Zuhören und Mut machen

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Mit einem offenen Beratungsangebot für behinderte Menschen mit Migrationshintergrund haben Ayse Oluk (vorne) und Elif Dündar viele Interessierte angelockt.

Dietzenbach (scho) ‐ „Nicht unterkriegen lassen!“ Diese Botschaft mussten Ayse Oluk und Elif Dündar in den vergangenen Wochen so manchem Klienten mit auf den Weg geben.

Drei Monate lang haben die beiden Wirtschaftsjuristinnen offene Beratungsstunden für behinderte und chronisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund angeboten. Das Projekt im Rahmen der Aktion „Stärken vor Ort“, ein Programm von Kreisverwaltung und Stadt mit Fördermitteln der Bundesregierung und der Europäischen Union, ist für die Ratsuchenden kostenfrei und zeigte schnell Erfolg. Etwa 20 Frauen und Männer aller Generationen fanden den Weg ins Jugendzentrum, wo die beiden Beraterinnen sonntags zu sprechen waren.

In den meisten Fällen war es nicht mit einem einmaligen Gespräch getan“, berichtet Ayse Oluk. Im Schnitt kamen die Klienten dreimal, das Team musste recherchieren und Unterlagen zusammentragen, um die Situation zu erfassen. „Viele Leute waren völlig am Boden und ratlos, so dass wir sie erst aufbauen mussten“, erinnert sich Elif Dündar. Manche hatten eine wahre Odyssee von Ärzten zu Ämtern hinter sich und nicht selten aufgrund von Sprachschwierigkeiten noch lange nicht alles verstanden. Etwa die junge Frau, die plötzlich mit der Diagnose Multiple Sklerose fertig werden musste. Oder der ältere Mann mit Parkinson, der seine Arbeit nicht aufgeben möchte.

Schwerpunkt: Integration in den Arbeitsmarkt

Ausgestattet mit fachlichem Hintergrund arbeiteten sich die beiden Beraterinnen gemeinsam mit ihren Klienten durch Schriftverkehr mit Versorgungsamt oder Arbeitgebern, halfen bei Anträgen und Widersprüchen und stellten Kontakte her. „Wichtig war auch das Gespräch, mancher hat schon aufgeatmet bei dem Gefühl, da nimmt sich jemand Zeit und hört mir zu“, erzählt Oluk. Schwerpunkt der Beratung war auch immer die Integration in den Arbeitsmarkt. Vor allem junge Frauen mit Handicap nutzten das Angebot, um gemeinsam mit den Beraterinnen Bewerbungen und Lebensläufe zu schreiben und entsprechende Stellenausschreibungen zu suchen. „Dabei konnten wir auch vieles zu Weiterqualifizierung und Schulbildung erklären“, sagt Dündar.

Weitere Infos erteilt Ayse Oluk unter Tel.: 0157/84402931.

Für Ayse Oluk, die von Kindheit an gehbehindert ist und gegen manchen Widerstand ihren Lebensweg zielstrebig bis zum aktuellen Studium „Master of law“ verfolgt hat, ist mit dem Projekt ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich weiß, was es heißt, behindert zu sein und will andere ermutigen, sich bloß nicht unterkriegen zu lassen.“ Gemeinsam mit Elif Dündar möchte sie nun das Angebot fortsetzen, ein entsprechender Antrag ist bereits gestellt. Eines der Ziele ist es, irgendwann eine Selbsthilfegruppe zu ermöglichen. „Betroffene sollen selbständiger und mutiger agieren können“, wünschen sich die beiden.

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