Pharmaanbieter will Position in globaler Plasmaindustrie ausbauen

Biotest: 64 Millionen Euro fließen in Standort Dreieich

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Eine vollautomatische Produktionsstraße bei Biotest in Dreieich: Der Pharmahersteller hat seine Ergebnisprognose für 2017 erreicht.

Dreieich -  Wie erwartet hat eine Rückrufaktion die Erlöse des Dreieicher Unternehmens Biotest im Jahr 2017 geschmälert. Vorstandsvorsitzender Bernhard Ehmer sieht den Hersteller von biologischen Arzneimitteln unter anderem aus Blutplasma trotzdem auf einem guten Weg.

Er will in diesem Jahr weiter in den Standort Dreieich investieren und das Umbauprogramm „Biotest Next Level“ forcieren, wie er im Interview mit unserem Redakteur Achim Lederle erläuterte.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Geschäftszahlen? Sehen Sie nach dem Einbruch durch die Rückrufaktion mit Humanalbumin in diesem Jahr einen Umschwung?

Vorstandschef Bernhard Ehmer

Ein technischer Defekt bei der Produktion des Medikaments Humanalbumin und damit verbundene Rücknahmen sowie Lieferengpässe haben dafür gesorgt, dass wir bereits Ende April die Ergebnisprognose auf 16 bis 23 Millionen Euro reduziert hatten. Diese Prognose wurde erreicht. Damit haben wir – und das ist ein großer Verdienst unserer Mitarbeiter – dieses wichtige Ziel im Jahr 2017 erreicht. Bei dem Rückruf von Humanalbumin handelt es sich um einen Einmaleffekt. Die Probleme wurden sehr schnell behoben, sodass der Herstellungsprozess zügig wieder hochgefahren werden konnte. Wir gehen für 2018 von einer positiven Entwicklung aus. Die Nachfrage nach unseren Plasmaproteinpräparaten steigt weltweit weiter an. Da Biotest aber heute seine Herstellungskapazitäten bereits vollständig nutzt, ist bis zur Inbetriebnahme der im Bau befindlichen neuen Produktionsanlagen nicht mit großen Umsatzzuwächsen zu rechnen.

Die Investitionen sowie steigende Ausgaben für klinische Studien zu den neuen Produkten werden in den nächsten zwei bis drei Jahren das Ergebnis noch deutlich belasten. Wir erwarten für 2018 einen Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern geht der Vorstand von zehn bis zwölf Millionen Euro aus.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Übernahmeverhandlungen mit Creat: Was erhoffen Sie sich für die weitere Geschäftsentwicklung durch den Einstieg der chinesischen Investoren?

Wir freuen uns, dass wir in Zukunft mit Creat einen starken Partner an unserer Seite haben, der unsere Ziele teilt. Wir wollen die Position von Biotest in der globalen Plasmaindustrie weiter ausbauen und schlagen nun ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte auf. Wir blicken daher zuversichtlich in die Zukunft. Denn mit Creat haben wir einen Partner gefunden, der unsere Strategie stärkt und Investitionen in unser Geschäft ermöglicht. Creat besitzt mit Bio Products Laboratory Ltd. und Shanghai RAAS außer der Biotest AG noch zwei weitere Firmen, die Plasmaproteine herstellen. Wir versprechen uns einiges von der Zusammenarbeit mit diesen Firmen in der Zukunft.

Wie läuft der Ausbauplan Biotest Next Level? Welche Investitionen sind hier für 2018 geplant? Wie wird sich der Standort entwickeln?

Unser Ausbauplan ist das größte Projekt unserer Firmengeschichte. Mit Biotest Next Level verfolgen wir mehrere Ziele: die Erweiterung der Produktpalette, die Verdopplung der Kapazität und damit eine deutliche Steigerung der Profitabilität. Wir investieren kräftig in die Fertigstellung der neuen Fabrik und die Entwicklung innovativer Produkte. Allein die Investitionen 2017 beliefen sich auf über 90 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr haben wir den zweiten wichtigen Meilenstein erreicht: die baurechtliche Abnahme des neuen Gebäudes. Der Zeitplan wurde damit erfüllt, was bei einem Projekt in der Größenordnung von Biotest Next Level nicht selbstverständlich ist. Für das Jahr 2018 sind für das Expansionsprojekt Investitionen in Höhe von 46 Millionen Euro geplant, am Standort Dreieich insgesamt 64 Millionen Euro. Hinzu kommen die noch einmal erhöhten Aufwendungen im Zusammenhang mit Biotest Next Level in Höhe von 60 bis 70 Millionen Euro – vor allem für die zugehörigen Forschungs- und Entwicklungskosten.

Wie werde ich Pharmakant/in?

Wie viele Neueinstellungen sind vorgesehen?

Im Jahr 2017 haben wir über 100 zusätzliche Stellen besetzt – 2018 werden wir keine zusätzlichen neuen Stellen schaffen, aber selbstverständlich die frei werdenden Stellen wiederbesetzen.

Wie spiegelt sich der Fachkräftemangel bei Ihnen wider und was tun Sie dagegen?

Es ist uns trotz des Fachkräftemangels gelungen, qualifizierte Mitarbeiter für Biotest zu gewinnen. Wir führen das auf das attraktive Gesamtpaket zurück, das Biotest den Mitarbeitern bietet: Unter anderem eine eigene Kindertagesstätte, ein kostenloses Mitarbeiterparkhaus, attraktive betriebliche Altersversorgung und Vergütung nach dem Chemietarifvertrag. Aktuell haben wir 55 Auszubildende. Weitere 16 Azubis werden in diesem Jahr eingestellt. Auch 2019 werden wir wieder im Umfang der letzten Jahre Ausbildungsstellen anbieten.

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