Bebauungsplan „Im Dietrichsroth“:

Sorge um die Lebensqualität

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Stadtplaner Ole Pelster erläutert bei einer Infoveranstaltung Anfang März die Ziele für den Bebauungsplan „Im Dietrichsroth Dreieichenhain“, der eine Nachverdichtung an zwei Stellen vorsieht.

Dreieich - Bereits bei der Infoveranstaltung zum Bebauungsplan „Im Dietrichsroth Dreieichenhain“ Ende Februar wurden Bedenken der Nachbarn laut. Nun formiert sich der Widerstand. Von Holger Klemm 

In einem offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden und den Ersten Stadtrat listen Anwohner ihre Kritikpunkte auf. „Um es vorwegzunehmen: Wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas“, betont Manfred Forst, der zusammen mit Stefanie Schäfer, Inge Kiefer und Michael Hampel den dreiseitigen Brief unterschrieben hat. Die Nachbarn seien „selbstverständlich nicht gegen eine Bereitstellung von Wohnraum, den Zuzug neuer Bürger nach Dreieich oder die Herstellung von sozialem Wohnraum“. Man erwarte allerdings als „Bestandsbürger“ die Beachtung und Respektierung ihrer Interessen. Und diese seien durch den vorliegenden Bebauungsplan „sowohl mittelbar als auch unmittelbar gefährdet“. Von „behutsamer Nachverdichtung“ könne keine Rede sein.

Nach der Informationsveranstaltung im katholischen Gemeindezentrum haben sich laut Forst 20 Nachbarn zusammengefunden, die sich in langen Gesprächen zum vorliegenden Bebauungsplan ausgetauscht hätten. Die Gruppe der Unterstützer schätzt er auf 100. „Ich finde es schön, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt Forst. In dem offenen Brief werden vier Hauptkritikpunkte aufgeführt. Bemängelt wird zudem das fehlende übergeordnete Konzept zur Infrastruktur.

Ganz oben steht die Forderung, das Gelände des katholischen Gemeindezentrums als reines und nicht wie im Bebauungsplan als allgemeines Wohngebiet auszuweisen. Denn Letzteres würde bedeuten, dass ohne weitere Genehmigung 50 Prozent der zu bebauenden Fläche gewerblich genutzt werden könnten. Die Anwohner befürchten in diesem Fall noch mehr Lärmbelästigung als bisher, noch mehr Verkehr durch An- und Ablieferung und noch eine größere Beeinträchtigung der Lebensqualität.

An zweiter Stelle steht die Forderung, für das Gelände des ehemaligen BIK-Hauses – es ist für sozialen Wohnungsbau vorgesehen – die maximale Bebauungshöhe auf neun Meter festzulegen. Nach dem Bebauungsplan wären zwölfeinhalb Meter (drei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss) möglich. Mit dem Haus Dietrichsroth habe man bereits einen „vierstöckigen Bau-Moloch direkt an die Grundstücksgrenzen“ gesetzt bekommen. Durch die Planung werde der „Eindruck“ des Dietrichsroths für die Anwohner „in unsäglicher Weise“ erweitert.

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In dem offenen Brief wird ferner der Erhalt des Grünstreifens entlang des BIK-Hauses gefordert mit einem bindend einzuhaltenden Grenzabstand von mindestens elf Metern zu den bebauten Grundstücken des Mühlwegs und der Hainer Chaussee. Zudem solle für ausreichend Parkraum für den Hol- und Bringverkehr im Bereich der Kita Winkelsmühle, der Ludwig-Erk-Schule und des Horts sowie für Besucher der Kirche, des Pflegeheims und der neuen Bewohner gesorgt werden.

Die Anwohner bemängeln, dass es bislang keine Antworten auf ihre Fragen zur Infrastruktur gegeben habe. Denn die geschätzten 180 neuen Mitbewohner mit mehr als 60 Kindern zögen einen höheren Bedarf an Kita- und Schulplätzen nach sich. Schon jetzt sei aber die Situation in der Kita Winkelsmühle und der Ludwig-Erk-Schule ausgereizt. Zudem fehle es an Spiel- und Bolzplätzen.

Die Anwohner suchen das Gespräch mit den Fraktionen möglichst in der zweiten Woche nach Ostern vor Ende der Offenlage des Bebauungsplans am Freitag, 13. April. Sie hoffen auf Unterstützung bei der „Korrektur“ des Plans. Als nächster Schritt ist vorgesehen, weitere Nachbarn zu motivieren, ihre Bedenken gegen das Konzept einzureichen.

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