Zwist um Helen-Keller-Schule

Mehrheit im Sozialausschuss spricht sich gegen CDU-Anliegen aus

Der Kreis hatte im November 2020 das ehemalige Gebäude der HKS abgerissen. Ob die Schule auf ihr ursprüngliches Gelände zurückkehrt, steht derzeit noch nicht fest. Archiv: dreGer
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Der Kreis hatte im November 2020 das ehemalige Gebäude der HKS abgerissen. Ob die Schule auf ihr ursprüngliches Gelände zurückkehrt, steht derzeit noch nicht fest. Archiv: dreGer

In der konstituierenden Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur und Integration bestimmt vor allem ein Thema die Diskussion: der Antrag der CDU zum Gelände der Helen-Kelller-Schule (HKS). Doch die anderen Fraktionen sind selbst von der Nachbesserung des Antrags nicht überzeugt und lehnen ihn ab.

Dietzenbach – Die Union will den Kreis Offenbach dazu bewegen, auf dem HKS-Areal eine neue Grundschule zu bauen, um das Gelände im Sinne Dietzenbachs nutzen zu können, wie es Stadtverordneter Thomas Goniwiecha begründet. Denn die Stadt brauche unbedingt in Zukunft eine weitere Grundschule, um den Bedarf zu decken.

Wie berichtet, sorgten die CDU-Pläne vorab jedoch für Entrüstung – unter anderem beim Förderverein der Hellen-Keller--Schule. Die Union besserte aufgrund dieser Diskussion kurzfristig nach: Im neuen Antrag soll das Gelände nur dann für eine Grundschule genutzt werden, sofern die Hellen-Keller-Schule nicht an ihren ursprünglichen Standort zurückkehrt. Zur Zeit ist die Ganztagsschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen in einem Bürogebäude an der Voltastraße im Gewerbegebiet untergebracht. Grund dafür ist, dass das ehemalige Gebäude aufgrund von baulichen Mängeln abgerissen werden musste.

Karina Glaum von der SPD macht in der Debatte auf die aktuelle Lage der HKS aufmerksam: „Die Schülerinnen und Schüler müssen in einem Gewerbegebiet zwischen einer Spielhalle und einem Bordell zur Schule gehen, das ist kein Zustand.“ Edeltraud Chawla von den Grünen pflichtet der Sozialdemokratin bei, dass das kein Ort für Kinder sei. Zwar brauche Dietzenbach dringend eine weitere Grundschule, doch „der Antrag ist viel zu früh, wir müssen noch eine Stellungnahme des Kreises abwarten.“

Die Entscheidung für den Bau von Schulen liege beim Kreis, weshalb mit diesem Antrag frühzeitig der Druck erhöht werden soll, so hingegen die Union: „Niemand will der Helen-Keller-Schule etwas wegnehmen“, sagt Goniwiecha.

Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) weist darauf hin, dass aktuell beim Kreis ein Schulentwicklungsplan in Arbeit sei, mit dem Anfang 2022 zu rechnen sei. Außerdem plane man, die Aue- und die Sterntaler-Schule auszubauen. In Letzterer solle ein neuer Klassenzug hinzukommen.

Bei der Abstimmung sprechen sich die Ausschussmitglieder mehrheitlich gegen den Antrag der CDU aus. Endgültig entschieden wird darüber allerdings erst bei der kommenden Stadtverordnetenversammlung am Freitag, 28. Mai.

Trotz der intensiven Diskussion gibt es auch Tagesordnungspunkte, die schnell über die Bühne gehen: So wird Cengiz Hendek (SPD) zum Vorsitzenden des Aussschusses für Soziales, Kultur und Integration gewählt. Edeltraud Chawla wird dessen Stellvertreterin. Gegenkandidaten haben die beiden keine.

Daneben wird auch einstimmig eine vom Magistrat vorgelegte neue Geschäfts- und Wahlordnung eines Jugendbeirates für Dietzenbach gebilligt. Künftig sollen die Hürden für einen Jugendbeirat in der Kreisstadt niedriger werden. So wird beispielsweise die Größe von 20 Mitgliedern auf eine Spanne von mindestens sechs bis maximal 20 Mitgliedern heruntergesetzt. Auch sollen Mitglieder des Jugendbeirats in Zukunft nicht mehr aus Vereinen und Institutionen delegiert werden, sondern ausschließlich freiwillig antreten. Davon erhofft man sich eine größere und engagiertere Beteiligung. Einen Jugendbeirat gab es in der vergangenen Legislaturperiode nur anfangs. Nach einem guten Start ist das Unterfangen aber nach einiger Zeit eingeschlafen.

Folgende Personen sind stimmberechtigte Mitglieder im Ausschuss für Soziales, Kultur und Integration: Thomas Goniwiecha, Marcel Jung (CDU), Karina Glaum, Cengiz Hendek (SPD), Edeltraud Chawla, Melanie Bacher (Grüne) und Richard Weber (AfD). (Von Lukas Reus)

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