Parkplatzproblem rund um den Bahnhof

Von Buchschlag aus in den Flieger

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Im Hirschgraben wird es möglicherweise bald auf einer Straßenseite ein eingeschränktes Halteverbot geben.  

Dreieich - CDU frustriert: Parkchaos in den Straßen rund um den Bahnhof lässt sich so schnell nicht abstellen. Viele Pendler parken ihre Autos in Buchschlag, um mit der S-Bahn zu ihrer Arbeitsstelle zu fahren. Von Frank Mahn 

Massive Verkehrsbehinderungen durch Wildparker, Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern, Engpässe für Rettungsfahrzeuge und Bus – insbesondere im Hirschgraben und an der Ecke Forstweg –, Lärm- und Umweltbelastung durch Suchverkehr, fehlende Parkmöglichkeiten für Anwohner und deren Besucher: Die Verhältnisse rund um den Bahnhof sind aus Sicht der Buchschlager CDU eine Zumutung.

Sie hat sich auch Gedanken über Lösungen gemacht. Parkzonen für Anwohner, einseitige Halteverbote in manchen Straßen und ein Parkdeck könnten die Misere beheben, so Vorsitzender Franz Otto. Doch so einfach ist das nicht, wie die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie in der jüngsten Sitzung erfahren haben.

Das darf man sich schon mal auf der Zunge zergehen lassen. Der Antrag der CDU-Fraktion, die Voraussetzungen für ein Parkraumbewirtschaftungskonzept zu prüfen und die Möglichkeiten auszuloten, welche Förderquellen beim Bau eines Parkdecks angezapft werden können, datiert vom 1. Oktober 2013. Nach mehr als einem Jahr hat die Stadtverwaltung nun einen „Zwischenbericht“ vorgelegt. Während die Vertreter von SPD und FDP die Ausführlichkeit loben, nimmt Franz Otto das Papier knurrend zur Kenntnis. Es beschreibe zwar die Problemlage, zeige aber keine konkreten Lösungsvorschläge auf.

Überregionale Parkverkehr nimmt weiter zu

Nach Einschätzung der CDU ist dies umso fataler, weil die Situation immer prekärer wird. Der überregionale Parkverkehr habe „exzessiv zugenommen“, so Otto. Bei Großveranstaltungen der Messe Frankfurt GmbH verschärfe sich der Parktourismus derart, dass auch weiter vom Bahnhof entfernte Parkflächen belegt sind. „Im Internet kursieren Parktipps für Buchschlag mit dem werbenden Hinweis, dass der Bus zum Flughafen nur 15 Minuten fährt und es sich um ein normales Wohngebiet handele, wo sich locker im Umkreis von 300 Metern ein Parkplätz fände und die Fahrzeuge sicher und kostenlos abgestellt werden könnten“, berichtet der CDU-Vorsitzende. Das führt dazu, dass mancher Urlauber mit seinem Auto für mehrere Wochen einen Parkplatz blockiert. Da schreckt auch ein Strafzettel nicht. In den vergangenen beiden Jahren seien 400 Knöllchen verteilt worden, sagt Karin Eisenhauer, städtische Ressortleiterin für Sicherheit und Ordnung.

Wie aber das Problem in den Griff bekommen? Von einem Konzept zur Parkraumbewirtschaftung wären große Teile Buchschlags betroffen, hält der Bericht fest. „Als mögliche Kurzparkzone ist hier keine Innenstadtlage zu erkennen, die eine regelmäßige Fluktuation analog von Einkaufsstraßen typischerweise ausmacht“, heißt es weiter. Und: „Für ein Bewohnerparkrecht fehlt nach den bisherigen Erkenntnissen die rechtliche Grundlage, sodass es sich nicht rechtswirksam umsetzen lässt.“ Das zielt unter anderem auf die Größe der Grundstücke in der Villenkolonie ab. Die Stadt werde nicht plausibel darlegen können, dass dort keine Stellplätze zur Verfügung stehen.

Als kurzfristige Maßnahme zur Entspannung der Situation sei ein einseitiges eingeschränktes Halteverbot Am Hirschgraben denkbar, um die Zu- und Abfahrt zur Buchschlager Allee zu verbessern. Dazu werden derzeit Gespräche mit den Anwohnern geführt.

Die meiste Linderung würde der Bau eines Parkdecks oder Parkhauses bringen. Für einen Privatinvestor würde sich das Projekt aber „mit Sicherheit“ nicht rechnen, weil es nicht kostendeckend zu betreiben wäre, führt der Bericht aus. Die Verwaltung hat Gespräche mit der Bahn Park GmbH geführt, die zur DB gehört und Erfahrungen auf diesem Gebiet hat. Die ist interessiert, will das auf drei Millionen Euro geschätzte Projekt mit 300 Stellplätzen aber nicht alleine stemmen. Die Stadt müsste 50 Prozent der Kosten aufbringen, wobei sie Fördermittel beantragen könnte. Als Standort kommt nur das Gelände der heutigen Park-and-Ride-Anlage südlich der Buchschlager Allee in Frage. Das gehört praktischerweise der Bahn.

In den nächsten Monaten sollen aber erst mal Fakten gesammelt werden. Die Stadt hat Professor Jürgen Follmann, Spezialist für Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt, mit einer Bestandsaufnahme des Gebiets rund um den Bahnhof beauftragt. Eine Studentin will sich des Themas für ihre Diplomarbeit annehmen. „Das ist zu begrüßen, allerdings wird dadurch erneut einige Zeit bis zu konkreten Entscheidungen ins Land gehen“, sagt Franz Otto.

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