IG Haaner Kerbborsche hilft Vereinen

Virtueller Bieranstich statt traditionelle Kerb-Eröffnung in Dreieichenhain

Historisches Schmuckstück: Die Orgel der Hayner Reitschul’ wurde komplett neu lackiert. An Pfingsten erklingt sie im Gewerbegebiet. „Wir wollen für ein bisschen Kerbfeeling sorgen“, sagt IG-Vorsitzender Siegfried Reuner. Foto: jost
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Historisches Schmuckstück: Die Orgel der Hayner Reitschul’ wurde komplett neu lackiert. An Pfingsten erklingt sie im Gewerbegebiet. „Wir wollen für ein bisschen Kerbfeeling sorgen“, sagt IG-Vorsitzender Siegfried Reuner.

An Pfingsten kann in diesem Jahr keine Kerb gefeiert werden. Die IG Haaner Kerbborsche hat jetzt einen virtuellen Bieranstich organisiert.

Dreieichenhain – Ganz ohne geht gar nicht: Nachdem seit Längerem klar war, dass an Pfingsten keine Kerb gefeiert werden kann, hat die IG Haaner Kerbborsche hin und her überlegt, wie wenigstens ein bisschen was gerettet werden kann.

Unter dem Motto „Haaner Kerb im Stillen“ erfolgte zunächst der Aufruf, den Hain an Pfingsten in Rot-Gelb zu schmücken, wie es sich zur Kerb gehört. Nun stellt der Verein weitere Aktionen vor.

Normalerweise wird die Kerb freitags um 20 Uhr mit dem Bieranstich im Festzelt eröffnet. Das geht aus bekannten Gründen nicht. In Zeiten von Homeoffice und Videokonferenzen kommt der Auftakt aber ins Wohnzimmer. Mit Unterstützung von Dennis Hausmann ist es gelungen, einen virtuellen Bieranstich zu organisieren, der am Freitag pünktlich um 20 Uhr im Internet übertragen wird. Unter haanerkerb.de gibt’s weitere Infos.

Um den örtlichen Vereinen zu helfen, setzt die IG eine weitere Idee in die Tat um. Die Kerb ist nämlich eine wichtige Einnahmequelle für sie, um die Jugendarbeit, den Spielbetrieb und andere Aktivitäten zu finanzieren. „Die zündende Idee lieferte der Fußball, wo für Spiele Geistertickets und virtuelle Stadionwürste verkauft werden“, berichtet Vorstandsmitglied Marvin Kuch. Die IG kooperiert mit der Homepage geisterspieltickets.de – dort gibt’s virtuelle Schoppen, Fahrten auf der Hayner Reitschul’ oder die legendäre „Schlammbowle“ zu kaufen. Die Einnahmen werden auf die sonst an der Kerb aktiven Vereine verteilt. Die IG verzichtet auf einen Anteil und übernimmt stattdessen die Initialkosten. Unter geisterspieltickets.de/haaner-kerb2020 kann jeder die folgenden Vereine unterstützen: AG Hayner Weiber, HSG Dreieich, IG Hayner Reitschul’, Schützengesellschaft, SVD, tonART Dreieich, TVD sowie die evangelische Burgkirchengemeinde.

Darüber hinaus haben die aktuellen Kerbborsche alles daran gesetzt, dass der Stadtteil mit Bäumen geschmückt werden kann. „Aufgrund der besonderen Umstände können leider nicht so viele Kerbbäume gefällt und verkauft werden wie unter normalen Umständen“, bedauert Marvin Kuch. Der Verkauf beschränkt sich deshalb auf die Altstadt und die umliegenden Straßen. Kuchs Rat an die Haaner: Am Samstag die Ohren spitzen, um die Kerbbeem-Rufe zu hören.

Trotz der Corona-Pandemie müssen die Bewohner des Johanniter-Hauses Dietrichsroth nicht auf ein Ständchen der Kerbborsche verzichten. Zwar kann dies aufgrund der Auflagen nicht im Pflegeheim selbst erfolgen, dafür aber als coronakonformes Konzert vor den verschiedenen Gebäuden. „Es ist den Kerbborsche eine Ehre, den Bewohnern eine besondere Freude zu machen und so für einen Lichtblick an Pfingsten zu sorgen“, sagt Kuch.

Dennis und Patrick Hausmann haben über Pfingsten das Gelände des Faselstalls an der Burg gepachtet. Dort werden die „Hausmänner“ von Freitag bis Dienstag einen Imbiss betreiben. „Es wird keinen Biergarten geben, das wird kein Treffpunkt werden“, kündigt Patrick Hausmann an. Sitzgelegenheiten auf dem Areal seien nicht geplant, alkoholische Getränke nicht im Ausschank. Bratwurst, Nierenspieß oder Fischbrötchen können Kunden eingepackt mitnehmen. Zudem gibt es einen Stand mit Süßwaren. Der Verkauf läuft von 11.30 bis maximal 20 Uhr.

Auch die IG Hayner Reitschul‘ will die Pfingsttage nicht tatenlos verstreichen lassen. Zum 40. Geburtstag des Vereins soll das historische Karussell wenigstens zu hören sein. „Wir haben die Orgel in den vergangenen Wochen neu lackiert und wollen am Wochenende zumindest für ein bisschen Kerbfeeling sorgen“, sagt Vorsitzender Siegfried Reuner. In der Siemens-/Ecke Kabelstraße, auf dem Gelände der Firma Häfner, steht schon seit einiger Zeit ein Würstchenstand der Familie Hausmann. Auch Klaus Bauer aus Bickenbach ist mit seinen Süßwaren dort. „Da stellen wir unsere Orgel dazu und spielen Samstag, Sonntag und Montag ab 15 Uhr zu jeder vollen Stunde“, kündigt Reuner an. Wenn es schon keinen Ritt auf den Schimmeln geben kann und kein Feuerwerk den Himmel erleuchtet, sollen sich die Haaner zumindest an den Klängen der Reitschul‘ erfreuen.  fm/njo

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