Dreieich-Museum erhält Preis in Höhe von 25 000 Euro / Geld soll in Kinderspielburg fließen

Belohnung für Mut und Innovation

Gänsehautmoment für Museumsleiterin Corinna Molitor (Mitte) und ihre Mitarbeiterin Anna-Mala Kolaß: Sie bekamen von Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung, den Museumspreis überreicht. Fotos: Jost

Dreieich – „Das ist unser ganz persönlicher Museums-Oscar-Moment“, sagt Corinna Molitor, als sie gestern Nachmittag den Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen entgegennimmt. VON JULIA RADGEN

Für möglich gehalten hatten es Molitor, ihre Mitarbeiterin Anna-Mala Kolaß und der Geschichts- und Heimatverein (GHV) Dreieichenhain kaum, dass das kleine Heimatmuseum den renommierten Preis gewinnt. Und doch reiht es sich nun ein in die Riege von ausgezeichneten Museen, zu der unter anderem Häuser wie das Deutsche Filmmuseum und das Museum Judengasse in Frankfurt zählen.

Zum einen würdigt der mit 25 000 Euro dotierte Preis, den die Stiftung gemeinsam mit den Museumverbänden Hessen und Thüringen vergibt, die im Mai 2017 eröffnete Dauerausstellung zur Stadtgeschichte. Zum anderen den Mut, den der GHV mit der Übernahme des Hauses bewiesen hat. „Niemand von uns wusste, wie wir eine Museumsträgerschaft schultern sollen“, erinnert sich der Vorsitzende Detlef Odenwald. Das Unternehmen sei nur dank viel wechselseitigen Vertrauens zwischen Verein und Kreis gelungen, hebt er hervor. Auch auf die jährlichen Zuschüsse von Kreis und Stadt baut der Verein, der stets um Gelder wirbt – und nichts geht ohne die 27 ehrenamtlichen Helfer.

Mit viel Engagement und Mut zur Neuausrichtung habe sich das Dreieicher Museum den Preis gesichert, sagt Jurymitglied und Museumsfachmann Gerhard Lenz. „Das Zusammenspiel von ehrenamtlichem Engagement und professioneller Kompetenz klappt hier hervorragend“, lobt er. Denn nicht nur in der Größe unterscheidet sich das Dreieich-Museum von seiner Konkurrenz, auch in einem grundlegendem Arrangement: 2011 hat der Geschichts- und Heimatverein das Heimatmuseum übernommen. „Vorher durften wir mitreden, aber hatten keine Lasten. Das war eine schöne Situation“, sagt Odenwald. Dennoch wagte der Verein den Schritt und übernahm das Museum mit „sehr vielen unterschiedlichen Sammlungsstücken“. Zu den Exponaten in dem 50er-Jahre-Haus gehörten damals noch Spinnrad und Küchengeschirr, erinnert sich der ehemalige Dreieicher Bürgermeister und Kreistagsvorsitzende Bernd Abeln (CDU).

Was Verein, Museumsleitung und Gestalter aus dem Gebäude gemacht haben, hat mit dem angestaubten Image eines Heimatmuseums nichts mehr zu tun: Helle, offene Räume begrüßen die Besucher, Exponate zeichnen den Weg vom Mittelalter bis zur Entstehung der heutigen Stadt 1977 nach. „Mit der Neuaufstellung haben Sie ein Haus auf der Höhe der Zeit geschaffen“, würdigt Ulrich Adolphs vom Ministerium für Kunst und Wissenschaft. Denn multimediale Elemente wie Audioaufnahmen und Filme sind behutsam integriert. Da erzählt zum Beispiel ein virtueller Jakob Latscha auf Knopfdruck, warum er die Villenkolonie in Buchschlag gründete. Schönstes Kopfkino trete das Modell der Hayner Reitschul’ los, meint Laudator Lenz: Die älteren Besucher erinnern sich an ihre Kindheit, die Jungen begeistern sich für das Pferdchen. Auch sonst macht das Museum Kindern Spaß, nicht nur zu den Mitmachausstellungen – wie aktuell „Kakao & Schokolade“ – kommen Kitagruppen und Klassen.

Dem Nachwuchs kommt auch das Projekt zugute, dass das Dreieich-Museum mit dem Preisgeld verwirklichen will. „Die komplette Summe soll in eine Kinderspielburg fließen“, sagt Leiterin Molitor. Die einer Burg nachempfundene Holzanlage, für die insgesamt 70 000 Euro veranschlagt sind, soll noch diesen Sommer im Burggraben stehen. Sie ist Teil der Museumspädagogik, erklärt Molitor: „Wenn die Kinder sich austoben, kommen sie entspannter ins Museum.“ Auch abgesehen von diesem Projekt sprudeln die Ideen, betonen die Museumsmacherinnen. „Wir werden uns auf keinen Fall auf dem Preis ausruhen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare