Blick in die Kirchenhistorie

Spendenaktion für Alberus-Gemeinde läuft gut an

Inge Wahl, Kirchenvorstandsmitglied von Erasmus Alberus, hat sich mit der Geschichte der Kirche beschäftigt.
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Inge Wahl, Kirchenvorstandsmitglied von Erasmus Alberus, hat sich mit der Geschichte der Kirche beschäftigt.

Die Mitglieder der evangelischen Erasmus-Alberus-Gemeinde in Sprendlingen müssen auch an diesem Ostern wieder auf das große Glockengeläut ihrer Kirche am Lindenplatz verzichten. Doch das tut der Spendenaktion für den sanierungsbedürftigen Glockenturm keinen Abbruch.

Dreieich – Schon seit März 2014 läuft das Glockenspiel auf Sparflamme, nur die kleinste der drei Glocken wird geläutet. Der Mechanismus im Kirchturm löst sichtbare Schwingungen aus, die die Fachwerkkonstruktion des im Jahr 1718 erbauten Turms so erheblich in Bewegung setzt, dass es bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Der Glockenturm muss also dringend saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 600 000 Euro, rund 100 000 Euro muss die Gemeinde, wie berichtet, aus eigener Tasche finanzieren.

„Jetzt ist es einmal an der Zeit, einen Zwischenstand unseres Spendenbarometers zu geben“, erklärt Inge Wahl, Mitglied des Kirchenvorstands und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde. Sie ist dankbar: „Wir haben bislang 37 000 Euro gesammelt. Erfreulicherweise viele kleine Spenden, aber auch richtig große Spenden sind bei uns eingegangen. Wir wollen dafür Danke sagen, wir wissen diese Unterstützung zur Unterhaltung unserer schönen Kirche sehr zu schätzen“, so Wahl. Das erste Drittel ist also fast geschafft. Kirchengemeinde und -vorstand werden nicht müde, weiter für die Sanierung des Turms Spenden zu sammeln.

Zu der Kirche gibt es mit ihrer langen Historie einige Geschichten zu erzählen. Dazu gehört auch ein spannendes Detail von der Spitze des Kirchturms. Früher war es üblich, dass Gotteshäuser bei der Erbauung einen sogenannten Turmknopf bekamen. Das ist vergleichbar mit der Hülse, die heute noch in vielen Grundsteinen einzementiert wird. Einen solchen Turmknopf hat auch Erasmus Alberus. in der Höhe von rund 33 Metern, unter dem dem Kirchenkreuz und dem Wetterhahn. Das eiförmige, goldfarbene Oval in der Größe von etwas 60 auf 80 Zentimern wurde am 3. September 1718 dort oben angebracht. Eigentlich, so der Grundgedanke damals, sind diese Turmknöpfe für die Ewigkeit verschlossen. Dann wüsste man heute vermutlich nicht, was die Gläubigen von Sprendlingen damals dort oben einlagerten. Doch die Neugier der Menschen siegt. Bislang wurde der Kirchenknopf von Erasmus Alberus drei Mal geöffnet: Im Jahr 1875 anlässlich der Reparatur der Turmspitze, ein weiteres Mal 1984 bei der Erneuerung des Wetterhahns und dann erneut im Jahr 2000.

Ein Wetterhahn für Erasmus Alberus, 1984 füllte der Kirchenvorstand der Gemeinde den Kirchenknopf neu.

1875 fand man darin eine sicher verplombte Bleikassette mit Gaben aus jener Zeit: In einem Bericht schrieb Pfarrer Michael Wernlin (1718 bis 1727 Pfarrer in Sprendlingen): „Anno 1718, den 18. Juni wurde der Thurm aufgeschlagen, wobey alles, Gott sey Dank alles ohne Schaden und Unglück abgegang“. Dazu steckte in der Bleikassette ein sogenanntes Traktat, eine Abhandlung von Georg Löffler, damals Schulmeister in Götzenhain. Er wünschte, dass „der große Gott die neuerbaute Kirch vor aller Gefahr behüten wolle“ und diese Schrift „niemals und niemahlen“ zu Gesicht bekommen möge. Außerdem lagen darin Gedenkmünzen der Landgrafschaft Hessen Darmstadt als Erinnerung an das 200-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 1717.

Mit der Öffnung 1875 wurde die Bleikassette zerstört und durch ein Rohr ersetzt. Zusätzlich wurden damals die Schrift von Pfarrer Ferdinand Scriba, ein Bild von Kaiser Wilhelm I., eine Zeitung, Münzen und eine Medaille zum Reformationsfest 1817 eingelegt. Auch bei den späteren Öffnungen kamen weitere Gaben in den Turmknopf: Münzen und Tageszeitungen, die an den Zeitpunkt der letzten Öffnung erinnern sollen. Auch eine Offenbach-Post ist in über 30 Metern Höhe hinterlegt.

Wer die Turmsanierung von Erasmus Alberus unterstützen möchte, kann auf das Konto der Gemeinde IBAN DE55 5059 2200 0106 1259 48 mit dem Stichwort Turmsanierung spenden.

Von Nicole Jost

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