Ein Liebhaber von Gotteshäusern

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Besonders schätzt Kepser den Maler Paul Klee. In seiner Bibliothek finden sich mehr als 130 Bücher über den bedeutenden Künstler. Der Dreieichenhainer malt aber auch selbst.

Dreieich - Man kann nicht sagen, dass es Europa an Domen, Kathedralen und Kirchen mangelt. Die Baumeister des Mittelalters haben sich auf dem Kontinent ausgetobt und unzählige Zeugnisse großer Baukunst hinterlassen. Von Sascha Gebhardt

Der in Dreieichenhain lebende Architekt Johannes W. M. Kepser ist seit langer Zeit von den Kirchenbauten fasziniert und bringt auf Seminarreisen Kulturinteressierten die Geschichte der beeindruckenden Gebäude näher – und macht dabei selbst vor heidnischen Kultstätten nicht Halt. Insbesondere den Langenern dürfte die Arbeit Kepsers in guter Erinnerung geblieben sein. Er war schließlich für den Bau der St. Albertus-Magnus-Kirche sowie die Restaurierung der evangelischen Stadtkirche verantwortlich. Zwei Gebäude, die nicht zuletzt durch ihre markante Farb- und Formgestaltung aus der Masse kirchlicher Bauten herausstechen.

Die Verbindung zu Farbe kommt nicht von ungefähr: Kepser interessierte sich schon in jungen Jahren für Kunst und Malerei. Besonders Paul Klee mit „seiner künstlerischen Vielfalt und dem geistigen Hintergrund“ hatte es dem 1935 in Goch am Niederrhein geborenen Gymnasiasten angetan. Doch sein Vater war gegen eine Ausbildung als Maler und so studierte Kepser von 1958 bis 1962 an der Werkkunstschule in Krefeld Architektur, besuchte aus Interesse parallel auch die Vorlesungen zur Malerei.

„Die Studiengänge waren untereinander stark verknüpft. Ich konnte also auch bei den Töpfern oder den Goldschmieden mit reinschnuppern“, erinnert sich Kepser, der nach dem Studium für ein Kölner Architektur-Büro arbeitete und gleichzeitig Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Architektur, Malerei und Skulptur studierte. 1973 zog er mit seiner Familie nach Dreieichenhain und war fortan als freischaffender Architekt überwiegend im Kirchenbau tätig.

Die Liebe zur Malerei und Paul Klee ist bis heute jedoch geblieben: In seiner Bibliothek befinden sich über 130 Bücher über den berühmten Maler. Kepser selbst malt ebenfalls, überwiegend abstrakte Bilder mit Tusche oder Aquarell. Zu seinem großen Bedauern findet der umtriebige Ruheständler jedoch kaum die Zeit, sich seinem Hobby zu widmen.

Denn seit 1980 leitet Kepser die „Kunsthistorischen Seminare“, eine Exkursionsreihe im Rahmen der Erwachsenenbildung des katholischen Bildungswerks Südhessens der Diözese Mainz. In diesen 33 Jahren war der Architekt auf mehr als 140 Exkursionen. 731 Tage war er dabei unterwegs und hat mit insgesamt 3 774 Teilnehmern rund 213 000 Kilometer zurückgelegt.

„Es ist immer eine intensive Zeit und keineswegs bloße Kulturreise. Denn wir begeben uns ja gemeinsam mit den Teilnehmern auf Spurensuche. Dabei steigen wir tief in die Materie ein und oftmals bekommen wir so manche Tür geöffnet, die sonst verschlossen bleibt“, erzählt Kepser mit leuchtenden Augen. Beispielsweise konnte aufgrund privater Kontakte eine Führung durch die römischen Gewölbe unterhalb des Kölner Doms organisiert werden. Auch auf dem Dach der Kathedrale von Santiago de Compostela war er schon unterwegs. „Das sind Erlebnisse, die man nicht bezahlen kann“, betont er.

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Durch die „Kunsthistorischen Seminare“ hat Kepser überwiegende Teile Europas bereist. Besonders gern kehrt der 78-Jährige aber nach Frankreich und Italien zurück. „Die Leute haben dort ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer Kunst und ihren Bauwerken als wir Deutschen. Es fließt alles in ihre Kultur, ihre Art zu leben mit ein. Das fasziniert mich immer wieder“, schwärmt Kepser.

Für die Exkursion nach England wie auch für eine weitere Reise, die den Schwerpunkt „Mittelalterliche Backsteinarchitektur“ hat und vom 11. bis 19. Oktober nach Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg führt, stehen noch einige freie Plätze zur Verfügung. Informationen und Anmeldeformulare bei Johannes W.M. Kepser per E-Mail (JWMKepser@gmx.de) oder der Nummer  06103/82485.

Ausgangspunkt seiner Ausführungen ist immer die Theologie, denn „die ganze abendländische Kunst ist ohne die Religion nicht denkbar“. Obwohl insbesondere mittelalterliche Bauten sein Spezialgebiet sind, wagt sich Kepser auch schon mal an die ein oder andere Kultstätte. Für die vom 3. bis 14. September stattfindende Exkursion zu ausgewählten englischen Kathedralen steht auch ein Besuch von Stonehenge auf dem Programm. „Da muss ich mich auch erst einmal vorbereiten. Und klar ist, dass gerade ein Ort wie Stonehenge Raum für Spekulationen lässt“, verdeutlicht Kepser und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber das Orakeln macht ja auch viel Spaß.“

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