„Bildung kickt“

Schule und Fußball Hand in Hand

Dreieich - Die Organisation „Bildung kickt“ fördert einen Jungen aus Dreieich mit eritreischen Wurzeln. Bürgerstiftung unterstützt Stipendiatenprogramm, weil sie vom Konzept überzeugt ist. Von Julia Dittmann 

„Bildung kickt“ heißt ein Stipendiatenprogramm, das der Bürgerstiftung auf Anhieb sympathisch war und deshalb von ihr unterstützt wird. Die gemeinnützige Gesellschaft wurde vor drei Jahren von Dr. Kenan Önen gegründet, um Jugendliche mit Migrationshintergrund aus finanziell schwachen Familien zu fördern. Voraussetzung für ein Stipendium ist, dass der Kandidat/die Kandidatin sich für Fußball interessiert und die Schule als wichtig erachtet. Unter den mittlerweile 30 Stipendiaten ist auch ein Junge aus Dreieich. Der begeisterte Fußballer mit eritreischen Wurzeln ist bereits das zweite Jahr dabei, auch dank des Engagements der Bürgerstiftung. Diese spendete als Lerngeld bereits 480 Euro und sammelt weiter Spenden für die Talentförderung des Jungen.

„Bildung kickt“ ist noch sehr jung, aber schon sehr erfolgreich. Die Organisation hat den hessischen Integrationspreis sowie eine Auszeichnung beim Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundesregierung gewonnen. Ziel des Programms ist es, die Jugendlichen nicht nur im Sport zu fördern, sondern vor allem deren Persönlichkeit zu stärken und gesellschaftliches Engagement zu fördern. „Die Kinder müssen an verschiedenen Bildungsseminaren und Exkursionen teilnehmen. Zusätzlich erhalten sie einmal in der Woche ein Sondertraining auf dem Fußballplatz,“ erläutert Önen das Konzept. Auch werde die Selbstständigkeit durch ein monatliches Bildungsgeld gefördert, das die Jugendlichen selbst verwalten müssten. Die Dauer der Förderung liege in der Regel bei drei Jahren, die ersten Zöglinge werden im Sommer aus dem Programm „entlassen“.

Fußball verbindet

Wunsch der Eltern respektiert:

Den Namen des Jungen aus Dreieich, der von „Bildung kickt“ und der Bürgerstiftung gefördert wird, hat die Redaktion in dem Bericht nicht etwa versehentlich vergessen. Wir haben vielmehr den Wunsch der Eltern respektiert, die eine Veröffentlichung nicht wünschen, wie Dr. Kenan Önen sagt. Die Familie wolle ihr Kind vor möglichen Neidern, Anfeindungen oder gar Mobbing schützen.

Auf die Frage, warum es die Förderung ausgerechnet zusammen mit Fußball gebe, antwortet Önen, dass Fußball einfach verbinde. Durch seine Beliebtheit eigne sich gerade dieser Sport hervorragend dazu, Werte wie Fairplay, Teamgeist, Respekt und Motivation zu vermitteln. Alles Werte, die auch in anderen Lebensbereichen wichtig seien. Im Moment besteht die Gruppe der 13- bis 15-jährigen Stipendiaten zwar nur aus Jungs, aber eine reine Mädchengruppe, insbesondere für Flüchtlingsmädchen, sei geplant. „Wir konnten bisher aus organisatorischen Gründen nur Jungen aufnehmen, wollen das aber in Zukunft ändern“, sagt Önen. Trotz aller Erfolge und zahlreicher Förderer seien die Mittel der Gesellschaft aber begrenzt. Aus diesem Grund habe er sich an die Bürgerstiftung gewandt und um Unterstützung geworben, erklärt Önen. Ein weiterer Grund sei, dass „Bildung kickt“ sich auch im Raum Dreieich bekannt machen wolle.

Das sind die größten Talente des deutschen Fußballs

Das sind die größten Talente des deutschen Fußballs

Die Bürgerstiftung ist begeistert von dem Konzept. „Wir wollen in erster Linie eine Plattform für bürgerliches Engagement sein und freuen uns immer, wenn Bürger mit Ideen und Projekten an uns herantreten“, sagt Vorsitzende Dr. Heidi Soboll. Die im September 2013 gegründete Stiftung hat bereits einige Projekte unterstützt. So arbeitete sie mit den Stadtwerken zusammen, um an einer Schule einen Trinkbrunnen einzurichten. Auch das Projekt „Schüler helfen Schüler“ an der Max-Eyth-Schule, initiiert von zwei Schülern, kam in den Genuss einer Förderung. Und es stehen noch weitere Ideen auf der Agenda, etwa das Projekt „Jahrhundertzeiten“. Gesucht werden Fotografien, die geschichtliche Ereignisse wie das Ende des Zweiten Weltkrieges oder die Reaktionen auf den Mauerfall in Dreieich dokumentieren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare