„Als Endstation ungeeignet“

Regionaltangente West: Anwohner aus Buchschlag halten Planung für verfehlt

Hinweis für Fahrgäste am Seligenstädter Bahnhof
+
Anwohner aus Buchschlag wenden sich gegen die dort geplante Endstation der RTW.

Längere Zeit ist es um die Planungen zur Regionaltangente West (RTW) am Buchschlager Bahnhof ruhig geblieben, zumal die Unterlagen zur Planfeststellung im vergangenen Jahr offen- gelegt wurden. Nun wenden sich Anwohner gegen die dort geplante Endstation. Sie möchten, dass die RTW nach Langen weitergeführt wird – ganz so, wie es auch von der südlichen Nachbarstadt gefordert wird.

Buchschlag – Die Initiatoren um die drei Familien Jürgens, Hentschel und Zintl haben Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt und diese einem Offenen Brief an Bundesverkehrminister Andreas Scheuer und seinen hessischen Kollegen Tarek Al-Wazir angefügt. Beide werden aufgefordert, Zuschüsse für das seit Langem geplante Projekt an eine Einbeziehung von Langen als südliches Ende der Schienenverbindung zu knüpfen. „Es macht absolut keinen Sinn, das Planfeststellungsverfahren RTW-Süd in seiner aktuellen Fassung weiter voranzutreiben“, heißt es in dem Brief. Damit würden Fakten geschaffen, die eine spätere, sinnvollere Ausgestaltung der Anbindung von Langen „erheblich erschweren, zweifellos verteuern oder im schlimmsten Fall unmöglich machen“.

Die Initiatoren betonen, dass sie den Ausbau des öffentlichen Regionalverkehrs und auch die RTW gut finden, aber nicht in der momentanen Planung. Der geplante Endhaltepunkt in Buchschlag sei denkbar ungeeignet, weil das Zentrum der Stadt Dreieich mehr als drei Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt. Das kleine Wohngebiet habe bereits mit vielen parkenden Pendlern zu tun. Zumal weder die RTW-Gesellschaft, noch die Stadt oder die Bahn eine schlüssige Alternative zum Parkproblem anbieten würden.

Die drei Familien wohnen alle in der Eleonorenanlage, direkt am Bahnhof und wären von den ungünstigen Veränderungen durch den neuen Bahnsteig betroffen, „dem unser Wäldchen zum Opfer fallen würde, das uns von den Gleisen trennt“.

Sie bezweifeln auch die Wirtschaftlichkeit der RTW. Denn unabhängig davon wird eine neue Straßenbahn zwischen Frankfurt und Dreieich geplant, die die Bewohner direkt in die Mainmetropole bringen würde. „Wenn diese Straßenbahn fährt, saugt sie einen Großteil des geschätzten Passagieraufkommens über Buchschlag ab, weil die Menschen mit ihr einen signifikanten Zeitvorteil und auch eine schnellere Taktung gewinnen werden“, so die Initiatoren. Die Wirtschaftlichkeit der RTW werde dann unter die Kennzahl eins fallen. Schon vor der Planung der Straßenbahn habe diese nur knapp über eins gelegen, wie eine Nutzen-Kosten-Analyse der Intraplan Consult GmbH ergeben habe. Dies könnte durch die von Langen angestrebte Erweiterung deutlich gesteigert werden.

Fokus der Stadt liegt bislang auf Anbindung der Dreieichbahn

Die Stadt Dreieich hat zur RTW in Buchschlag bislang den Fokus auf eine bessere Anbindung der Dreieichbahn gelegt. Bei der Offenlage der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren zum Abschnitt Süd 2019 hätten die Stadt und Bürger aus Buchschlag Einwendungen eingereicht. Die Bürger sowie die städtischen Gremien verbinde die Unzufriedenheit mit dem aktuell Richtung Stadtteil geplanten Außenbahnsteig, so Bürgermeister Martin Burlon. Die Stadt wünscht den Bau eines Mittelbahnsteigs, der zunächst eine attraktive Umsteigeoption sein soll, um die Menschen bereits mit der Bahn nach Buchschlag zu bringen. Ziel sei eine mittelfristige Durchbindung der RTW auf die Strecke der Dreieichbahn und so die Verbesserung der Anbindung der Stadtteile sowie der Kommunen bis Dieburg. Das Langener Engagement nehme die Stadt zur Kenntnis. Mögliche Vorteile einer solchen Verlängerung könnten erst nach dem Vorliegen einer Planung beurteilt werden.

Der dortige Bahnhof sei durch seine zentrale Lage viel geeigneter. Große Neubaugebiete und auch die Gewerbegebiete lägen unmittelbar an der Strecke. Hingegen befänden sich die großen Gewerbegebiet Dreieichs vier Kilometer vom Bahnhof Buchschlag entfernt.

Langen habe 250 000 Euro für die Planung bereitgestellt und auch der Kreis unterstütze die Bewerbung. „Um so unverständlicher finden wir es, dass die RTW-Gesellschaft unbeeindruckt am Bauabschnitt Süd festhält.“ Deshalb hätten die Initiatoren sich zu dem Offenen Brief entschlossen. Zumal alle mit dem Thema befassten Teilnehmer die Sinnhaftigkeit der Einbeziehung von Langen grundsätzlich begrüßten.

Der Langener Bürgermeister Jan Werner dürfte sich über das Engagement freuen. In seiner 100-Tage-Bilanz verweist er auf den Abschluss einer Vereinbarung mit dem Kreis Offenbach mit dem Ziel der Verlängerung der RTW bis nach Langen. Dieser könne als Mitgesellschafter der Planungsgesellschaft die Untersuchungen zur Machbarkeit einer Verlängerung der Trasse beauftragen.

Von Holger Klemm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare