Dramatischer Abgang einer Schauspielerin

Offenbach - Auf „Goetheruh“ und „Goetheglut“ folgt „Goethesturm“: Bernd Köstering hat seinen dritten Literaturkrimi im Offenbacher Buchladen am Markt vorgestellt. Von Markus Terharn

Wie der Dichterfürst zählt der Romancier Weimar und Offenbach zu seinen Lebensorten. Da ist es Ehrensache, beide in seine Bücher einzubauen, in gebotener Rangfolge: Hauptschauplatz ist die Stadt an der Ilm, Abstecher führen an den Main.

Und in die Zukunft. Kühn hat Köstering in der Fiktion das entstehende Hafenviertel vollendet. Im Volksmund „Klein-Amsterdam“ genannt, hat es „bundesweiten Modellcharakter erlangt“, mit Hochschule für Gestaltung und Seniorenwohnanlage an der Waldemar-Klein-Straße.

Visionäre Fähigkeiten hat der Autor schon bewiesen: In „Goethesturm“ hat das Deutsche Nationaltheater einen neuen Intendanten, sucht Frankfurt einen neuen Oberbürgermeister. Beides ist passiert, nachdem er es ins Manuskript geschrieben hat...

Verewigt hat Köstering ferner die Stätte seiner Lesung, wenngleich als „Buchhandlung am Markt“. Aus diesem Wilhelmsplatzkapitel trägt er aber nichts vor – sein Werk soll sich ja verkaufen.

Für die meisten der zahlreichen Besucher gibt es ein Wiedersehen mit Bekannten, allen voran Goethekenner Hendrik Wilmut. Die umständlich erzählte Inhaltsangabe von Goethes „Clavigo“ erweist sich als nötig für das Verständnis der Handlung; zeigt diese doch erstaunliche Parallelen zur Tragödie.

Vor der Pause geht’s kulturell zu. Im Café, hinter und auf der Bühne treten Figuren wie der zwielichtige Regisseur Reinhardt Liebrich auf. Dafür ist Starschauspielerin Jolanta Pajak verschwunden.

Spannend wird es in Teil zwei, wenn der Protagonist erst betäubt und eingesperrt wird, dann aufs U-Bahn-Gleis stürzt. Mit dem Herannahen des Zugs bricht Köstering ab. Wenn das kein Gespür für Dramaturgie bezeugt!

Egal ob Wilmut überlebt, auf einen vierten Band dürfen die Fans nicht hoffen: Die Trilogie ist abgeschlossen. Derzeit arbeitet Köstering an einem Werk über „66 Lieblingsorte“. Die liegen jedoch alle in der Nachbarstadt.

Rubriklistenbild: © dpa

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