Biotest erhält Zertifikat

Zeichen der Zeit erkannt

Dreieich - Biotest erhält von der Agentur für Arbeit Zertifikat für besonderes Engagement bei der Ausbildung. Pharmaunternehmen will Fachkräfte früh an sich binden. Von Holger Klemm

Sein Biologiestudium fand der 22-jährige Patrick Sinsel auf Dauer zu theoretisch. So sah er sich bei Unternehmen um und startete bei Biotest im vergangenen Herbst eine Ausbildung zum Biologielaboranten. Dort fühlt sich der Maintaler sehr wohl. Das ist auch das Ziel des Pharmaunternehmens, das sich zugutehält, viel für seine Azubis zu tun. Die Bestätigung kam jetzt von der Offenbacher Arbeitsagentur in Form eines Zertifikats für besonderes Engagement in diesem Bereich.

„Biotest ist ein expandierendes und zukunftsorientiertes Unternehmen, in dem Ausbildung seit jeher einen hohen Stellenwert hat. Das ist nicht selbstverständlich“, lobt Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach. Biotest sei vorbildlich und habe sich das Ausbildungszertifikat redlich verdient. Iser: „Sie haben frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt.“ Das Engagement kommt nicht von ungefähr. Das Unternehmen, das unter anderem Arzneimittel für Bluterkranke und Menschen mit angeborener Immunschwäche herstellt, will an seinem Standort im Dreieichenhainer Industriegebiet kräftig investieren. Für 250 Millionen Euro entstehen neue Produktionsstätten und Labors und damit bis zu 300 neue Jobs.

Da bietet es sich an, Fachkräfte selbst auszubilden und an das Unternehmen zu binden. Biotest hat deshalb die Ausbildung ausgebaut, wie Personalchef Heinz Pötter hervorhebt. Waren es 2013 noch 13, so haben in diesem Herbst 29 junge Leute in den unterschiedlichsten Bereichen angefangen – als Chemikant, Chemie- und Biologielaborant, aber auch als Industriemechaniker, Elektroniker oder als Kaufleute für Büromanagement.

Biotest reagiert auf aktuelle Entwicklungen

Sie können davon ausgehen, bei bestandener Prüfung einen festen Job zu bekommen. Insgesamt gibt es zurzeit 48 Azubis. Schon jetzt hat die Suche nach 27 neuen für 2015 begonnen. Dann werden auch zwei duale Studiengänge angeboten. In diesem Sinne reagiert Biotest auf aktuelle Entwicklungen und bietet bei Bedarf neue Ausbildungsgänge an, wie Iser lobend hervorhebt. Daneben gebe es Praktika, aber auch Traineeprogramme für Studienabsolventen oder Angebote für Doktoranden.

Den besonderen Stellenwert der Ausbildung bei Biotest unterstreicht auch die Tatsache, dass der Vorstandsvorsitzende Professor Gregor Schulz die Auszeichnung persönlich entgegennimmt. „Wir sind davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist, Fachkräfte selbst auszubilden und motivierten jungen Leuten Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens zu eröffnen“, betont er. Die Vorstandsmitglieder lassen es sich nicht nehmen, neue Azubis persönlich zu begrüßen und ihnen auch die Zeugnisse zu überreichen. Der hohe Standard der Biotest-Produkte spiegele das Know-how der Mitarbeiter wider.

Kritische Worte richtet Schulz an die Politik. Auch wenn sich Biotest für den Standort Deutschland entschieden habe, seien die Umfeldbedingungen in Europa für die Forschung alles andere als gut. Er nennt die langen Genehmigungszeiten für Medikamente oder die dafür benötigten Testreihen. Zurzeit könne beispielsweise ein wichtiges Medikament für Krebspatienten nicht geprüft werden, weil eine Erlaubnis der Strahlenschutzkommission fehle. Die Kommission sei überlastet. Schulz: „Das geht in den USA schneller.“

Mit den Azubis allein könne das benötigte Personal nicht rekrutiert werden. „Da müssen wir uns noch weitere Gedanken machen“, räumt Pötter ein. Schon jetzt bietet das Unternehmen verschiedene Teilzeitmodelle an. Auch die sich im Bau befindliche Betriebskita soll die Attraktivität von Biotest erhöhen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern.

Noch für November ist das Richtfest geplant. Ab dem kommenden Jahr soll es 80 Plätze geben – 60 im U3-Bereich (vier Gruppen) und 20 für Kinder ab drei Jahren (zwei Gruppen). Es gebe bereits 29 Anmeldungen von Mitarbeitern – überwiegend im U3-Bereich. Die Kita wird werktags von 6 bis 18 Uhr geöffnet sein und keine Sommerpause einlegen. Biotest greift dafür tief in die Tasche. Trotz staatlicher Förderung werden die Kosten beim Vollbetrieb auf jährlich 600.000 Euro geschätzt.

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