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Adam und Eva in der Ehekrise

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Bei Familie Antrobus (von links: Kai Dreyer, Rabea Hondrich, Emre Resuloglu und Milena Ziegler) hängt der Haussegen gewaltig schief. © msc

Sprendlingen - „Verrückt, abgedreht - man wusste nie, was als nächstes kommt“. Treffender als mit den Worten von Zwölftklässlerin Alica Köhler lässt sich das Stück „The Skin of our Teeth“, das die English Drama Group der Ricarda-Huch-Schule an vier Abenden in der Aula des Gymnasiums präsentierte, wohl kaum beschreiben. Von Manuel Schubert

Seit 1995 erarbeitet die Gruppe um Lehrer Thomas Schäfer mindestens eine Inszenierung pro Schuljahr. Das 1942 uraufgeführte Werk des amerikanischen Autors Thornton Wilder ist bereits das zweite Theaterstück, dass die Schüler seit den vergangenen Sommerferien auf die Bühne gebracht haben. Im Mittelpunkt steht das Leben von Adam, Eva und ihren Kindern - übertragen in die moderne Zeit. Äußerst chaotisch geht es im Haus der Familie Antrobus zu. Diesen Namen haben die vier angenommen, nachdem Kain (Kai Dreyer) seinen Bruder Abel mit einem Stein erschlagen hat.

In etwas mehr als zwei Stunden geht es also durch mehrere Jahrtausende Menschheitsgeschichte. Zusammen trotzt die Familie der Eiszeit und der biblische Sintflut, sowie dem Zweiten Weltkrieg. Ganz nebenbei erfindet der exzentrische Mr. Antrobus (Emre Resuloglu) das Rad und das Alphabet und gibt seiner ohnehin schon kriselnden Ehe kurz nach der Feier anlässlich des 5000. Hochzeitstages durch eine Affäre mit den beiden Dienstmädchen Sabina und Lilith den Rest. Auch Mutter (Rabea Hondrich) und Tochter Antrobus (Milena Ziegler) kriegen sich des Öfteren in die Haare. Der Haussegen hängt also ordentlich schief.

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Die Dienstmädchen Sabina und Lilith bei der Arbeit. © msc

Doch trotz der ernsten Thematik wurden die Lachmuskeln der Zuschauer zu Genüge strapaziert. Dies lag jedoch vor allem an den Schauspielkünsten der Gymnasiasten, die den Charakteren mit scheinbarer Leichtigkeit eine ganz persönliche Note verpassten. So legte Emre Resuloglu bei seiner Verkörperung des überforderten Familienvaters viel Wert auf ausdrucksstarke Mimik und sorgte damit für einige Lacher. Auch Florentine Behrend und Nura Detweiler überzeugten in der Rolle der Dienstmädchen mit authentischem Englisch und einem humorvollen Auftritt.

„Man hat den Schülern einfach eine gewisse Spielfreude angemerkt“, meinte der sichtlich zufriedene Thomas Schäfer. Er selbst hat die englische Theatergruppe seinerzeit ins Leben gerufen und besitzt langjährige Schauspielerfahrung, unter anderem durch die Arbeit als Statist bei den Städtischen Bühnen Frankfurt. „Auch bei der Fortbildung zum Lehrer für Darstellendes Spiel habe ich noch einiges gelernt“, so Schäfer weiter.

Einen Souffleur gibt es nicht

Im vergangenen Herbst entschied sich die Gruppe gemeinsam für „The Skin of our Teeth“ und traf sich seitdem einmal pro Woche zum Proben. Gegen Ende kamen noch einige Zusatzproben hinzu

Sollten die Hobby-Schauspieler einmal einen Texthänger haben, hilft ihnen Schäfer jedoch nicht. „Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man einen Souffleur hat, brauch man ihn auch. Daher gewöhnen die Schüler sich schon in den Proben daran, sich selbst in einer solchen Situation weiter zu helfen“. Einige Mitglieder der English Drama Group stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Schullaufbahn und müssen diese Woche ihre letzten mündlichen Abi-Prüfungen absolvieren. Daher hofft Schäfer, im neuen Schuljahr einige neue Gesichter in den Reihen seines Ensembles begrüßen zu dürfen. Doch er versichert: „Eine Aufführung wird es garantiert wieder geben.“

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