Gruppenstärke könnte vergrößert werden

Es fehlen bis zu 280 Kindergartenplätze

Dreieich - „Das muss ich erst einmal verdauen. “ So wie FDP-Fraktionschef Alexander Kowalski geht es auch den anderen Mitgliedern im Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur am Dienstagabend. Von Holger Klemm 

Es ist tatsächlich „schwere Kost“, die zuvor Fachbereichsleiterin Ellen Grohe und Ressortleiterin Anne Stein mit dem Sachstandsbericht zur Kinderbetreuung aufgetischt hatten. In der anschließenden Diskussion geht es vor allem um die Frage, ob vom bisherigen Dreieicher Standard einer niedrigeren Gruppenstärke abgewichen werden sollte. Nach aktuellen Prognosen spricht die Stadt, wie berichtet, von einem Fehlbedarf in den nächsten Monaten von rund 160 Plätzen für Jungen und Mädchen ab drei Jahren, sowie längerfristig von bis zu 280. Besonders dringend ist demnach der Handlungsbedarf in Sprendlingen. Deshalb soll möglichst schnell eine neue Einrichtung mit bis zu 24 Krippenplätzen und 88 für Ü3-Kinder entstehen. Erschwerend hinzu komme der Fachkräftemangel. Weil nicht alle Stellen besetzt sind, können aktuell bis zu 50 Betreuungsplätze nicht belegt werden.

„Der Bedarf ist akut“, betont Kowalski. Es müsse investiert werden. Allerdings dauere es Jahre, bis eine neue Einrichtung gebaut sei. „Was tun wir bis dahin?“, fragt er. Der FDP-Fraktionschef regt deshalb an, die Gruppenstärken von aktuell 22 (Dreieicher Standard) auf die erlaubten 25 zu erhöhen. Er geht davon aus, dass keine Mutter und kein Vater dagegen etwas einzuwenden hätte. Zustimmung kommt von der Linken-Fraktionschefin Natascha Bingenheimer: „Das ist allemal besser, als die Kinder auf der Straße stehen zu lassen.“

Bürgermeister Dieter Zimmer sieht darin keine Lösung, da ja auch die Integrationsmaßnahmen für behinderte Kindern berücksichtigt werden müssten. Dabei sinke die Stärke einer Gruppe auf 20. Bei einer Erhöhung sei eine solche Betreuung nicht mehr möglich. Zimmer berichtet von einem schwerstbehinderten Kind, um das sich andere Mädchen und Jungen in der Gruppe rührend kümmerten. Stein erklärt, dass es schon jetzt durchaus Abweichungen bei der Gruppenstärke in Einrichtungen nach oben gibt, wo das möglich ist.

SPD-Stadtverordnete Diana Forster spricht sich dafür aus, aus pädagogischen Gründen den Dreieicher Standard beizubehalten. Kindergärten seien keine Aufbewahrungsanstalten, sondern Bildungseinrichtungen. In ihrer Präsentation hat Stein zuvor von einem Standortvorteil gesprochen, da die geringere Gruppengröße für Erzieherinnen attraktiv sei.

Zimmer erklärt, dass eine neue Einrichtung sehr schnell verwirklicht werden könne, wenn beispielsweise eine Holzständerbauweise genutzt werde. Allerdings bleibe das Problem der fehlenden Fachkräfte, mit denen alle Kommunen zu kämpfen hätten. Überhaupt gebe es bis auf eine Ausnahme zu wenig Kindergartenplätze in allen Städten und Gemeinden des Kreises Offenbach.

Deshalb bilde die Stadt auch selbst aus. Azubis in den Kitas hätten schon zu Beginn ihrer Ausbildung die Zusage einer Übernahme, sollten sie sich qualifizieren. Nach Angaben von Stein konnten 2016 sechs übernommen werden. Allerdings gebe es oft Fluktuationen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die Stadt sei bereits in Gesprächen über einen möglichen Bauplatz für eine neue Einrichtung. Im Gespräch sei ein Grundstück am Parkschwimmbad. Allerdings gebe es dort Probleme mit Versorgungsleitungen. Deshalb habe man auch einen weiteren Standort im Visier. Die Baukosten bezeichnet Zimmer nicht als Problem, da es Investitionszuschüsse des Landes gebe. Anders sehe es da mit den Betriebskosten aus. Pro Kind müsste pro Jahr mit einem Betrag von 9 000 bis 10 000 Euro gerechnet werden. Bei 200 zusätzlichen Plätzen kämen auf die Stadt dauerhaft jährliche Kosten in Höhe von bis zwei Millionen zu. Der Bund, der den Rechtsanspruch ja eingeführt habe, und das Land müssten endlich in die Pflicht genommen werden, dem Konnexitätsprinzip gerecht zu werden. Soll heißen: Wer bestellt, muss auch bezahlen.

Trotz des aktuellen Engpasses bezeichnet es Zimmer als erfreuliche Entwicklung, dass die Geburtenrate im Jahr 2015 gestiegen sei. Das hätte vor ein paar Jahren noch niemand für möglich gehalten.

Rubriklistenbild: © dpa

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