Sanierung der Burgkirche

Altes Gemäuer mit Geheimnissen

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Der frühere Mauerpfeiler der Burgkirche ist bereits entfernt worden. In Kürze sollen dort die Arbeiten für die Sakristei beginnen.

Dreieichenhain - Die Sanierung der Burgkirche ist für die Auftraggeber und Arbeiter eine Herausforderung. Bei einem 300 Jahre alten Gemäuer, das jede Menge Geheimnisse birgt, sind Überraschungen vorprogrammiert. Doch die Sanierung liegt im Zeitplan, wie gestern Architekt Jochem Jourdan bei einer Besichtigung versichert. Von Holger Klemm

Nachdem der Architekt, der mit seinem Sohn Benjamin die Baumaßnahme betreut, die Tür geöffnet hat, liegt vor einem der leer geräumte Kirchenraum. Die Kanzel und die bedeutende Stumm-Orgel sind dick verpackt, der Steinboden und die Holzdecke unter der Empore entfernt. Ohne Umschweife kommt Jourdan, der auch Mitglied der Burgkirchengemeinde ist, auf das bisher Umgesetzte zu sprechen. Er deutet auf die Sockel der Pfosten unter der Empore, die aus Sandstein sind. Bis vor Kurzem waren sie noch aus Holz, das aber durch die Feuchtigkeit zum Teil verfault war, wie sich bei den Arbeiten zeigte. „So haben wir uns entschieden, wie bei den Stützen vor der Kirche ein Sandsteinfundament zu verwenden“, erklärt Jourdan.

Auch beim Fußboden fiel die Wahl auf Sandstein, der in Kürze kommen soll. „Der lag früher etwas tiefer“, so Jourdan. Das lässt sich am unteren Spalt einer Wand gut nachweisen. „Der Boden wird später ein leichtes Gefälle haben, was der Besucher aber nicht merkt“, führt der Architekt weiter aus. Damit lasse sich das Ziel der Barrierefreiheit erreichen. An dem Spalt der Wand kann man auch Reste der ursprünglichen Farbgebung erkennen. Zu dieser hat es eigens ein Gutachten des Restaurators Stefan Klöckner gegeben. An einer Wand am Fenster wurde schon einmal ausprobiert, wie das Innere sich künftig präsentieren wird. Gedacht ist an einen leichten Gelbton, die Fensterränder werden sandsteinfarben abgesetzt.

Architekt Jochem Jourdan sowie Lilianna Passinger und Robin Tischer vom Bauausschuss informieren bei einem Ortstermin über den Stand der Arbeiten.

Der nächste Blick des Architekten geht nach oben, wo eine Kassettendecke aus Nadelholz ihren Platz finden wird. Anregung gab ein Foto aus dem Jahr 1875, das den ursprünglichen Zustand des Kirchenraums zeigt. An einer Stelle der Decke im Eingangsbereich sieht man jetzt bereits vier Kassetten, die eine Größe von 1,1 auf 1,1 Metern haben. Insgesamt wird die Decke aus 160 bestehen, die nicht nur schön aussehen, sondern auch die Akustik verbessern sollen. Eine Überraschung zeigte sich auch an der Empore. Erst 60 Jahre nach der Eröffnung 1718 wurde die Stumm-Orgel installiert. Dafür wurde die Empore durch weitere Balken erweitert und stabilisiert.

Und schon ist Jourdan an dem großen Loch angelangt, das momentan in der südöstlichen Ecke der Burgkirche klafft. Dort wird der Zugang der Sakristei entstehen, die an der Stelle um die Ecke des Gebäudes herumgebaut wird. Wo schon bald die Tür ihren Platz finden soll, sind aber noch drei Eisenverstrebungen im Weg. Diese gehören zu den drei Umgürtungen, mit denen in den 1960ern und 70ern dem historischen Gemäuer mehr Stabilität gegeben werden sollte. Diese drei Verstrebungen werden nun um die zukünftige Tür herumgeführt.

Draußen im Freien lässt sich an Pfählen das zukünftige Ausmaß der 40 Quadratmeter großen Sakristei erkennen. Auf diesen soll der Anbau fest verankert werden. Auf dem historischen Gelände waren erst einmal archäologische Grabungen notwendig, die neben Scherben und alten Fußböden auch einen Schädel und Knochen zutage förderten. „Die stammen aus einer Wandbestattung“, erklärt Jourdan. In früheren Zeiten wollte man so nah wie möglich an der Kirche begraben werden, was besser fürs Seelenheil sein sollte. Neben dem zukünftigen Eingang fand sich bei den Arbeiten auch eine Öffnung, die wohl auf die gotische Vorgängerkirche hinweist. „Die wollen wir natürlich erhalten“, so der Architekt.

Sanierung der Burgkirche in Dreieich: Bilder

In der Ecke des Grundstücks sind Steine gestapelt, die zum mittlerweile entfernten Mauerpfeiler an dieser Ecke der Burgkirche gehörten. „Das Gestein besteht aus dem für die Gegend typischen Rotliegenden“, berichtet Jourdan. Und dieses soll für die neue Sakristei verwendet werden, damit sich der Anbau harmonisch ins historische Ambiente einfügt. Wieder im Innern weist Jourdan auf etwas weiteres Unvorhergesehenes hin. Bei der Entfernung der alten Heizung stellte sich heraus, dass das verwendete Dämmmaterial gesundheitsschädlich war. Das musste natürlich entfernt werden.

Einer der neuen Sandsteinsockel für die Stützpfeiler.

An der Stelle, an der sich der Altar befand, gibt es nun eine leichte Vertiefung. „Dieser war dort fest verankert“, erklärt der Architekt. Doch das müsse auch liturgisch gar nicht sein. Deshalb ist im Zuge der Renovierung ein mobiler Holzaltar vorgesehen, um bei Konzerten oder Krippenspielen für mehr Platz zu sorgen. Geplant ist im Boden zudem ein sogenanntes Blatt des Lebens, das auf den Mittelpunkt des Gotteshauses verweist.

„Mit der Sanierung wollen wir noch andere Mängel beseitigen.“ Laut Jourdan hätten viele die dunkle Kirche moniert, in der man kaum die Gesangbücher lesen konnte. Mit einem neuen Lichtkonzept wird sich dies ändern. Überhaupt soll sich die Kirche zur geplanten Wiederöffnung hell und freundlich präsentieren, die den Gottesdiensten und zahlreichen Veranstaltungen besser gerecht werden soll. Auch wenn noch viel zu tun ist, zeigt sich Jourdan zuversichtlich, die Burgkirche zu ihrem 300. Geburtstag am ersten Advent wieder eröffnen zu können. Momentan sehe es gut aus. Zu dem besonderen Ereignis hat sich Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, angesagt.

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