Zoohaus der Familie Eckert

Ohne würde etwas fehlen

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Mit dem Zoohaus eine Konstante in Dietzenbach: Doris Eckert, Achim Flick und Jörg Eckert.

Dietzenbach - Ein inhabergeführtes Geschäft für Tierbedarf, das sich 50 Jahre lang hält –oft gibt es so etwas nicht in der Region. Die Eckerts haben es mit ihrem Zoohaus geschafft und denken nicht ans Aufhören. Von Christian Wachter

„Kanarienhähne, gute Sänger ab 16 DM, dazu den passenden Käfig ab 16,50 DM.“ Viele Jahre ist es her, dass diese Anzeige in unserer Zeitung stand. Das Geschäft, das sie aufgegeben hat, gibt es heute noch – wenn auch nicht mehr in der Patershäuser-, sondern in der Babenhäuser Straße und mit anderem Namen. Firmierte der Laden zu Beginn noch unter Zoo-Eckert, heißt er inzwischen Zoohaus Dietzenbach. Nun steht der 50. Geburtstag kurz bevor. Am 19. Februar 1968 meldete Doris Eckert das Gewerbe an. Sie begann mit neun Quadratmetern Verkaufsfläche für Tierfutter in Steinberg mit anliegender Vogelzucht, für die zumindest ein wenig mehr Platz war. Während ihr Mann die Zucht als Hobby betrieb, stand sie hinter der Ladentheke. Und das tut sie auch heute noch. Aufhören? „Ich bin sechs Tage in der Woche hier, ohne würde mir etwas fehlen“, sagt sie bestimmt.

Das Geschäft wurde Stück für Stück größer, zog dann zuerst in die Babenhäuser Straße 11 und Ende der Siebzigerjahre ins heutige Domizil. Vom Internet und leicht zugänglichen Informationen konnte zu Beginn natürlich keine Rede sein. „Ich war eine Autodidaktin“, sagt sie. Außerdem habe man sich in der Branche untereinander gekannt, Wissen geteilt und sich auch auf Messen und anderen Treffen ausgetauscht. „Zuhören und Reden war das Motto, von Kiel bis Konstanz.“

Ebenfalls zum Team gehört ihr Sohn Jörg Eckert. Eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker und Stahlbauer stieg er 1991 ein. „Ich wollte den Betrieb weiterführen“, sagt er. Eine Rückkehr in den alten Beruf steht nicht zur Debatte. „Ich lebe nach Ladenöffnungszeiten, am Zweiten Weihnachtsfeiertag habe ich fast einen Lagerkoller bekommen.“ Ohne das Zoo-Geschäft, ist er sich sicher, hätte er nie so viele Leute kennengelernt. „Ich bin stolz auf Kunden, die mir erzählen, dass sie schon als Kinder hier waren.“

Auch fachlich ist er in dem Umfeld aufgegangen, wirkt so, als könnte er problemlos stundenlange Vorträge über Fische – die einzigen Tiere, die sie noch verkaufen – und Aquarien halten. Seit 20 Jahren besuche er regelmäßig Vorträge und Fortbildungen. Die Kundschaft weiß es anscheinend zu schätzen. So sehr, dass er einmal einer Spedition nach Hildesheim nachgefahren ist, um jemandem an seinem neuen Wohnort sein Aquarium wieder aufzubauen. Jene Spezialisten, die sich zuerst lange beraten lassen, um dann doch für ein paar Euro weniger im Internet zu kaufen, gebe es allerdings auch bei ihnen.

Der Kundenliebling aber liegt neben ihm. Gracy hat ihren Namen in Anlehnung an Grace Kelly bekommen. „Weil sie so schön ist“, sagt er mit einem Lachen. Die Britisch-Kurzhaar-Katze sei ihm in Italien zugelaufen und wisse genau, wie sie die Menschen um den Finger wickle. Neulich habe sie sich verletzt, humple wenn Besucher da seien. „Aber wenn ich morgens aufmache, springt sie durch den Laden.“ Der Umgang mit Tieren sei wichtig, betont er, gerade für Kinder. „Hunde und Katzen zum Beispiel haben ein Gefühl dafür, wenn das Karma eine Delle hat, es sind die stimmlosen Tröster.“ Deshalb sollte man ihnen auch das richtige Futter geben. „Die Leute kaufen billig und bringen ihre Lieblinge dann zum Tierarzt, der die Symptome der schlechten Ernährung behandeln muss.“ Doris Eckert pflichtet ihm bei. „Ein Döschen für 25 Cent, das kann nicht gut sein, da verliere ich lieber einen Kunden, bevor ich so etwas verkaufe.“

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Gerade beim besten Freund des Menschen kommt das anscheinend gut an. Doris Eckert erzählt von einem Hund, der früher immer selbstständig von der Metzgerei Mörtel über die Polizeiwache und einen Blumenladen bis zu ihrem Geschäft gelaufen ist – in der Hoffnung, überall einen Happen abzubekommen. Eine andere Familie könne sonntags ohne Extra-Leckerli nicht mehr aus dem Haus. Das müsse dann vor dem geschlossenen Geschäft abgelegt werden, ansonsten wäre der Vierbeiner nicht bereit, weiterzugehen. Dabei gebe es genug Möglichkeiten, ihn an die kurze Leine zu nehmen: 500 Hundemäntel und 1 000 Leinen haben die Eckerts im Sortiment.

Dass die Waren ihren Weg auch ins europäische und vereinzelt weltweite Ausland finden, hat mit Achim Flick zu tun. Schon 2007 baute er einen Online-Shop auf, mit Produkten vom Aquarienfilter bis zur Pferdesalbe. „Wie hast du immer gesagt: Multi-Channel-Marketing?“, fragt ihn Jörg Eckert. „Genau“, sagt Flick grinsend. Und an Doris Eckert gewandt meint der Online-Spezialist: „Weißt du noch, bevor es das Internet gab? Da warst du hier der Treffpunkt, hab’ ich immer gesagt.“ Die Chefin lächelt. „Manche glauben ja alles, was im Internet steht, ich sage dann immer: Das können Sie schon so machen, aber Sie erhalten dann keine genauen Antworten zu Ihrem eigenem Haustier.“ Umso schöner sei es, dass Menschen immer noch vorbeikommen bloß, um zu reden. „Wir machen das von Herzen.“

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