heizung, die immer mal wieder nur lauwarmes Wasser hervorbrachte.

Viel zu erzählen weiß Hendek auch über kaputte Aufzüge. Alles in allem gebe es einen großen Investitionsstau. „Auch Leitungen und Bäder müssten erneuert werden, und ich weiß, dass es aktuell einige Mieter gibt, die Mietminderungen vorgenommen haben“, sagt Hendek. Vor ein paar Jahren habe Robert Richter bereits den Mietern die Wohnungen einzeln zum Verkauf angeboten. Doch die damaligen Preise, ebenso wie das jetzige Angebot, hält er für völlig überteuert.

Ähnlich sieht das Bürgermeister Stephan Gieseler, der zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mit der Idee angetreten war, dass die Stadt die Wohnanlage eventuell erwerbe, „um sie selbst steuern zu können“. „Das aktuelle Angebot ist aber keine Option für die Stadt, ich kann mir niemanden vorstellen, der zu diesen Konditionen kauft“, sagt der Bürgermeister.

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