Später Verdacht

Dubioser Handwerker im Einsatz: Frau muss für Toilettenreinigung fast 1000 Euro zahlen

Bei der Toliettenreinigung wurde eine Seniorin von einem unseriösen Handwerker abgezockt.
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Bei der Toliettenreinigung wurde eine Seniorin von einem unseriösen Handwerker abgezockt.

Böse Überraschung für eine Rentnerin aus Dreieich: 987,16 Euro werden ihr für die Reinigung einer verstopften Toilette abgeknöpft – die Rechnung liegt der Redaktion vor.

  • Eine Rentnerin aus Dreieich muss für eine Toilettenreinigung eine extrem hohe Summe zahlen.
  • Erst spät schöpft die Frau Verdacht.
  • Handwerker: „In Dreieich hat ein schwarzes Schaf zugeschlagen“

Dreieich – Leider schöpft die Seniorin, die anonym bleiben möchte, zu spät Verdacht. Der Handwerker, der im Auftrag der Kanal- und Rohreinigungsfirma „Fürst“ unterwegs ist, verlangt die sofortige Bezahlung – und das macht die Frau.

Nachdem die Seniorin die ausstehende Summe bezahlt hat, informiert sie ihre Tochter über den Vorfall. Diese ist skeptisch, dass der Preis gerechtfertigt ist und fragt bei der Kanalreinigungsfirma Hoffmann Umweltservice GmbH in Dreieichenhain nach. Schnell ist klar: Die Rentnerin wurde abgezockt. „987 Euro für eine Kanalreinigung sind definitiv zu viel“, sagt Christian Terschanski, Abteilungsleiter Verwaltung der Firma Hoffmann Umweltservice. Zudem sei es bei seriösen Unternehmen nicht üblich, dass Rechnungen sofort bezahlt werden müssen. Sein Unternehmen schicke diese grundsätzlich per Post, betont er. Auf Zahlungen vor Ort würde seine Firma nur dann bestehen, wenn der Kunde bereits offene Rechnungen nicht beglichen habe, versichert Terschanski.

Handwerker: „In Dreieich hat ein schwarzes Schaf zugeschlagen“

Schwarze Schafe, die die Not der Kunden ausnutzen, gebe es leider auch in seiner Branche, sagt Terschanski. „Deren Masche ist es wohl, vor allem älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.“ Er ist sich sicher, dass es sich bei dem Fall in Buchschlag um eine solche Firma gehandelt hat. Denn für eine Kanalreinigung, die nicht einmal zwei Stunden dauert, knapp tausend Euro zu verlangen, sei viel zu viel, versichert der Fachmann. „Wir hätten die Toilette in einer Stunde gereinigt und die Frau hätte bei uns dafür rund 120 Euro bezahlt.“

Doch nicht nur Arbeitszeit und Stundenlohn deuten auf Abzocke hin. Dem Fachmann ist die Firma „Fürst“ schon länger bekannt. So habe dessen Inhaber mit der „Rohrreinigung Hofmann“ ein weiteres Unternehmen gegründet, das sich auf verstopfte Leitungen spezialisiert habe. Da dessen Name dem von Terschanskis Firma stark ähnle, sei der Abteilungsleiter in den vergangenen Monaten oftmals von Menschen angerufen worden, die wissen wollten, „ob wir auch die richtige Firma Hoffmann sind“. Daher warnt Terschanski nicht nur auf seiner Internetseite ausdrücklich vor dem Unternehmen, er habe auch rechtliche Schritte eingeleitet, berichtet der Abteilungsleiter.

Dreieich: Warnung vor Kanal- und Rohrreinigungsfirma „Fürst“ im Internet

Beschwerden über die Kanal- und Rohrreinigungsfirma „Fürst“ finden sich auch in den sozialen Netzwerken. So klagt eine Nutzerin bei Facebook, dass sie ebenfalls auf das Unternehmen reingefallen sei. Die Internetseite blacklist-schwarzeliste.de, bei der Kunden vermeintlich betrügerische Handwerker oder Unternehmen melden können, listet gleich zwölf Firmen auf, die mit dem Inhaber der Firma „Fürst“ in Verbindung gebracht werden. Auf unsere Anfrage zu den Vorwürfen hat die Firma „Fürst“ nicht reagiert.

Henry Faltin, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen, kennt diese Art der betrügerischen Machenschaften. Er betont: „Viele dieser Fälle laufen an der Polizei vorbei.“ Auch wenn er sich bewusst sei, dass in solchen Fällen die Not der Menschen ausgenutzt werde, sind diese „zunächst einmal private Angelegenheiten“. Inwiefern überteuerte Rechnung strafbar seien, hänge davon ab, wie weit der zu zahlende Preis vom sonst gängigen Preis abweiche. „Das ist von Ort zu Ort unterschiedlich“, betont der Polizeisprecher.

Handwerker rät: Nur Firmen mit Festnetznummer anrufen

Damit Kunden erst gar nicht in solche Situationen geraten, rät Christian Terschanski allen Betroffenen, nur Firmen zu kontaktieren, die eine Festnetznummer haben. „Wer einen Handwerker braucht, sollte auf keinen Fall bei Firmen anrufen, die nur eine 0800er Nummer angeben.“ Zudem könnten Kunden bereits am Telefon erfragen, wo die Firma herkomme. Denn auch der Sitz verrate, ob die Firma seriös sei. Nur so könnten die Abzocker gestoppt werden, die laut Terschanski „eine ganze Branche in den Schmutz ziehen“. (Joshua Bär)

Gelgenheit für Abzocke bietet auch der Start der neuen Playstation 5. Auch hier ging es häufig um stattliche Summen.

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