Tempo 80 als Etappenziel

Lärm an A661- Bürgerinitiative will Anwohner mobilisieren

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Seit etwa zwei Jahren ist es still geworden um die Bürgerinitiative (BI) Lärm A 661. Doch hinter den Kulissen waren Bernd Neitzel und Christoph Ebert, die Köpfe der 2015 gegründeten BI, nicht untätig. (Symbolbild)

Seit etwa zwei Jahren ist es still geworden um die Bürgerinitiative (BI) Lärm A 661. Doch hinter den Kulissen waren Bernd Neitzel und Christoph Ebert, die Köpfe der 2015 gegründeten BI, nicht untätig. 

Dreieich – Sie stritten unter anderem mit Bürgermeister Martin Burlon im Wirtschaftsministerium für ihr Anliegen. Über den aktuellen Stand im Kampf gegen den Autobahnlärm informierten sie bei einer Bürgerversammlung im Wirtshaus Im Haag. „Wir wollen wissen, wie die Stimmung zu dem Thema im Wohngebiet ist“, sagt Ebert.

Etwa 70 Zuhörer lauschen dem Rückblick auf die BI-Aktivitäten, die der Ingenieur Neitzel informativ vorstellt – beginnend beim Bau des Wohngebiets am heutigen Ortsrand von Dreieichenhain im Jahr 1960. Die A 661 kommt 1972 hinzu. Gegen sie gab es schon damals Widerstand, weil sie so nah am Wohngebiet verläuft. Dann wird das Neubaugebiet Heckenborn auf der anderen Seite der Autobahn beschlossen. Ohne Schallschutz durfte es nicht gebaut werden, deshalb bekommt es 2015 eine Lärmschutzwand. Und die bringt einiges ins Rollen.

„Denn es hat sich keiner die Frage gestellt, was mit den Leuten auf der anderen Seite der Autobahn passiert“

„Denn es hat sich keiner die Frage gestellt, was mit den Leuten auf der anderen Seite der Autobahn passiert“, sagt Neitzel. Während die schallabsorbierende Wand im Westen gebaut wird, gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 80 (heute nur noch zwischen 22 und 6 Uhr). Danach ist es den Anwohnern auf der Hainer Seite deutlich zu laut. „Da gab es keine zwei Meinungen“, meint Neitzel. Ihre Beschwerden nimmt die Stadt zur Kenntnis – laut BI „mit Betroffenheit, aber sonst blieb man untätig“. Der damalige Bürgermeister Dieter Zimmer sorgt für Empörung, als er sagt, durch die Lärmschutzwand am Heckenborn müsse es auch im Hainer Wohngebiet leiser werden.

Dass das Gegenteil der Fall ist, seitdem die Wand steht, ist wissenschaftlich erklärbar: Das Land hat Betonleitplanken vor die Wand montiert, die die Fahrbahngeräusche stoppen, bevor die schallschluckende Wand ihre Arbeit tun kann – und auf die andere Seite reflektieren. „Vorher konnte sich der Schall zu beiden Seiten ausbreiten, jetzt kommt noch mehr bei uns an“, sagt Neitzel. Drei Gutachten stützen die Argumentation der BI.

Mit politischer Unterstützung agieren

Die lärmgeplagten Anwohner versuchen fortan, mit politischer Unterstützung Lösungen voranzubringen: Die einfachste und günstigste – ganztägig 80 Stundenkilometer auf dem Autobahnabschnitt – lehnt das Land mehrfach ab. Statt der erhofften Betonleitplanken installiert Hessen Mobil dann überraschend Stahlleitplanken, die den Lärm nicht mindern. Abhilfe brächte eine teure Schallschutzwand auf der Ostseite der A 661 – doch die müsste die Stadt bezahlen.

„Die Karten waren schon mal schlechter, die Fakten liegen auf dem Tisch.“

Trotz dieser Ausgangslage bilanziert Neitzel: „Die Karten waren schon mal schlechter, die Fakten liegen auf dem Tisch.“ Das Tempolimit hält er für am aussichtsreichsten. „Wir müssen jetzt nur noch den letzten Schritt gehen – und brauchen euch alle!“ Die BI schlägt vor, dass möglichst viele Anwohner bei Hessen Mobil auf eine zumindest temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung drängen – bis das Thema rechtlich geklärt wird. 

Die behördlichen Vorschriften seien erfüllt. Zudem will sie ein Faktenblatt erstellen und plant eine Diskussionsveranstaltung. Im Saal gibt es viel Zustimmung. „Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit und muss auf den Tisch“, meint ein Mann. „Wir müssen uns gegen diese Hinhaltetaktik wehren!“, fordert eine Frau. Ein Bewohner des Heckenborns sagt: „Viele Nachbarn haben den ersten Sommer im Garten hinter sich und es entwickelt sich ein Bewusstsein für den Lärm. 

Wenn die Sprendlinger die Fakten kennen, dann wissen Sie 1000 Leute hinter sich!“ Eine Dreieichenhainerin ist skeptisch, ob man die Heckenborn-Bewohner ins Boot holen sollte. Doch Neitzel betont: „Die Geschwindigkeitsbegrenzung bringt allen weniger Lärm!“ Jeder müsse nun Freunde und Nachbarn mobilisieren. „Wir dürfen uns nicht nur über den Lärm ärgern, sondern müssen was tun!“, appelliert Ebert.

Kontakt

zur BI gibt es per Mail an miristzulautA661@gmail.com

von Julia Radgen

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