Vom Ankommen in der Fremde

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Dr. Barbara Huber-Rudolf (rechts) erklärt die von ihr gesammelten Dokumente zum Thema „Ankommen in der Fremde - geht das?“

Dreieich ‐ Der gut besuchte Neujahrsempfang der katholischen Kirchen Dreieichs im Laurentiushaus in der Sprendlinger Eisenbahnstraße 59 bot gleich zweifach Gelegenheit, auf Projekte aufmerksam zu machen, die unter der Federführung von Dr. Barbara Huber-Rudolf entstanden sind oder noch entstehen sollen. Von Emil Pathe

Die engagierte und temperamentvolle Katholikin ist Geschäftsführerin von Cibedo, eines Vereins der christlich-islamische Begegnung. Auf ihre Initiative hin entstand eine Ausstellung, die berührt und zum Nachdenken anregt und jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

„Wie geht das ,In der Fremde ankommen?'“ - so ist eine Sammlung von Dokumenten und Fotos, Urkunden und Bescheinigungen benannt, die allesamt mit Flucht oder Vertreibung und der Ankunft in einer fremden Welt zu tun haben. Es sind Geschichten vom Weggehen, aber auch vom Aufgenommen werden, damals, in der Nachkriegszeit, wie heute.

„Ohne Gesundheitsschein keine Lebensmittel“ heißt es rigoros auf einem der vergilbten Papiere. Und kontrastreich daneben die farbenfrohe Werktagstracht einer Donauschwabin, präsentiert von einer großen Puppe.

„Garten der Begegnung“ gestalten

Es sind auch „Geschichten, die mit uns gehen und uns zu dem machen, was wir sind“, heißt es weiter. So fragt die in Deutschland geborene Aylin Deniz sich und die Betrachter der Ausstellung: „Bin ich eigentlich Türkin oder Deutsche - oder was bin ich?“

Geradezu erschütternd die Ausage der Kurdin Sefia Aslan, die berichtet, dass in der Familie kein Deutsch gesprochen werden durfte, aber Türkisch nur den Vater beherrschte, weil er in der Armee gedient hatte. „Kurdisch zu sprechen ging allmählich verloren“, stellt die junge Frau schließlich resiginierend fest.

Der christlich-islamische Dialog, weiß Dr. Barbara Huber-Rudolf, lebe vom Engagement der Frauen der beiden Dreieicher Moscheegemeinden und der katholischen Pfarrgruppe. Gemeinsam will man einen „Garten der Begegnung“ auf dem Gelände der Gemeinde St. Stephan in der Straße Am Wilhelmshof gestalten.

Die Grundstruktur ist der Silhouette eines Fisches nachempfunden, ein Symbol, das im Koran ebenso vorkommt wie in der christlichen Lehre. Den künftigen Betrachter empfängt ein Jahreszeitenbeet. „Wir möchten, dass alle Sinne angesprochen werden, deshalb wird es Lavendel und Rosen geben, aber auch einen Weinstock zum Naschen der Trauben und Wasser; das Wasser des Lebens“, erläutert die in Oberbayern geborene Akademikerin.

Noch stünden Fördergelder der Europäischen Union für dieses und nächstes Jahr zur Verfügung. Was man trotzdem brauche, sei die tatkräftige Unterstützung durch die Gemeindemitglieder. Zum Bau der Bänke für eine Sitzgruppe unter einem Baum haben sich Max-Eyth-Schüler bereit erklärt. Weitere Hilfe werde gern angenommen.

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