800-Jahr-Feier: Was wünschen sich Fraktionen?

Ein zweiter Hessentag ist finanziell nicht machbar

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Zum Hessentag 2001 war die ganze Kreisstadt eine Festmeile. So groß wird die 800-Jahr-Feier 2020 wohl nicht.

Dietzenbach - Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Feier zum 800-Jährigen der Kreisstadt zu planen. Ein Komitee soll Vorschläge erarbeiten, wie das Jubiläum begangen werden soll. Von Ronny Paul 

Was sich die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung angesichts des klammen Stadtsäckels vorstellen, haben wir abgefragt. Nachdem wir bei Bürgern nachgefragt haben, was sie sich für 2020, wenn Dietzenbach 800 Jahre alt wird, als feierlichen Rahmen vorstellen können, kommen nun die Fraktionen Wort. Diese hatten im August, wie berichtet, in der Stadtverordnetenversammlung eine interfraktionelle Entscheidung getroffen. In dem einstimmig verabschiedeten Beschluss ist vorgesehen, dass die vom Magistrat angedachte Komitee-Besetzung – Vertreter der Stadtverordneten, des Ausländerbeirats, des Seniorenbeirats und der Interessensgemeinschaften Sport und Kultur – durch Vertreter der Kirchen ergänzt wird. Auch soll das Gremium öffentlich tagen und die Stadtverordneten regelmäßig über den aktuellen Sachstand informieren. Zusätzlich soll der Magistrat zur Ermittlung des Finanzrahmens, Vergleiche zu anderen Städten sowie zur 775-Jahr-Feier Dietzenbachs hinzuziehen. Eine abschließende Entscheidung über den Zeit- und Finanzplan der Festlichkeiten wollen die Stadtverordneten dann 2019 treffen. Der Magistrat hatte einen gesonderten Etat von 200.000 Euro, der über den Anlagenfond gedeckt werden soll, ins Gespräch gebracht. Mit diesem soll eine Festwoche mit „Aktivitäten und Events“ vom 21. bis 30. August 2020 finanziert werden.

Einig darüber, dass das Jubiläum gefeiert werden soll, sind sich alle Fraktionen. CDU-Fraktionschef Manuel Salomon findet: „800 Jahre sind ein stolzes Alter. Die Dietzenbacher haben viel erlebt und geleistet in den letzten Jahrzehnten, daher sollte ein solch besonderes Jubiläum auch gebührend gefeiert werden.“ Die Christdemokraten stellen sich ein Straßenfest in den Gassen der Altstadt vor „mit vielen verschiedenen Ständen örtlicher Vereine, lokaler Gaststätten, Restaurants und anderen örtlichen Betrieben“. Salomon schwebt eine Bühne vor, auf der tagsüber Musikvereine und -schule für das Programm sorgen. Abends solle diese den „zahlreichen großartigen Dietzenbacher Bands und Künstlern“ zur Verfügung stehen. Salomon betont, dass es „besonders sinnvoll“ wäre, bereits bestehende, jährlich ausgerichtete Stadtfeste miteinzubinden.

Edna Vornberger, Fraktionschefin der Linken sieht das ähnlich: Der Kultursommer in der Altstadt sei ein „gutes Beispiel dafür, welche Möglichkeiten in der Stadt vorhanden sind“. Sie bringt in dem Zusammenhang auch eine Neugestaltung des Harmonieplatzes ins Spiel.

SPD-Fraktionschef Rainer Engelhardt sagt, die Politik sollte in Zusammenarbeit mit den Beiräten, Vereinen, Verbänden und Glaubensrichtungen ein Konzept entwickeln, „das zum einen die Vielfalt unserer Stadt, aber auch die Modernität von Dietzenbach zeigt“. Die SPD können sich Veranstaltungen übers ganze Jahr verteilt vorstellen, wünscht sich aber auch eine „explizite Festwoche beziehungsweise ein -wochenende als Höhepunkt“.

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Ein Fest, das „sowohl die Identität fördert, wie auch das Image in Dietzenbach und über die Stadtgrenzen hinaus“ stellt sich die Grünen-Fraktion vor. Deren Vorsitzende Andrea Wacker-Hempel findet, es sollte diverse Konzerte und Veranstaltungen und „vielleicht auch ein weiteres spezielles Dietzenbacher Weinfest zur 800-Jahr-Feier“ geben. Sie plädiert für eine gute Mischung aus Sponsoring und Eigenfinanzierung. „allerdings wollen wir weder goldene Wasserhähne, aber nur Gänsewein wollen wir auch nicht.“ Die WIR-BfD-Fraktion ist der Ansicht, dass das Jubiläum angemessen gefeiert werden soll. Allerdings mache die finanzielle Lage der Stadt eine Entscheidung nicht „unbedingt leicht“, sagt der WIR-BfD-Fraktionschef Harald Nalbach: „Die Feierlichkeiten sollten maximal auf einen Monat beschränkt sein. Nach Absprache mit den Teilnehmern wäre eventuell auch eine Dauer von 14 Tagen angemessen.“

„Feiern ja, aber mit Sinn und Verstand“, gibt der FDP-Fraktionsvorsitzende Sven Hartmann als Parole aus. Der runde Geburtstags sei eine gute Gelegenheit, „unsere lebenswerte Stadt ins richtige Licht zu rücken und den Zusammenhalt unserer Bürger zu stärken“. Angesichts drohender Steuererhöhungen zum notwendigen Haushaltsausgleich müsse jeder Euro gerechtfertigt sein. „Wünschenswert wäre es, wenn maximal 100.000 Euro für extern eingekaufte Leistungen notwendig wären.“ Hartmann schlägt deshalb vor, „das Potenzial in Kultur, Musik und Sport zu nutzen“.

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Auch DL/FW-UDS-Fraktionschef Jens Hinrichsen warnt: „Jeder Euro für freiwillige Leistungen – und das Fest wäre eine – hat letztendlich Auswirkungen auf Steuern, Abgaben und Gebühren. Das sollte jeder vorher wissen.“

AFD-Fraktionsvorsitzender Heinrich Eckert findet, „man muss die Menschheit ab und zu mal feiern lassen, die Unterschicht hat ja sonst nichts“. Er plädiert für eine Feier an zwei Wochenenden, bei denen die Vereine einbezogen werden, „wir brauchen Helfer“, sagt er. Für die AfD sei ein Etat von 100.000 Euro die Höchstsumme, weitere 100.000 sollten durch Sponsoren dazukommen. Der fraktionslose Artus Rosenbusch wünscht sich eine Feier unter städtischer Regie, ähnlich wie der Hessentag. „Alle sollten einbezogen werden in die planerische Vorarbeit.“

Indes plant die Stadtverwaltung die Termine zu bündeln und in einem ganzjährigen Programmheft zusammenfassen. Ziel der Terminerhebung sei auch, mögliche Überschneidungen von Veranstaltungen frühzeitig zu erkennen. Einige Jubilare, Projekte oder Aktivitäten seien bereits bekannt. Um jedoch keine Veranstaltung zu verpassen, werden Vereine, Organisationen und Co. angeschrieben, teilt die Stadt mit: „Schicken Sie uns bitte Ihre Pläne für das Jubiläumsjahr 2020 bis 28. Februar 2019 an das Rathaus.“ Ebenso sind Bürger aufgerufen, falls sie Veranstaltungen und Aktionen im Jahr 2020 planen, diese bis Ende Februar zu melden. Im Rathaus (Europaplatz 1) gibt’s ebenso ein entsprechendes Formblatt wie auf dietzenbach.de. Weitere Infos: luschtinetz@dietzenbach.de, 06074/373-245.

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