Modellbauer lassen ihre Boote im Burgweiher zu Wasser

Ausfahrten vor schöner Kulisse in Dreieichenhain

Michael Köhres legt sein Schiff nach der Weiherfahrt ordentlich trocken. Matthias Hahn (links) muss einen Schaden an seinem Rennboot nach einer Kollision mit einem Ast verkraften.
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Michael Köhres legt sein Schiff nach der Weiherfahrt ordentlich trocken. Matthias Hahn (links) muss einen Schaden an seinem Rennboot nach einer Kollision mit einem Ast verkraften.

Eine Gruppe von Hobbybastlern trifft sich regelmäßig, um ihre selbst gebauten Modellboote ins Wasser zu lassen. Nun waren sie am Burgweiher in Dreieichenhain anzutreffen.

Dreieichenhain – Das Rettungsboot fährt mit beachtlicher Geschwindigkeit über den Dreieichenhainer Weiher. Aus den kleinen Lautsprecherboxen klingt der „Wellerman-Song“, der gerade im Radio hoch und runter läuft. „Das ist Zufall, das Schiff hat auch die Wiener Philharmoniker an Bord“, erzählt Matthias Hahn schmunzelnd. Gemeinsam mit Michael Köhres aus Langen, Jürgen Masthof aus Erzhausen und Andreas Rühmkorff aus Dietzenbach nutzt der Frankfurter Modellboot-Bauer das schöne Wetter, um vor der historischen Burgkulisse seine Boote zu Wasser zu lassen.

Die Männer gehören keinem Verein an, sie teilen lediglich das Hobby und treffen sich regelmäßig zum Fachsimpeln und Ausfahren der mit viel Liebe zum Detail gebauten Schiffe. „Es ist eigentlich eher Zufall, dass wir heute hier sind. Normalerweise treffen wir uns sonntags am Langener Paddelteich“, verrät Michael Köhres, der sein Schiff, ebenfalls ein Rettungsboot, bereits aus dem Wasser gehoben hat. Sein Modell ist ein Nachbau der „Adolph Bermpohl“, ein Seenotrettungskreuzer, der bei der Rettung von einem Fischerboot am 23. Februar 1967 acht Seemeilen nördlich von Helgoland vermutlich von einer haushohen Welle erfasst wurde. Die Retter und die Fischer verloren damals im Sturm ihr Leben. „Das Unglück ist bis heute nicht richtig aufgeklärt“, weiß Michael Köhres.

Die vier Männer erregen am Weiher an diesem Nachmittag viel Aufsehen. Spaziergänger halten an, Radfahrer steigen ab und verwickeln die Bootsbauer in Gespräche über ihr Hobby, machen Fotos und filmen die Schiffe, die auf dem Wasser durchaus Wellen schlagen. Ein besonders schönes Exemplar hat Jürgen Masthof. Sein alter Krabbenkutter mit Fischernetzen erreicht eine Geschwindigkeit von rund fünf Stundenkilometern. Zwei Jahre hat der Erzhäuser an seinem Schmuckstück gebaut und viel Geld investiert.

„Gelenkt werden die Boote durch Fernsteuerungen, wie man sie auch aus dem Modellflugzeugbau kennt und ihren Antrieb bekommen sie von Elektromotoren. Mit Verbrennungsmotoren dürften wir sie hier auch gar nicht ins Wasser lassen“, erklärt der Modellbauer. Im Fokus stehe immer der Bau der Schiffe: „Das ist der Reiz des Hobbys“, betont Jürgen Masthof, der schon als junger Erwachsener mit dem Bau der Modellboote begonnen hat. „Das Ausfahren hier in der Sonne vor einer so schönen Kulisse ist eine schöne Zugabe, da können wir testen, ob alles funktioniert“, sagt der Steuermann des Mini-Krabbenkutters und macht es sich auf einer Bank an der Burgmauer gemütlich.

Für Matthias Hahn hat der Ausflug nach Dreieichenhain wieder einiges an Arbeit zur Folge. Er hat sein Rennboot im Hainer Woog richtig laufen lassen. Bis zu 30 Stundenkilometer erreicht der Renner auf dem Wasser. Das ist ihm an diesem Sonnentag im Februar allerdings zum Verhängnis geworden. Das Schiff ist in hoher Geschwindigkeit über einen nicht sichtbaren Ast im Wasser gesaust. Jetzt ist das kleine, filigrane Ruder abgebrochen. „Es liegt vermutlich auf Grund. Das muss ich wieder richten“, kündigt der Bastler an, den nächsten Werkstatttag zum Reparieren seines Rennboots zu nutzen.

Die Ausflugsfahrten der Boote auf dem Dreieichenhainer Weiher sind übrigens abgesprochen. Einer der Bootsbauer hatte Kontakt mit den dortigen Anglern aufgenommen, die den Bootsausflug erlaubten. (Von Nicole Jost)

Auch mit dem Modellboot will das Anlegen geübt sein: Andreas Rühmkorff holt sein Rettungsboot nach der Ausfahrt ans Ufer zurück.

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