Maschinen stehen still

Corona-Ausbruch bei Wilhelm Brandenburg: 450 Mitarbeiter in Quarantäne

Hier geht momentan nichts: Der Produktionsstandort von Wilhelm Brandenburg im Dreieichenhainer Gewerbegebiet ist vorübergehend stillgelegt.
+
Hier geht momentan nichts: Der Produktionsstandort von Wilhelm Brandenburg im Dreieichenhainer Gewerbegebiet ist vorübergehend stillgelegt.

Seit fast einer Woche stehen die Maschinen bei Wilhelm Brandenburg still. Nach einem Corona-Ausbruch in Dreieich ordnete das Gesundheitsamt Quarantäne für alle Beschäftigten an.

Dreieich – Wilhelm Brandenburg gehört zur Rewe-Gruppe und ist die größte Metzgerei in Hessen. Das Unternehmen hat an mehreren Standorten rund 1 400 Beschäftigte und beliefert in erster Linie Supermarktketten. Von der mindestens zweiwöchigen Betriebspause am Standort im Dreieichenhainer Gewerbegebiet im Kreis Offenbach, die das Gesundheitsamt aufgrund eines größeren Corona-Ausbruchs angeordnet hat, sind in der Produktion rund 450 Mitarbeiter betroffen. Das teilte Rewe-Pressesprecher Andreas Krämer auf Anfrage mit.

Zum Zeitpunkt der Schließung am Freitagmittag (20.08.2021) waren nachweislich 61 Männer und Frauen, die im Kreis Offenbach leben, mit dem Virus infiziert. „Einige der erkrankten Mitarbeiter leben derzeit in einem Hotel, es handelt sich um ehemalige Werkvertragnehmer, die Wilhelm Brandenburg im Oktober 2020 übernommen hat. Die Unterkunft wird privat von den Mitarbeitern gemietet“, so der Rewe-Sprecher. Besagtes Hotel ist im Kreis Offenbach, aber auch in den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Main-Kinzig und der Stadt Offenbach sind Arbeitnehmer von Brandenburg in Quarantäne. Dort sei die Zahl der Infizierten aber vergleichsweise gering, so Ursula Luh, Pressesprecherin des Kreises Offenbach. Sie bewege sich im niedrigen zweistelligen Bereich.

Corona-Ausbruch im Kreis Offenbach: Quarantäne für alle Mitarbeiter bei Wilhelm Brandenburg

Gegen die naheliegende Vermutung – Arbeiter haben sich bei einem Urlaub in ihren Heimatländern angesteckt – spricht laut Luh, dass Reiserückkehrer aktuell nur zu einem Fünftel des Infektionsgeschehens im Kreis beitragen. „Sie sind nicht der Haupttreiber.“

Bekannt geworden sei der Ausbruch durch die Ergebnisse von Selbsttests, die Brandenburg zur Verfügung gestellt habe, so Andreas Krämer. Daraufhin seien PCR-Tests erfolgt. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden habe sich das Unternehmen zunächst dazu entschlossen, alle positiv Getesteten plus Kontaktpersonen vorerst von der Arbeit freizustellen. Diese Regelung war dann am Freitag nicht mehr zu halten. Das Gesundheitsamt ordnete Quarantäne für alle Mitarbeiter der Produktion an.

Laut Krämer hat Brandenburg den Beschäftigten „vor geraumer Zeit“ ein Impfangebot gemacht. Zudem seien alle Mitarbeiter, teilweise in deren Muttersprache, zum Thema Impfen informiert und beraten worden. Das im Austausch mit den Überwachungsbehörden entwickelte Hygienekonzept „hat sich über die ersten drei Infektionswellen sehr gut bewährt“, so der Sprecher.

Großmetzgerei will Kreis Offenbach verlassen: Wilhelm Brandenburg plant Umstrukturierung

Wie lange Brandenburg noch in Dreieichenhain bleibt, ist offen. Der Großmetzger möchte die Standorte Frankfurt und Dreieich zusammenführen. Dafür wurde in Erlensee ein Gelände erworben. Das Projekt, einst auf eine Investitionssumme von einer Viertelmilliarde Euro geschätzt, steht aktuell auf dem Prüfstand. Krämer: „Das Neubauvorhaben in Erlensee wird derzeit im Hinblick auf veränderte Verzehrgewohnheiten überarbeitet. Dieser Prozess läuft noch, daher können wir zu möglichen zeitlichen Auswirkungen keine Angaben machen.“

Seit den ersten Planungen im Jahr 2017 hat sich laut Rewe das Markt- und Wettbewerbsumfeld deutlich verändert. Themen wie der Klimawandel und die Rolle tierischer Produkte würden verstärkt diskutiert, das wirke sich auch auf den Fleischkonsum aus. Deshalb trägt sich Brandenburg mit dem Gedanken, auch Fleischersatzprodukte herzustellen.

Das Frankfurter Werk war vor wenigen Tagen wegen angeblicher Hygienemängel und lückenhafter Kontrollen in die Schlagzeilen geraten. Sowohl das Unternehmen als auch das Gesundheitsamt der Stadt wiesen die Vorwürfe zurück. (Frank Mahn)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare