Bilder für eine bessere Zukunft

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Nikolas Chimonas und Adolfo Brehm (rechts) mit einer Figur der „Madame Colo“.

Sprendlingen ‐ Sie hängen zwischen bunten Girlanden, Masken und Luftballons - und wollen in dieser Zeit doch so gar nicht zur ausgelassenen Stimmung passen: Die 50 Bilder und 20 Skulpturen haitianischer Künstler, die bis zum 17. Februar im Bürgerhaus zu sehen sind. Von Annalena Stich und Valentin Hedderich

Aber die Kunstwerke aus dem Katastrophengebiet strahlen durch ihre Farbenpracht so viel Lebensfreude und Energie aus. Das haben sich auch Nikolas Chimonas und Adolfo Brehm, Betreiber der Galerie „Cult²“, gedacht. Um einer Gruppe von 20 Künstlern zu helfen, stellen sie im Musentempel an der Fichtestraße die Kunstwerke aus, die sie zum Selbstkostenpreis an den Mann bringen wollen. Nach dem Erdbeben ist ihr Kontakt zu den Künstlern in Haiti abgebrochen. Nur ein Maler hat aus der Dominikanischen Republik angerufen und berichtet, dass vier weitere Künstler überlebt haben. Brehm, der sich schon seit mehreren Jahren auf haitianische Kunst spezialisiert hat, ist sehr besorgt über den Verbleib der anderen Künstler, weil er über die Jahre hinweg eine enge emotionale Bindung zu ihnen aufgebaut habe. Zudem kennt er ihre Familien gut.

Deshalb hat Brehm bereits vor einigen Tagen 500 Euro auf ein Konto in der Dominikanischen Republik überwiesen, auf das Marc Henry Anglade, sein Kontaktmann, zugreifen kann.

Vor drei Jahren Künstler kennen gelernt

Mit der Ausstellung hofft er, genug Bilder zu verkaufen, um den Künstlern zu helfen, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Dafür verkauft er die Werke unter dem Einkaufspreis. Brehm betont, dass seine Galerie keine Hilfsorganisation sei und ein großer Teil des Erlöses direkt an die Künstler gehe. Dabei achte er vor allem darauf, überschaubare Summen zu überweisen, damit kein Künstler der Korruption zum Opfer fällt.

Der 45-jährige Industriedesigner hat vor drei Jahren auf einer Geschäftsreise die Künstler kennen gelernt und sich sogleich für ihre Werke begeistert. Besonders der „hemmungslose Umgang“ mit Farben und deren Kombination haben ihn beeindruckt. 2006 wurde aus der neugewonnenen Leidenschaft ein Beruf. Seitdem lässt Brehm sich regelmäßig Bilder aus Haiti schicken, die er anschließend in seiner Galerie an der Friedrichstraße ausstellt.

Auf vielen seiner Reisen hat der Galerist den Künstlern in Haiti durch hochwertige Materialien und Zuspruch geholfen. „Viele malten nur auf Bettlaken und mit Hühnerfedern, weil sie nicht anderes hatten und verkauften die Bilder am Strand an Touristen. Ich wollte nicht, dass dieses besondere Talent verschwendet wird“, so Brehm.

Bilder und Skulpturen sind mit Preisen ausgeschildert

„Die Dankbarkeit der Menschen war sehr groß, doch die Hoffnung noch viel größer“, berichtet Nikolas Chimonas, Brehms Geschäftspartner. Der 40-jährige Neu-Isenburger, ebenfalls von Beruf Industriedesigner, hat mit Brehm das Projekt verwirklicht. Mit der Zeit und vielen Besuchen vor Ort hat sich die Qualität der Bilder genauso gesteigert wie die Freundschaft zwischen Brehm und den 20 Kunstschaffenden.

Die ausgestellten Originalbilder und Skulpturen sind mit Preisen ausgeschildert. Besuchen kann man die Ausstellung während der normalen Öffnungszeiten des Bürgerhauses und während der Veranstaltungen.

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