Anruf-Sammel-Taxi soll bis zur alten B3 fahren

Ausschuss regt Resolution gegen Wegfall der Linie 661 an

Dreieich - Der Wegfall der Buslinie 661 und die damit verbundene Abkoppelung von Teilen Dreieichenhains an den öffentlichen Nahverkehr bleibt auf der Tagesordnung. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie machten sich für eine Resolution an die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) und den RMV stark. Von Holger Klemm 

Um das Thema ging es bei der Sitzung am Mittwochabend gleich zweimal. In der Bürgerfragestunde machten Mitglieder der IG für den Erhalt des Busses auf die negativen Folgen der Entscheidung aufmerksam und forderten Abhilfe. Später stand ein Antrag der Bürger für Dreieich (BfD) an, die weggefallenen Haltestellen wieder durch einen regulären (Klein)-Bus anfahren zu lassen. Die Mitglieder des Ausschusses hielten jedoch eine Resolution für sinnvoller, gerichtet an die Verantwortlichen der Kreisverkehrsgesellschaft, „die den Kladderadatsch verursacht haben“ (Roland Kreyscher, Grüne). BfD-Fraktionsvorsitzende Natascha Bingenheimer als Antragstellerin wurde gebeten, bis zum Haupt- und Finanzausschuss einen Vorschlag zu machen.

„Teile von Dreieichenhain sind vom ÖPNV abgeschnitten“, kritisierte Petra Schoch-Schmitt für die IG. Vor allem Senioren, Behinderte und Kranke seien Leidtragende, betonte ein anderer Fragesteller. Das von den Dreieicher Verkehrsbetrieben eingesetzte Anruf-Sammel-Taxi sei kein Ersatz. Doch auch Jugendliche seien betroffen, erzählte Alexander Jähner, Mitglied des Jugendparlaments, am Rande der Sitzung. Morgens halten zwar zwei Schulbusse an den drei Haltestellen Heckenweg, Säuruh und Alter Friedhof. Schüler hätten aber erhebliche Probleme, wenn sie erst zu einer späteren Stunde in die Schule müssten. Auch Jähner setzt sich für die Wiederaufnahme des 661ers zwischen Langen und Offenbach ein.

Die Mitglieder der IG hatten auch Vorschläge parat, um die Situation wenigstens abzumildern. Schoch-Schmitt regte an, das AST nicht am Bahnhof Weibelfeld. sondern an der alten B3 enden zu lassen, um dort ein Umsteigen nach Langen zu ermöglichen. Ein weiterer Redner fragte, ob es nicht möglich sei, den neuen Schnellbus X83, der nach seinen Beobachtungen immer leer sei, außerhalb der Hauptverkehrszeiten wieder über Dreieichenhain fahren zu lassen.

Erster Stadtrat Martin Burlon betonte, dass der neue Nahverkehrsplan gegen Dreieicher Bedenken verabschiedet worden sei. Er kritisierte, dass Kommunen von oben verordnete Kürzungen auffangen müssten. Zumindest in Sachen AST konnte er Hoffnung machen, dass die Verlängerung bis zur B3 bald Realität werde. Es werde aber schwer, eine große Veränderung durchzusetzen.Siegfried Kolsch (SPD) zeigte sich skeptisch. Er berichtete von einem längeren Gespräch mit KVG-Vertretern, die sich uneinsichtig gezeigt hätten. Die Dreieicher Verkehrsbetriebe könnten selbst keine neue Buslinie einrichten, da das Defizit durch die zwei bestehenden schon bei einer halben Million Euro liege.

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Kreyscher glaubt nicht an eine kurzfristige Lösung, diese sollte aber zum nächsten Fahrplanwechsel möglich sein. Kritik wurde generell am Nahverkehrsplan laut. Der Grünen-Fraktionschef hat erfahren, dass der KVG in einem Radius von einem Kilometer um die Bahnhöfe keine Bushaltestellen mehr bedienen wolle. „Die Leute sollen laufen. Wer ist nur auf so eine Idee gekommen?“ Holger Dechert (SPD) erinnerte an einen Besuch von Professor Dr. Jürgen Follmann, der für Voruntersuchungen zum Nahverkehrsplan Gespräche mit Nutzern führte. Er habe sich gegen längere Buslinien ausgesprochen. Dechert fragte sich, wo Follmann die Gespräche geführt habe.

Holger Gros (FWG) möchte gerne mehr über Fahrgastzählungen erfahren, die die IG Dreieichbahn kurz vor Einstellung der Linie 661 gemacht haben soll. Damals sei der Bus wohl gut angenommen worden. Er regte an, mit Langen nach einer Lösung zu suchen. Burlon bezweifelte, dass dies sinnvoll sei. Er verwies auf Untersuchungen. Demnach wollten die meisten Nutzer des Busses Richtung Sprendlingen und nur wenige in die Nachbarstadt.

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