Bericht zu Terror in Brüssel

ZDF bringt Dietzenbach in die Schlagzeilen

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Das ZDF hat Dietzenbach im Zusammenhang mit Molenbeek genannt. Bürgermeister Rogg befürchtet dadurch einen enormen Imageschaden. Das Spessartviertel galt lange als Ghetto des Rhein-Main-Gebiets. Allerdings habe sich die Situation dort radikal verbessert, sagt Polizeipressesprecher Henry Faltin. Es gebe keine Erkenntnisse über Radikalisierte und Radikalisierende.

Dietzenbach - Das ZDF bringt in der Berichterstattung über die Anschläge in Brüssel den Namen Dietzenbach ins Spiel. Zu Unrecht, wie Bürgermeister und Polizei bestätigen. Die Stadt fordert eine Richtigstellung. Das ZDF reagiert gestern Abend vor laufender Kamera. Von Ronny Paul 

Ein Satz im Heute Journal des Zweiten Deutschen Fernsehens hat in Dietzenbach für Verunsicherung gesorgt. Bei Stadtverwaltung, Polizei und auch in unserer Redaktion haben sich gestern Morgen besorgte Bürger gemeldet. Grund: Die Antwort vom stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen auf die Frage von Moderator Claus Kleber, ob es in Deutschland Orte gebe wie Brüssel-Molenbeek, wo die Sicherheitsbehörden keinen Einblick mehr hätten. Theveßen antwortete: „Es gab oder gibt auch Ansätze in einigen Regionen in Deutschland, wenn man beispielsweise nach Duisburg-Marxloh guckt, Frankfurt-Dietzenbach und Ähnliches.“

„Es tut weh, dass Dietzenbach immer reflexartig genannt wird“, sagt Henry Faltin, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen und verweist auf die Kriminalstatistik. Die erfassten Straftaten sind im Vergleich der Jahre 2006 (3238) und 2015 (2078) um 1160 Fälle zurückgegangen. Seit den schweren Ausschreitungen im Spessartviertel vor rund zehn Jahren habe sich das Blatt radikal gewendet. Alle, unter anderem Stadt und Polizei, hätten an einem Strang gezogen und eine ganz klare Verbesserung der Strukturen herbeigeführt, sagt Faltin und ergänzt: „Wir lehnen uns aber nicht zurück und werden alles dafür tun, dass es so bleibt.“ Aktuell gebe es keine hiesigen Erkenntnisse über Radikalisierte und Radikalisierende, die Bestrebungen haben, Menschen etwa für den IS anzuwerben oder selbst dorthin zu gehen, sagt Faltin.

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Auch Theveßen erinnert auf Nachfrage unserer Zeitung: „Im Nachgang zum 11. September 2001 gab es in Bezug auf Dietzenbach tatsächlich Besorgnisse. Einzelne Personen, die dort lebten, wurden mit islamistischen Kreisen in Verbindung gebracht.“ Er sagt aber auch: „Derzeit haben die Sicherheitsbehörden keine Hinweise auf eine aktuelle Bedrohung.“ Man habe offenbar auch einiges unternommen, um sich um junge Muslime zu kümmern. Zudem seien die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen besser als vor zehn, 15 Jahren. „Man hat sich um Probleme gekümmert, das ist der Unterschied zu Belgien und Frankreich.“

Bürgermeister Jürgen Rogg spricht von einem enormen Imageschaden für Dietzenbach und fordert vom ZDF eine Richtigstellung: „Diese Aussage ist nicht akzeptabel und darf nicht unkommentiert bleiben.“ Den Sicherheitskräften wie auch dem Verfassungsschutz lägen keine Anzeichen oder Hinweise vor, die eine solche Aussage rechtfertigen könnten, betont Rogg. Der Bürgermeister befürchtet, dass Dietzenbach nun in einem Atemzug mit Molenbeek genannt werden könnte. Das ZDF erklärte gestern Abend vor laufenden Kameras, dass mit den Aussagen vom Vorabend die Vergangenheit und nicht die aktuelle Situation in Dietzenbach gemeint war.

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