Pläne für Unterkünfte unverändert

Zahl der im Kreis ankommenden Flüchtlinge sinkt

Dietzenbach -  Insbesondere die Blockade der Balkanroute für Schutzsuchende, aber auch andere Abwehrmaßnahmen auf europäischer Ebene sorgen dafür, dass derzeit dem Kreis Offenbach weniger Flüchtlinge zugewiesen werden. Von Michael Eschenauer 

Im ersten Quartal dieses Jahres seien 1117 Menschen in der Region angekommen, berichtete gestern Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Carsten Müller (SPD). Dies entspreche in etwa der letzten Prognose, die bei 1213 Personen gelegen habe. „Im zweiten Quartal können wir laut Auskunft des Regierungspräsidenten mit nur 259 Neuankömmlingen rechnen“, so Müller.

Allerdings sei die Situation nach wie vor unkalkulierbar - zum Beispiel wegen der vielen Menschen, die von Libyen aus das Mittelmeer überqueren wollten. Der Kreis will infolgedessen an seiner Agenda festhalten und alle für dieses Jahr geplanten Unterkünfte im vorgesehenen Zeitrahmen fertigstellen. Die Suche nach weiteren Unterkünften, sei es zum Kauf oder zur Anmietung, werde allerdings derzeit nicht weiter forciert, so der Kreisbeigeordnete. „Wir sind nach jetziger Einschätzung so aufgestellt, dass es zumindest eine kleine Reserve gibt“, sagte Müller. Allerdings sei die Bereitstellung von dauerhaftem Wohnraum in den Kreiskommunen auch mittelfristig unverzichtbar.

Und so geht es im Kreis Offenbach weiter: Im ehemaligen Gebäude des Spielwarenherstellers Mattel An der Trift in Dreieich wird voraussichtlich im Mai eine Unterkunft für 250 Menschen fertig. Im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch entstehen im Frühsommer in einem Haus im Meisenweg im 70 Plätze, in Dietzenbach im Sommer in der Ober-Rodener-Straße 120 Plätze, in Obertshausen in der Gemeinschaftsunterkunft Rodaustraße 160 und im Herbst in der Dieburger Straße in Rödermark 40 Plätze. Diese Kapazitäten werden nach Einschätzung der Behörden dazu beitragen, dass die Belegung in den Gemeinschaftsunterkünften sinkt und zweckentfremdete Räumlichkeiten wie etwa der Gesellschaftsraum des Kultur- und Sportzentrums Martinsee in Heusenstamm wieder für die ursprüngliche Nutzung freigegeben werden. Das sei in diesem Fall bereits geschehen, so Müller.

Angesichts der „neuen Lage“ könne man sich nun, so der SPD-Politiker, verstärkt auf die Integration konzentrieren. „Die Angebote der Volkshochschule spielen eine wichtige Rolle“, so der Sozialdezernent. Es gebe beispielsweise für Einsteiger mit guter Bleibeperspektive Alphabetisierungskurse, an denen 2015 etwas mehr als 300 Zuwanderer teilgenommen hätten. Integrationskurse würden auch von den lokalen Volkshochschulen in Dreieich, Neu-Isenburg und Dietzenbach angeboten. Ferner lernten Flüchtlinge aus dem Iran, dem Irak, aus Eritrea und aus Syrien in Orientierungskursen mehr über Deutschland, die Gesellschaft und die Kultur. Die Finanzierung übernehme die Bundesanstalt für Arbeit. Insgesamt haben nach Müllers Auskunft bis Ende März 2150 Flüchtlinge an einem entsprechenden Kurs teilgenommen. „Darüber hinaus werden wir das Angebot des Landes nutzen“, führt Müller weiter aus, „und zwei Koordinatoren einstellen, die vom Land bezahlt werden.

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Müller wies darauf hin, dass im Kreis etwa 1200 Afghanen leben, die derzeit noch keine Chance auf eine Anerkennung als Asylberechtigter hätten und deshalb auch von den Sprach- und Orientierungskursen ausgeschlossen seien. Müller: „Die Tatsache, dass diese Menschen offiziell derzeit keine Bleibeperspektive haben, heißt allerdings nicht, dass sie nicht trotzdem längerfristig hier im Lande bleiben.“ Es sei notwendig, auch für diesen Personenkreis Bildungs- und Integrationsangebote bereitzustellen. Ansonsten hätten sie keine Chance auf einen Job und müssten dauerhaft vom Staat alimentiert werden.

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