Vehemente Oppositions-Kritik

Schulentwicklungsplan verabschiedet: „Zahlen alt, Perspektive fehlt“

Dietzenbach - Perspektivlosigkeit, Missachtung der Kritik der Schulen, zu viele Container, überholte Zahlen. Mit harter Kritik hat die Opposition im Kreistag den neuen Schulentwicklungsplan gestern bedacht. Von Michael Eschenauer

Angenommen wurde das 360 Seiten starke Werk trotzdem – mit den Stimmen der Großen Koalition gegen die gesamte Opposition.

Rudolf Schulz (Freie Wähler) forderte gar die Zurückziehung des Plans. Grundlegende Probleme der Schulgemeinde wie Raummangel, Personalengpässe und Defizite bei der Umsetzung der Inklusion hätten keine Berücksichtigung gefunden. Schulz sprach von „eklatanten Notständen“ und zweifelhaften Prognosen hinsichtlich der erwarteten Schülerzahlen.

Auch Jutta Schwarz (FDP) nannte den Schulentwicklungsplan „über alle Maßen enttäuschend“. In den Schulen fehle es an Platz an allen Ecken und Enden. „Es fehlen Klassenräume, Nebenräume für inklusiven und differenzierten Unterricht, Räume für Intensivklassen“, so Schwarz. Wanderklassen seien eine „pädagogische Verfehlung“, ebenso wie die Umwandlung von naturwissenschaftlichen und musischen Fachräumen in Klassenräume.

Jona Löbcke (Linke) sieht zentrale Zukunftsherausforderungen des Bildungssystems wie die inklusive und soziale Schule, Digitalisierung oder die Förderschulen ausgeklammert. Anstatt die Kritik vor Ort in die Pläne einzuarbeiten, habe man die Herausforderungen kleingerechnet.

Klaus-Uwe Gerhard (Grüne) riet der Großen Koalition, das Wortteil „Entwicklung“ im Schulentwicklungsplan ernst zu nehmen. Angesichts „vager Absichtserklärungen“ drohe der Kreis Offenbach, der einst „Schulstandort Nummer 1“ gewesen sei, zum „Containerstandort Nummer 1“ zu werden. Die Grünen legten in einem eigenen Antrag eine Liste mit konkreten Verbesserungen für Schulen im Kreisgebiet vor. Der Antrag fand allerdings keine Mehrheit.

Maximilian Müger (AfD) nannte den Schulentwicklungsplan nicht ausreichend zukunftsorientiert. Ihn zu verabschieden mache keinen Sinn. Er selbst habe in seiner Schulzeit negative Erfahrungen mit dem Unterricht in Containern gemacht.

Heinz-Georg Sehring (FL-NEV) bezeichnete die Pläne als Versuch von SPD und CDU, Zeit zu gewinnen, um zu verschleiern, dass man über Jahre den Bevölkerungszuwachs im Kreis nicht ausreichend berücksichtigt habe.

Abitur und Schulabschluss: Klassenbilder 2018 aus der Region

Gisela Schmalenbach berichtete als Vorsitzende des Schulausschusses, bei den drei Anhörungen im Vorfeld der Verabschiedung hätten die Vertreter der Schulen den Schulentwicklungsplan zufrieden aufgenommen. Von den insgesamt 86 Schulen im Kreisgebiet seien lediglich knapp 30 Stellungnahmen eingegangen. Dort, wo es erkennbare Probleme gebe, nämlich in Langen und Dietzenbach, habe man mit Nachbesserungen reagiert. Es sei wichtig, den Plan in Kraft zu setzen, denn die Schulen würden erwarten, dass nun zügig etwas passiere.

Michael Schüßler (FDP) erklärte die angebliche Zufriedenheit der Schulen mit einer „Fehlwahrnehmung“. Die mangelnde kritische Resonanz liege auch daran, dass man angesichts der Uneinsichtigkeit der Verantwortlichen Wortmeldungen aufgegeben habe. Die Warnung der Kreisspitze vor hohen Kosten durch Baumaßnahmen laufe ins Leere. Die Kommunen wüssten, dass es teuer werde, sie wollten aber dennoch gute Schulen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Roland Weihrauch/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare