Mit Buddha die Stille entdecken

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 Der Abt des Götzenhainer Tempels (von links), zwei Mönche und die Nonne Samaneri Silavaddhani. Nach alter Tradition sind die Roben der Ordensmitglieder orange. Die Farbe kommt von der Wurzel des Jackfruit-Baums.

Götzenhain - Eine Nonne über das Leben im Tempel und weshalb Multi-Tasking keine gute Angewohnheit ist. Von Sarah Neder 

Auf der Straße vor dem buddhistischen Tempel herrscht reger Verkehr. Autos und Traktoren rauschen im Sekundentakt vorbei, in der Ferne schiebt sich die Dreieichbahn über die Gleise. Hände aneinanderlegen, verbeugen, Schuhe ausziehen. Im Inneren des Tempels ist es still, als hätte jemand eine Glasglocke über das Gebäude gestülpt. Doch das Haus ist nicht etwa unbewohnt. Fünf Menschen leben dort: der Abt, ehrwürdiger Phrakhrubhavanabuddhivides, die Nonne, ehrwürdige Samaneri Silavaddhani, zwei Mönche und eine Maechee (Nonnenanwärterin). Die Nonne Silavaddhani hieß bevor sie ordinierte Manuela. Ihr Kopf ist kahlgeschoren, sie trägt das typisch gelb-orange Fetzengewand und spricht Thailändisch, fast fließend.

Vor etwa vier Jahren wurde Samaneri Silavaddhani ins Kloster nach Götzenhain entsandt, lebt seitdem im Zölibat. Neben der sexuellen Enthaltsamkeit entschließen sich die Ordensmitglieder aber auch zu anderen Entbehrungen. „Wir haben keinen materiellen Besitz, dürfen nichts kaufen, nicht selber kochen“, zählt die Nonne auf. Ihre Zufriedenheit scheint dadurch nicht gemindert. Sie leben von dem, was ihnen gegeben wird.

Meditation steht für jeden offen

Die Ordensmitglieder geben im Gegenzug spirituelle Hilfe. Im Götzenhainer Tempel, Wat Buddha Piyawararam, wird die Vipassana-Meditation gelehrt. „Es geht darum, im gegenwärtigen Moment zu sein und aus diesem Moment zu lernen“ , sagt die Nonne. Vipassana bedeutet übersetzt „klar sehen“. Die bewusste Wahrnehmung der Gegenwart, von den Buddhisten auch Achtsamkeit genannt, könne man während der Meditation üben, und wie ein Werkzeug im Alltag benutzen: „Die Achtsamkeit ist wie ein Muskel. Man muss sie nach und nach trainieren.“ Das Gegenteil dieses Bewusstseins sei Multi-Tasking. „Wenn ich zwei, drei Dinge auf einmal erledige, wird das Ergebnis oft schlechter, als wenn ich eins nach dem anderen mache“, erläutert Samaneri Silavaddhani.

Um Achtsamkeit zu trainieren, muss man aber kein Buddhist sein. Die Meditation stehe für jeden offen, egal welcher Konfession der Praktizierende angehöre. Immer montags und mittwochs ab 19 Uhr laden die Tempelbewohner zum Meditationsabend ein, wo Interessierte die Grundlagen der Vipassana-Technik erlernen. Bei Samaneri Silavaddhani lassen sich aber auch individuelle Termine vereinbaren. „Manche bleiben ein Wochenende, andere zehn Tage lang im Tempel“, erzählt sie. Die Besucher schlafen dann im Kloster, meditieren regelmäßig unter Anleitung der Ordensmitglieder. Dafür können sie etwas spenden, müssen aber nicht. „Die Lehre soll für jeden zugänglich sein“, betont die Buddhistin.

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Fotoaktion: Gartenbilder von Jürgen Neumann

Mit dem straffen Tagesplan der Mönche halten aber nur die Wenigsten mit. Der Tag beginnt für sie schon um vier Uhr morgens. Nach dem Aufstehen meditieren die Tempelbewohner bis um sechs Uhr. Dann treffen sich alle zum Morgen-Chanting. Dabei rezitieren sie Texte auf Pali. Nach dem Frühstück führen die Mitglieder Gespräche oder haben Termine mit Meditationsanwärtern. Um 11 Uhr erfolgt dann die Zeremonie des Mittagessens, bei der die Speisen formal offeriert werden. Denn: Selbstbedienung ist Mönchen und Nonnen untersagt. Beim Abend-Chanting finden dann alle noch einmal zusammen.

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