Amtsgericht brummt Dreieicher fast drei Jahre auf

Bewährung für den Bienendieb

Deutschlands Imker haben 2015 nach ersten Schätzungen mehr Honig geschleudert als in den beiden Vorjahren. Foto: Patrick Pleul
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Dreieich - Der Mann hat den Imkern in der Region schwer zugesetzt. Im gesamten Kreis Offenbach, vor allem aber in Dreieich trieb der 36-Jährige sein Unwesen, klaute Bienenvölker und Zubehör. Gestern wurde er vom Amtsgericht Darmstadt verurteilt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Von Juli 2013 bis Mai 2015 hielt M. W. die Bienenzüchter in Atem. Von 21 Diebstählen, zum Teil in Verbindung mit Gartenlaubeneinbrüchen, ist die Rede. Gesamtschaden: mehr als 6000 Euro. Seine Festnahme ist nur einem Zufall zu verdanken: Ein Langener Imker entdeckte im Umfeld einer Grillfeier in Dreieich zufällig einen seiner Bienenstöcke. Man legte sich auf die Lauer und ertappte den Dieb. Und der war der Polizei kein Unbekannter. Gestern ist der 36-jährige Gärtner aus Buchschlag vor dem Amtsgericht Darmstadt zu einer mehrjährigen Bewährungsstrafe und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Die insgesamt elf angeklagten Fälle mussten dabei gesplittet werden, weil sie zum Teil vor und zum Teil nach einer anderen Verurteilung vor dem Amtsgericht Merseburg lagen und deshalb nicht gesamtstrafenfähig sind. Richter Bruno Beil spricht deshalb im Prinzip zwei Strafen aus: für drei Fälle im Jahr 2015 unter Einbeziehung des Merseburger Urteils eine Haftstrafe von 16 Monaten, und für acht Fälle aus den Jahren 2013 und 2014 eine Haftstrafe von 17 Monaten. Lässt sich der Gärtner in den kommenden drei Jahren Bewährungszeit, die nun für beide Sanktionen gelten, irgendetwas zu Schulden kommen, muss er die kompletten zwei Jahre und neun Monate absitzen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Staatsanwalt Sven Kurzawe hatte sogar – auch mit Blick in sieben zum Teil einschlägige Bundeszentralregister-Einträge – insgesamt noch ein Jahr mehr gefordert: „Hier besteht ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung“, konstatierte der Ankläger. Fast schon mitleiderregend sitzt der Buchschlager neben seinem Verteidiger Andreas Sanders. Schmächtig wirkt er und ein bisschen verwahrlost. Sein Anwalt räumt sofort sämtliche Taten ein, auch die, die seinem Mandanten bislang nicht nachgewiesen werden konnten. Sanders: „Es stimmt alles so, wie es in der Anklageschrift aufgeführt ist. Teilweise fehlt ihm inzwischen die genaue Erinnerung daran. Er schämt sich sehr dafür und bereut. Leider war es kaum möglich, für die Diebstähle eine Motivation heraus zu arbeiten.“ Die Imkerei als Hobby habe W. inzwischen aufgegeben.

Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Anzug aus Bienen
Anzug aus Bienen
Anzug aus Bienen
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Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

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Der Angeklagte möchte am liebsten gar nichts sagen. Auf die Frage des Richters zu seinem Lebensunterhalt gibt der Dreieicher an, ein Kleingewerbe als Gärtner angemeldet zu haben. Aber nun sei ja Winter, kaum Arbeit für ihn da und er müsse „aufstocken“, um über die Runden zu kommen. Ob er mit der Imkerei vielleicht Geld verdienen wollte? Kaum vorstellbar, denn das Ganze wirkte nach außen hin nicht wirklich strukturiert. Mal klaute er eine Schleuder, mal Schutzkleidung, mal Holzgestelle oder Werkzeug wie eine Entdeckelungsgabel aus den Baierhansenwiesen. Dann wieder einzelne Bienenkästen, wobei er in einem Fall ein paar stehen gelassenen Völkern den Erstickungstod brachte, weil er die Beuten verschloss. Womöglich deshalb, weil er diese auch mitnehmen wollte und dabei gestört wurde. Bei den Raubzügen kam ihm die Arglosigkeit der Besitzer zugute, die ihre Gartenhütten manchmal unverschlossen ließen oder den Schlüssel einfach unter einem Eimer deponierten.

Nicht alle Bienen überlebten den Diebstahl, aber den Großteil der Beute bekamen die rechtmäßigen Besitzer zurück.

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