Song-Workshop

Wuchtiger Rock mit Rap-Anteilen

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„Wie produziere ich einen Song?“ Das konnten sich sieben Jugendliche am Wochenende von Leon Taylor (von rechts) und Thomas Schwarz im Bildungshaus erklären lassen – und auch gleich selbst in die Tat umsetzen. Das Ergebnis? „Ein voller Erfolg“, sagt Leon.

Dietzenbach - Spannender Song-Workshop mit Leon Taylor im Bildungshaus: Jugendliche können sich erklären lassen, wie ein Song produziert wird. Von Sascha Reichelt

Ansgar muss sich stark konzentrieren. Gleich beginnt sein Einsatz. Leon zählt an und gibt das Stichwort: „Aufnahmesituation!“ Doch dann stöhnt der Zwölfjährige auf. Eine Millisekunde zu spät. Macht aber nichts, weiß Produzent Thomas Schwarz: „Dann probieren wir’s gleich nochmal!“.

Der Jahresauftakt der Musikschule hat mit einem Projekt der besonderen Art begonnen: Am Wochenende leitete der bekannte Dietzenbacher Sänger und Musiker Leon Taylor gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Schwarz erstmals im Bildungshaus einen Song-Workshop für junge Musikbegeisterte. War Leon im vergangenen Jahr noch viel herumgekommen, etwa auf Tour mit Hip-Hop-Ikone Kool Savas sowie als Darsteller in Peter Maffays neuestem Rock-Musical „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“, verbringt der 29-Jährige nun wieder mehr Zeit in seiner Heimatstadt, um sich neben der Arbeit am Debüt-Album auch sozial und kulturell zu engagieren.

Die Nachfrage nach dem Workshop war groß: Schon nach einem Tag waren alle Plätze vergeben. Nach dem Motto „Wie produziere ich einen Song?“ konnten sich die sieben Heranwachsenden im Alter zwischen 12 und 17 Jahren kreativ austoben.

Melodien, Beats und ausgefallene Reime

Gesucht waren Melodien, Beats und ausgefallene Reime: Leon, dessen musikalische Wurzeln im Hip-Hop liegen, ließ den Jugendlichen stets freie Hand und gab ihnen hin und wieder Tipps auf den Weg. Wem ein Instrument zur Verfügung stand, der konnte sich damit einbringen. Vornehmlich waren das E-Gitarren, weshalb sich die zunächst ungewisse Soundmischung nach und nach zu einer wuchtigen Rock-Nummer, gepaart mit Rap-Anteilen entwickelte. Am Sonntagnachmittag dann ging es in die Endphase.

„Wir brauchen unbedingt noch eine letzte Strophe!“, hält Leon die Nachwuchsmusiker an. Während der im Rollstuhl sitzende Ansgar kurz innehält, um sich auf die Aufnahme vorzubereiten, ziehen Pascal, Marius und Niko in den Nachbarraum und tüfteln gemeinsam an besagtem Text. „Achtung, Achtung! Seid dafür bereit, dass der Politiker kommt und euch falsche Versprechen austeilt!“, rappt Ansgar sogleich lässig in Mikrofon. Thomas Schwarz drückt auf Stopp und lächelt zufrieden. Dieser Vers ist im Kasten. „Du hast deinen ganz eigenen Style!“, lobt Coach Leon.

„Angry Birds“ wegen Angela Merkel

Das Stück trägt den Arbeitstitel „Angry Birds“, benannt nach einem bekannten Videospiel. Die Idee hatte Marius eingebracht: „Ich sah im Fernsehen, wie Angela Merkel bei einer Debatte lieber mit ihrem Tablet-PC gespielt hat, statt aufmerksam zuzuhören!“, erzählt er. Denn wer in so einem hohen Amt steht, sollte sich eher den wirklich wichtigen Themen zuwenden, meinen die jungen Menschen, denen vor allem ihre Umwelt sehr am Herzen liegt. Entsprechend dichten sie für den Refrain: „Die Natur geht den Bach hinunter. Ihr habt es schon gehört. Doch sie sitzen nur im Bundestag und zocken Angry Birds!“ An anderer Stelle reimt Ansgar: „Denkt an die Tiere, viele sterben täglich. Das ist unerträglich!“

Nachdem alle Spuren eingespielt wurden, kümmern sich Leon und Thomas um den letzten Schliff beim Abmischen und Mastern. Das Ergebnis ihrer kreativen Leistung bekommt die Gruppe als Musikdatei zugeschickt. Schon jetzt können die Workshop-Teilnehmer stolz auf sich sein: „Es war großartig! Hier hat sich in den letzten zwei Tagen ein Haufen talentierter Leute zusammengetan. Aus meiner Sicht war es ein voller Erfolg, und es hat sich gezeigt, welche Power in den Kids steckt!“, bilanzierte Leon Taylor.

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