Der erlösende Piks

Arzneimittel-Hersteller Biotest hat ein eigenes Impfzentrum in Dreieich eröffnet

Frau bekommt Spritze
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Dr. Sylvia Lemke (rechts) bekommt die lang ersehnte Impfung. Die Marketing Mitarbeiterin von Biotest ist froh, den ersten Schritt zum Schutz vor Corona getan zu haben.

Der Dreieicher Arzneimittel-Hersteller Biotest hat in seiner Firmenzentrale im Dreieichenhainer Industriegebiet ein eigenes Impfzentrum eröffnet. Jetzt können die 1400 Mitarbeiter und deren Angehörige, die noch keine Impfstoff erhalten haben, von Betriebsarzt Dr. Winfried Steil mit dem Schutz gegen Covid-19 versorgt werden.

Dreieich - „Ich kann es kaum glauben. Wahnsinn, es ist drin!“ Dr. Sylvia Lemke ist fast ein wenig euphorisch, als Doris Heiliger die Nadel aus ihrem linken Oberarm zieht. Die Mitarbeiterin aus der Marketingabteilung bei Biotest ist glücklich, dass ihr Arbeitgeber mit einem firmeneigenen Impfzentrum die Spritze gegen Covid-19 ermöglicht. „Ich stehe seit April als Berechtigte der Prioritätsgruppe drei auf der Liste und habe in Mainz keinen Termin bekommen. Ich war fast verzweifelt. Toll, dass unser Unternehmen jetzt bei seinen Bemühungen um den Impfstoff für die Mitarbeiter Erfolg hatte.“

Wie Sylvia Lemke wurden am Dienstagmittag in dem Firmengebäude rund 50 Mitarbeiter und deren Angehörige von Betriebsarzt Dr. Winfried Steil und seinem Team mit der Spritze zum Schutz vor einer Corona-Infektion versorgt. Am heutigen Donnerstag, bei einem zweiten Termin, sind weitere 50 Mitarbeiter angemeldet. „Wir sind erleichtert, dass wir jetzt endlich Impfstoff für unsere Belegschaft bekommen. Wir kämpfen seit April darum, dass der Betriebsarzt impfen darf. Wir haben bei den zuständigen Ministerien bis zur Impf-Taskforce vorgesprochen, wir haben förmlich um das Vakzin gebettelt. Wir wären als Pilotprojekt so gut geeignet gewesen, weil alle 1400 Mitarbeiter von Biotest am Standort Dreieich der Prioritätsgruppe drei angehören, weil wir lebenswichtige Medikamente herstellen. Super, dass es jetzt klappt“, sagt Dirk Neumüller, Sprecher des Arzneimittel-Herstellers.

Natürlich sei man in den vergangenen fast eineinhalb Jahren extrem vorsichtig gewesen. Insbesondere in der Produktion, wo die Mitarbeiter in drei Schichten 24 Stunden eng zusammenarbeiten müssen, wäre eine Infektionskette mit Corona eine Katastrophe gewesen. Es hätte einen Stillstand zur Folge gehabt – das Unternehmen ist laut eigener Aussage ohnehin am Ende der Kapazitätsgrenze bei der Herstellung seiner Produkte angelangt. „Dank unserer strengen Hygienevorschriften ist nichts passiert. Es gab Corona-Fälle im Unternehmen, aber keine Verbreitung intern“, betont Neumüller.

Das Impfen in der Firmenzentrale ist reibungslos organisiert. Das Betriebsarztteam hat in Zusammenarbeit mit freiwilligen Biotest-Kollegen zwei Impfstraßen aufgebaut. Die Kollegen helfen bei Schwierigkeiten beim Ausfüllen der Formulare. Die Mitarbeiter konnten sich online für einen Termin registrieren, sodass keine Wartezeiten entstehen. Nach dem Piks ruhen die Geimpften etwa 15 Minuten, um sicherzustellen, dass es keine spontane Impfreaktion gibt. „Wir haben Erfahrung“, betont Dr. Winfried Steil. „Wir bieten jährlich die Grippeschutzimpfung an und haben bereits vor Weihnachten ein Testangebot zur Verfügung gestellt“, sagt der Mediziner.

Dirk Neumüller hätte gerne noch mehr von dem Biontech/Pfizer-Impfstoff zur Verfügung gehabt. „Wir haben 800 Dosen bestellt und 100 Impfdosen wurden geliefert. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Wochen immer wieder mindestens 100 Einheiten bekommen“, so der Unternehmenssprecher. Das Impfzentrum wird nach seinen Worten so lange bestehen bleiben, bis der Bedarf gestillt ist.

Von Nicole Jost

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