Über gehegte Schätzchen

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Ottmar Günther mit seiner alten BMW.

Dreieich - „Die Sechzigerjahre waren ganz tolle Jahre. Es war auch meine Zeit“, erinnert sich Ottmar Günther. Der gebürtige Sprendlinger hat diesem Jahrzehnt nun ein Denkmal in Buchform gesetzt - aus einer ganz besonderen Perspektive. Von Holger Klemm

Seit Jugend an ist er ein begeisterter Fan von Motorrädern und Autos. So stehen in „Die wilden Sechziger Jahre - Die tollen Storys der Zeitzeugen“ die Erlebnisse mit dem ersten fahrbaren Untersatz im Vordergrund.

Es ist bereits sein drittes Buch. In den beiden bisherigen Bänden „Die Region Dreieich wird mobil - Von den Anfängen des Verkehrswesens“ und „Die Wirtschaftswunderjahre in Deutschland - wir werden mobil“ ging es ebenfalls um die Entwicklung des Fahrzeugwesens. In seinem neuen Werk sind aber auch eigene Erinnerungen eingeflossen, erlebte er in den Sechzigern doch seine Jugend.

„Die grenzenlose Mobilität nahm damals ihren Anfang“

„Die grenzenlose Mobilität nahm damals ihren Anfang“, berichtet er. Er spricht vom Jahrzehnt der Massenmotorisierung. Es war aber auch eine Zeit des Umbruchs und der Auflehnung von Jugendlichen gegen eine Gesellschaft, in der althergebrachte Werte wie Familie, Autorität, Kirche, Politik und andere Traditionen in Frage gestellt wurden. „Es waren wilde und auch bunte Jahre“, meint der Autor.

Und es war die Zeit des Aufschwungs, in der viele das erste Mal überhaupt die Möglichkeit hatten, sich zu motorisieren. „Der Traum vieler wurde wahr.“ Und die Autos, Mopeds und Motorräder hatten einen anderen Stellenwert als heute. „Die Schätzchen wurden gehegt und gepflegt.“

Im ersten Teil des Buches beschreibt Günther die damaligen Neuentwicklungen vom Mokick bis hin zu den verschiedenen Automobilen vom Abarth über das Amphicar bis zu den ersten Japanern, die damals in Deutschland auf den Markt kamen.

Schwerpunkt bilden Berichte von 30 Zeitzeugen

Den Schwerpunkt bilden Berichte von 30 Zeitzeugen, die ihre Geschichte erzählen - vom Erwerb des ersten Mopeds bis hin zur ersten Ausfahrt mit dem eigenen Automobil oder Reisen ins Ausland. Komische Anekdoten über Missgeschicke finden sich ebenso wie der Abschied von damals lieb gewordenen Fahrzeugen, die verrosteten oder auseinander fielen.

Antonio Bruck spricht beispielsweise von Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit, Wolfgang Luft von tollen Jahren auf Zweirädern. Immer wieder fallen Stichworte wie Markentreue, Technikbegeisterung, „autoverrückt“ oder „automobile Leidenschaft“.

Über Aufrufe in Fachzeitschriften oder im Internet kam Günther in Kontakt mit den Zeitzeugen, von denen einige aus dem benachbarten Ausland kamen. „Ich bin zu den Leuten hingefahren“, berichtet der Autor. Texte wurden auch über das Internet besprochen. Als roter Faden zieht sich die besondere Beziehung zum ersten Fahrzeug und das Gemeinschaftserlebnis durch das Buch. Vielen ist ihr Gefährt richtig ans Herz gewachsen. „Wir waren damals eine tolle Clique, verbrachten die meiste Zeit zusammen, und Mopeds faszinierten uns ebenso wie das andere Geschlecht“, schreibt beispielsweise der Sprendlinger Bodo Schuchard. „Immer waren wir auf der Suche nach neuen Erlebnissen, und unsere Zweiräder mit der sich ständig weiter entwickelten Technik faszinierten uns jeden Tag mehr.“

Wo lag nun die besondere Faszination?

Wo lag nun die besondere Faszination? „Die Technik war damals noch überschaubar. Wir konnten alles selbst reparieren“, meint Günther. Er selbst „schraubte“ mit Kumpeln in der eigenen Kellerwerkstatt an seinem Adler-Moped oder seiner Kreidler. Seine zweite Heimat war der Laden von Karl Möck in Dreieichenhain. „Hier bekam man auf engstem Raum alles, was das Herz begehrte: den neuesten Zylindersatz, den optimalen Vergaser, die neueste Rennkerze und und und...“ Bereits mit 16 Jahren ging es mit Mopeds und Freunden zur ersten Fernreise nach Norditalien. „Wir lebten wie die Götter“, schwärmt er. Wie viele seiner Zeitzeugen denkt Günther gerne an diese Zeiten zurück. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie so lange doch noch nicht her sind.“

Das Buch mit vielen Abbildungen ist im Eigenverlag erschienen und in der Buchhandlung Schormann in der Frankfurter Straße 60 erhältlich. Man kann es auch bei Ottmar Günter direkt beziehen. Zu erreichen ist er unter Telefonnummer: 0160/93231418, oder per E-Mail unter ottmar.guenther@gmx.de oder murfino-guenther-verlag@gmx.de.

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