Beschicker sind verärgert

Wurst, Wein, Wut

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An Regentagen ist das Markttreiben oft ziemlich überschaubar.

Dietzenbach - Auch manch heitere Beschickerseele ist auf die Marktgilde in diesen Tagen wegen einer Preiserhöhung nicht gut zu sprechen. Diese wiederum ist überzeugt, dass die Kosten voll im Rahmen liegen. Von Christian Wachter

Es gibt diese Momente, in denen man sich ärgert, recht behalten zu haben, nicht eines Besseren belehrt worden zu sein. Es wäre zumindest wenig verwunderlich, wenn dem Weinhändler Christian Preuss derzeit Ähnliches durch den Kopf geht. „Ich rechne mit einer Gebührenerhöhung. Warum? Aus Erfahrung von anderen Wochenmärkten im Umkreis“, sagte er unserer Zeitung, als Ende 2016 klar wurde, dass die Marktgilde den Wochenmarkt in der Altstadt übernimmt (wir berichteten).

Und tatsächlich: Im Februar dieses Jahres erreichte die Beschicker das Schreiben, dass Standgebühren und Nebenkosten zum April erhöht werden sollen. Hörte man sich auf dem Markt um, wusste allerdings keiner der Händler, wie viel er denn nun genau zu bezahlen habe. Eine weitere Mitteilung, die das genau aufschlüsselt, so der Konsens, habe es nicht gegeben. Auch nicht bis Anfang April. Das bedeutete zumindest keine steigenden Kosten – nur fürs Erste allerdings.

Am vergangenen Freitag habe der Marktmeister dann mehr Geld gewollt, berichtet Preuss. 19 Prozent Aufschlag seien es bei ihm. Sollte es dabei bleiben, habe er kaum eine andere Möglichkeit, als die Preise zu erhöhen. Das wiederum habe an einem anderen ebenfalls von der Marktgilde betreuten Standort allerdings schon Ärger gegeben. „Ansonsten leg ich aber noch Geld drauf, außerdem bin ich immer extra zwei Stunden früher hier, um alles ein bisschen schöner zu machen.“ Ohnehin gebe es einfachere Orte, um seinen Stand aufzubauen als an der Hammannsgasse. „Es gibt wenige junge Leute, und wenn es regnet, lohnt es sich für mich auch nicht.“

Gerd Kaiser, der die Besucher an den Freitagen regelmäßig mit Grillgut und Kaltgetränken versorgt, berichtet, er sei verärgert gewesen, als er mehr Geld auf den Tisch legen sollte. „Da bin ich wohl auch etwas lauter geworden.“ Bezahlt habe er nicht – und drei andere Händler hätten es ihm gleich getan. „Ich habe nichts Schriftliches mehr erhalten, sehe es auch nicht ein, dass einfach immer nur abkassiert wird, aber ansonsten nix kommt.“ Schließlich hätten die Händler die Arbeit und die Verantwortung. Nun wolle er eine Stellungnahme der Marktgilde abwarten. „Ich komme aber auf jeden Fall wieder.“ Von anderen allerdings habe er gehört, dass sich das Geschäft mit den erhöhten Gebühren nicht mehr lohnen würde.

Wie manche seiner Kollegen, erwähnt Waldemar Gerner, Geschäftsleiter der Metzgerei Gerner, dass der „Bürgermeister da nichts machen kann“. Auch Gerner hat den geforderten Betrag nicht bezahlt. „Die Marktgilde kann nicht einfach so kommen und sagen, wir wollen mehr Geld, für den Strom werden Wucherpreise verlangt.“ Er wolle „keine Zwischenhändler reich machen.“ Als der Markt noch in den Händen der Stadt gewesen sei, hätte es nie Probleme gegeben.

Ein Gespräch von Stadt und Marktgilde vor zwei Wochen jedenfalls brachte noch keine „festen Verhandlungsergebnisse“, wie es aus dem Rathaus hieß. Rein rechtlich seien die Einflussmöglichkeiten gering, erst ab 2021 könne man den Markt wieder übernehmen.

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Wenig überraschend schätzt man die Situation bei der Marktgilde selbst anders ein als es die Händler tun. „Wir wollen den Wochenmarkt weiterentwickeln und zu einem Treffpunkt der Bevölkerung machen“, heißt es auf eine Anfrage hin. Als Beispiel für die Ziele nennt Aufsichtsratsvorsitzender Berthold Stahl einen Artikel der Allgemeinen Zeitung Mainz, in dem es um das „bunte Programm“ an den Ständen auf dem Obermarkt in Alzey (Rheinland-Pfalz) geht.

Auf die Bitte, konkret etwas zum Dietzenbacher Markt zu erfahren, äußert er sich auch zu den Regentagen. An solchen erreiche der Umsatz der Händler zwar nicht die gewünschte Höhe, „es gibt aber auch gute Markttage, die dies wieder auffangen“. Leider seien nicht alle Händler bereit den Markt an Regentagen zu beschicken. „Es findet also eine gewisse „Rosinenpickerei“ statt.“ Was die Gebühren angehe, so zeige ein Vergleich mit anderen Märkten, dass sie sich ihm Rahmen bewegen. „Sie sind den entstehenden Kosten geschuldet und keineswegs überhöht.“ Sollte ein Händler den Markt nicht mehr beschicken wollen, sei das seine freie Entscheidung. Uns bleibt es allerdings unbenommen, für Ersatz zu sorgen. Wir kennen im räumlichen Umfeld von Dietzenbach einige hundert Händler, die wir dann ansprechen werden.“

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