„Alles andere als artgerecht“

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Artgerechte Haltung oder nicht? Der Verein „Tierhilfe aktiv“ und die Leitung des Altenpflegeheims „Haus Dietrichsroth“ sind in dieser Frage über Kreuz.

Dreieichenhain (klg) ‐ Ärger um den Streichelzoo beim Altenpflegeheim „Haus Dietrichsroth“: Nachdem das Gehege - hauptsächlich aus Mitteln des „Dreieicher Weihnachtskalenders“ - nach zweijähriger Bauzeit 2009 fertiggestellt und schon damals auf Kritik des Tierschutzvereins „Tierhilfe aktiv“ gestoßen war, hat der Ärger nicht nachgelassen.

„Tierhilfe aktiv“ wirft dem Altenpflegeheim vor, Kaninchen und Meerschweinchen alles andere als artgerecht zu halten und bewusst ihren Tod in Kauf zu nehmen. Gebaut hatte diesen Streichelzoo der Tierschutzverein Dreieich/Dietzenbach, unterstützt (auch finanziell) vom Verein „Bürgerhilfe Dreieich“. Der Zoo und seine Tiere sollten zur Zerstreuung der Heimbewohner dienen, sie sollten sie streicheln und umsorgen können.

Tierhilfe aktiv-Vorsitzende Evelin Bohlscheid: „Die Meerschweinchen und Kaninchen sterben einen stummen Tod - vom Marder geholt, weil der Zaun nicht einmal zwei Meter hoch ist und vom Lärm der Baustelle in die Verstümmelung und den Herztod getrieben.“

Bei den Tieren des Streichelzoos, so Bohlscheid, handele es sich um lärmempfindliche Fluchttiere, die jetzt mit dem Lärm klar kommen müssten, der durch die Abrissarbeiten des alten, nicht mehr genutzten Gebäudes entstehe.

Im Frühjahr 2009 seien vier junge, gesunde Kaninchen und zehn Meerschweinchen in das Gehege eingezogen - zur Zerstreuung der pflegebedürftigen alten Menschen. Und das sei ja auch eine gute Idee gewesen, wenn denn die Unterkunft sicher und die Betreuung der Tiere artgerecht gewesen wären. Das aber, so Bohlscheid, sei absolut nicht der Fall.

Heute zählt „Tierhilfe aktiv“ acht Kaninchen und drei Meerschweinchen im Gehege. Evelin Bohlscheid: „Wie lange noch? Nur wenige Meter vom Gehege entfernt steht schweres Baugerät und die Abrissbirne kommt wahrscheinlich auch zum Einsatz. Ein absolut tierquälerischer Zustand, der durch Lärm und Bodenvibration erzeugt wird.“ „Tierhilfe aktiv“ fragt, welchem Zweck die Tiere überhaupt noch dienen. Auf dem Schoß eines Heimbewohners hätten sie schon lange nicht mehr gesessen, geschweige, dass sie gestreichelt worden wären.

Besonders verärgert ist der Tierschutzverein über die Heimleitung. Die lehne es trotz mehrerer Anläufe rigoros ab, die Kaninchen und Meerschweinchen zwischenzeitlich auszuquartieren und in Pflege zu geben. Jede angebotene Hilfe sei abgelehnt worden. Evelin Bohlscheid: „Was die Menschen überleben, überleben auch die Tiere, wurde uns gesagt.“

Karin Schnaudt, Heimleiterin im „Haus Dietrichsroth“, weist die Vorwürfe von „Tierhilfe aktiv“ entschieden zurück. Sowohl das Staatliche Veterinäramt wie auch die betreuende Tierärztin hätten das Gehege überprüft und keinerlei Kritik geäußert. Im Übrigen könne sich jeder selbst überzeugen.

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