Blumenwerkstatt von Anke Rast-Polnik

Zimtduft im Sommer

+
Anke Rast-Polnik kreiert Adventskränze nach den individuellen Wünschen der Kunden.

Dietzenbach - Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal haben wir die Blumenwerkstatt besucht. Von Tamara Schempp 

Kaum ist die Sommerhitze vorüber, schon plant Anke Rast-Polnik die Weihnachtseinkäufe. Doch es stehen noch keine Geschenke für ihre Liebsten auf der Liste. Die besinnliche Zeit im Dezember ist die Hauptsaison für Dekoration, auch in Rast-Polniks „Blumenwerkstatt“. Die 47-Jährige kreiert auf Bestellung weihnachtliche Gestecke aus Lichterketten, Tannenzapfen, Moos und anderen Naturmaterialien.

Im Spätsommer beginnt Rast-Polnik mit der Materialbeschaffung für die Weihnachts-Deko. „Jetzt gibt es noch die volle Auswahl an Kerzen im Großhandel“, erklärt die Floristin, die sich neben dem Arrangement von Blumensträußen und -kränzen auf Raum- und Tischgestaltung spezialisiert hat. Vergangenes Jahr ließ sie sich dafür als Eventmanagerin ausbilden. Gebucht wird Rast-Polnik das ganze Jahr über für Geburtstage, Hochzeiten und Beerdigungen. „Ich bin viel unterwegs, nicht nur in der Region“, berichtet sie. Zu ihren größten Kunden gehören Firmen, zu deren Feiern bis zu 400 Personen eingeladen werden. In den Locations schmückt sie die Tische und Stühle passend zum Thema der Feier. Beliebt sind Reiseziele: Hawaii, New York, Sylt. „Ich arbeite eng mit den Caterern zusammen. Das macht mir echt Spaß“, sagt Rast-Polnik.

Um sie zu beauftragen, kommen ihre Kunden aus dem Umkreis – und teils darüber hinaus – zu ihr in die Blumenwerkstatt. Sie befindet sich in der 30 Quadratmeter großen Kellerwohnung ihres Privathauses nahe des Aussichtsturms. Ein Schild am Haus verrät: Hier wird kreativ gearbeitet. Der Weg in die Werkstatt führt durch den Hausflur. „Ich habe keine Laufkundschaft. Hier kommt ja niemand mal eben vorbei“, erklärt Rast-Polnik bei einer Führung. Neue Kunden gewinne sie per Mund-zu-MundProgaganda über zufriedene Käufer.

Als gelernte Zahntechnikerin ist die Dietzenbacherin versiert im Umgang mit Werkzeugen und verschiedenen Materialien wie Gips, Stein, Holz und Ton. Die Deko-Elemente und Blumengestecke, mit denen sie Räume und Tische herrichtet, stammen aus eigener Produktion.

Im Zuge des Mitmach-Trends bietet Rast-Polnik seit ein paar Jahren Workshops und Seminare an. Der Nachwuchs kommt bei „Do it yourself“-Kindercamps unter. „Das ist kreatives Wellness“, verspricht die Kursleiterin. Bis zu zehn Teilnehmer versammelt sie dafür um ihren massiven Holztisch. Meistens seien es Frauen und Kinder, berichtet Rast-Polnik. Aber auch deren Männer lernen bei ihr, dass Handwerk nicht nur im eigenen Haus Spaß macht. „Das haben zum Beispiel die Männer gebaut“, sagt die 47-Jährige und zeigt auf einen Kerzenleuchter aus Birkenstämmen. In den Kreativkursen hämmern, sägen und drahten die Teilnehmer Steinschalen, Rebkörbe und dekorative Mooskugeln für den Garten.

Begonnen hat alles mit frischen Blumen. Als ihr jüngster Sohn, heute 17 Jahre alt, noch klein war, half Anke Rast-Polnik sieben Jahre lang im Blumenladen einer Freundin aus, erzählt sie. „Anfangs habe ich nur den Anschnitt gemacht, dann im Laden mitgearbeitet“, erinnert sie sich. Nachdem sich auch privat immer mehr Menschen Blumensträuße von ihr wünschten, richtete Rast-Polniks Mann Steffen im Keller ihres gemeinsamen Hauses eine Kreativecke ein.

Zu ihren meistgekauften Artikeln gehören die prachtvollen Adventskränze, die sie, je nach Kundenwunsch, mal mit auffällig schillernden Glitzerelementen, mal mit Kerzen in klassischem Rot-Gold oder Silber-Weiß bestückt. Die kommen bei den Kunden nicht nur in der Vorweihnachtszeit auf den Tisch. „Eine Familie zum Beispiel dekoriert den Rohbau das ganze Jahr über“, berichtet Rast-Polnik.

Für das kommende Weihnachtsgeschäft sitzt Anke Rast-Polnik jeweils einen ganzen Tag an einem ihrer üppig dekorierten Adventskränze. Je nach Bestückung kosten die zwischen 39 und 300 Euro. Die Kränze und weiteren weihnachtlichen Schmuck verkauft die Floristin gemeinsam mit Mann Steffen und den beiden Söhnen auf dem hauseigenen Adventsmarkt im 500 Quadratmeter großen Garten. Der Markt findet jedes Jahr am Samstag und Sonntag vor dem ersten Advent statt.

Anke Rast-Polnik schmückt die Prototypen am liebsten mit Zimtstangen, verrät sie. Die teils meterlangen Stangen sägt sie klein und drapiert sie um den Kranz herum. Der so verbreitete Duft findet seinen Weg auch aus der Werkstatt heraus. „Meine Kinder werden dann in der Schule gefragt: Hat die Mama wieder mit Zimt gearbeitet?“, sagt Rast-Polnik lachend. Der Duft von Weihnachten weht in ihrer Blumenwerkstatt eben auch im Sommer.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare