Vandalismus

Herausgerissene Gullydeckel, zerstörte Fahrräder: Blinde Zerstörungswut an Bahnhof

Schon wieder zerstört: Die Scheibe an der Bushaltestelle auf der Ostseite des Buchschlager Bahnhofs ist in unzählige Scherben zerborsten. Als Tatwerkzeug diente den Randalierern vermutlich der rot-weiße Pfosten.
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Schon wieder zerstört: Die Scheibe an der Bushaltestelle auf der Ostseite des Buchschlager Bahnhofs ist in unzählige Scherben zerborsten. Als Tatwerkzeug diente den Randalierern vermutlich der rot-weiße Pfosten.

Die Fälle von Vandalismus am Bahnhof in Dreieich-Buchschlag nehmen zu.

Dreieich – Der rot-weiße Pfosten, der offensichtlich als Tatwerkzeug diente, liegt achtlos am Boden. Die Scheibe an der Bushaltestelle am Montier-en-Der-Platz im Stadtteil Buchschlag ist in unzählige Scherben zerborsten. Wieder einmal, wie bereits im Vorjahr, wurde die Bushaltestelle am Rondell hinter dem Buchschlager Bahnhof zerstört. Am vergangenen Samstag gegen 23.20 Uhr randalierten Unbekannte am Bahnhof. Dem Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach liegen noch zwei weitere Anzeigen aus derselben Nacht vor: Ein Fahrrad wurde die Treppe zur S-Bahn runtergeworfen und völlig zerstört und kurz danach – gegen halb eins – wurde ein abgetretener Außenspiegel an einem Opel Corsa in der Ernst-Ludwig-Allee gemeldet.

„Von Samstag auf Sonntag waren offensichtlich Leute unterwegs, die ihrer Zerstörungswut freien Lauf gelassen haben“, ärgert sich Dr. Wolfgang Storm, der mit seinem Hund am Sonntagmorgen Gassi war. Der Buchschlager entdeckte außerdem herausgerissene Zaunlatten am städtischen Spielplatz und ein umgeworfenes Dixie-Klo. Für den Anwohner ist das Thema Vandalismus ein altbekanntes. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder vor, dass Jugendliche auffällig wurden. „Der Buchschlager Bahnhof hat sich zu einem beliebten Treffpunkt für einige junge Leute entwickelt“, berichtet Storm. Auch am Kriegerdenkmal in seiner unmittelbaren Nachbarschaft sitzen sie gerne. Schon mehrfach habe er die Polizei verständigt, die Beamten hätten auch schon in den Büschen nach Drogen gesucht und einmal vier Jugendliche mitgenommen.

Ein Anwohner berichtet von Vorfällen am Bahnhof Dreieich-Buchschlag - Gullydeckel herausgerissen

In den letzten Wochen meldete Storm einen Einbruch an einem der Warenautomaten auf dem Bahnsteig und zerstörte Fahrräder, während seine Frau Jugendliche beim Herausnehmen von Gullydeckeln beobachtete, die sie dann mitten auf der Straße liegen ließen. „Mich ärgert diese sinnlose Zerstörung. Letztlich zahlt die Allgemeinheit, also wir alle, die Schäden“, so Storm. An markanten Orten wie dem Buchschlager Bahnhof fordert er eine Videoüberwachung von der Stadt. Den Antrag, Kameras am Bahnhof zu installieren, hatte auch die Fraktion Bürger für Dreieich (BfD) im Sommer vergangenen Jahres in der Stadtverordnetenversammlung gestellt. Dem schob das Polizeipräsidium auf Anfrage des Magistrats allerdings einen Riegel vor. Grund: Der Buchschlager Bahnhof sei kein Kriminalitätsschwerpunkt. Das müsste er sein, um eine Videoüberwachung zu rechtfertigen.

Auch dieser Zaun am Spielplatz wurde in der Nacht zum Sonntag beschädigt.

Dabei häufen sich gerade in jüngster Zeit die Vorfälle. Das Polizeipräsidium bestätigt einen Anstieg von Delikten auf dem Bahnhofsgelände und drumherum. Am 29. März wurden schon einmal die Scheiben einer Bushaltestelle auf der Ostseite des Bahnhofs zerstört. „Die Polizeidienststelle in Neu-Isenburg hat das im Blick und fährt dort häufiger Streife“, sagt Polizeipressesprecherin Andrea Ackermann. Sie appelliert an die Bürger, jederzeit bei der Polizei anzurufen und Auffälligkeiten und Vandalismus zu melden.

Stadtwerke Dreieich berichten von mehreren zerstörten Bushaltestellen

Für die Stadtwerke Dreieich ist die Welle der Zerstörung besonders ärgerlich. Denn die Bushaltestellen sind Eigentum des Energieversorgers, der auch die Verkehrsbetriebe mit den Stadtbussen betreibt. Buchschlag war in den vergangenen Monaten dabei nur ein Tatort, auch die Bushaltestellen Weibelfeld an der Hainer Chaussee wurden immer wieder von Unbekannten kaputt gemacht – zuletzt Anfang dieser Woche, als zudem ein RMV-Fahrkartenautomat beschädigt wurde.

„Die Glasscheiben sind Maßanfertigungen, wir müssen jede einzelne Scheibe beauftragen. Eine große Rückwandscheibe kostet rund 600 Euro ohne Einbau, wir landen bei rund 750 Euro komplett pro Scheibe und es dauert rund drei bis vier Wochen, bis sie wieder eingebaut ist“, erklärt Bernd Wingenfeld von den Verkehrsbetrieben. Er erläutert auch, dass die Scheiben der Buswartehäuschen aus Sicherheitsglas bestehen und keinesfalls leicht zu Bruch gehen. „Wir hatten vor zwei, drei Jahren schon einmal Probleme mit Vandalismus, danach blieb es sehr ruhig. Seit zwei, drei Monaten aber häufen sich die Fälle extrem. Ich vermute, das ist eine jugendliche Bande, die extrem unter Corona-Frust leidet“, sagt Wingenfeld. Auch die Stadtwerke haben Anzeige gegen Unbekannt gestellt. (Nicole Jost)

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