Mit dem Kauf eines Bürohauses geht die Stadt einen neuen Weg

Ein Zentrum für Flüchtlinge

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Dieses Bürogebäude an der Ecke der Justus-von-Liebig- mit der Voltastraße kauft die Kreisstadt, um dort rund 120 – notfalls bis zu 180 – Asylbewerber unterzubringen. In vier bis sechs Wochen sollen die ersten Flüchtlinge einziehen.

Dietzenbach -   Die Stadt kauft im Gewerbegebiet ein Bürohaus, um dort Flüchtlinge unterbringen zu können. Es ist die zweite Gemeinschaftsunterkunft in Dietzenbach, eine dritte ist bereits in Bau. Von Norman Körtge 

Das Unterbringen von Flüchtlingen stellt die Stadtverwaltung auch im neuen Jahr vor enorme Herausforderungen. Ein Beispiel aus den vergangenen Tagen schilderte Erster Stadtrat Dieter Lang gestern auf der Magistratspressekonferenz. Am Donnerstag war der Verwaltung vom Kreis mitgeteilt worden, dass an diesem Montag 14 Asylbewerber kommen und unterzubringen sind, obwohl die Kreisstadt nur sechs freie Plätze gemeldet hatte. Durch Umzüge und „Verdichtung“ – also mehr Menschen in eine Wohnung, ein Zimmer – schafften es die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die notwendigen Betten zur Verfügung zu stellen. Und darüber hinaus noch drei weitere Plätze zu schaffen. Aber was, wenn nun der Stadt für nächsten Montag mehr als drei Flüchtlinge zugewiesen werden? Der Erste Stadtrat antwortete mit einem in diesem Fall vielsagenden Achselzucken.

In vier bis sechs Wochen hätte Lang eine Antwort parat: Justus-von-Liebig-Straße 19. Wie Bürgermeister Jürgen Rogg und der Erste Stadtrat bekannt gaben, hat der Magistrat beschlossen, die dreigeschossige Gewerbeimmobilie zu kaufen. Die geschätzten Investitionskosten belaufen sich auf zirka 2,4 Millionen Euro, darin enthalten der Anschaffungspreis, Nebenerwerbs- und die Umbaukosten. Die Gesamtfläche umfasst 2570 Quadratmeter, auf denen 120 Menschen untergebracht werden – notfalls auch bis zu 180. Der Grund, warum die Stadt nicht erneut zum Bauherren geworden ist – wie bereits bei der Gemeinschaftsunterkunft am Kindäcker Weg oder der in Bau befindlichen Unterkunft an der Lise-Meitner-Straße –, sondern zum Käufer, ist dem zeitlichen Druck geschuldet. Es hätte zu lange gedauert, bis Bauanträge, et cetera genehmigt gewesen wären, die Zuweisung der Flüchtlinge aber weiter geht.

Gewerbegebiet: „Eine schlechte Lösung“

Dass die Immobilie im Gewerbegebiet liegt, sei eine „schlechte Lösung“, so Rogg, der immer dafür eingetreten sei, Flüchtlinge in Wohngebieten unterzubringen. Vor allem im Hinblick auf die Integration. Daher habe die Stadt – auch in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfe – ein Nutzungskonzept für das Gebäude entwickelt, das mehr als eine reine Unterkunft sein soll. „Sprache, Weiterbildung und Qualifizierungsmöglichkeiten unter einem Dach“, skizziert Rogg, der daher auch von einem Flüchtlingszentrum spricht.

So soll das Erdgeschoss nicht zur Unterbringung genutzt werden, sondern Platz bieten für Büros, Multifunktionsräume, Besprechungszimmer der Sozialarbeiter und Schulungsräume. Da die entstehenden Gemeinschaftsunterkünfte an der Lise-Meitner-Straße und die des Kreises an der verlängerten Ober-Rodener Straße in Laufweite seien, können die dort untergebrachten Flüchtlinge die neue Einrichtung und deren Angebote mitnutzen.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Geplant ist ein schrittweiser Umbau, zumal in dem Gebäude noch andere Miete1r sind, die demnächst aber ausziehen. So wird das erste Obergeschoss in den nächsten Wochen zunächst zu einer Notunterkunft für etwa 65 Personen hergerichtet. Der zweite Stock wird dauerhaft zu einer Gemeinschaftsunterkunft für maximal 90 Personen umgebaut. Dort sollen Einzelräume für vier bis acht Personen entstehen. Sanitärbereiche, Küchen und Gemeinschaftsflächen werden zentral in der Mittelzone der Etage geplant. Nach Fertigstellung ziehen dort die bis dato notdürftig im ersten Stockwerk einquartierten Flüchtlinge ein.

In der ersten Etage werden anschließend für eine längerfristige Nutzung 15 Mikroappartements von je 41 Quadratemetern Größe für vier bis sechs Menschen eingebaut. Jeweils inklusive Kochnische und Bad.

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