„Mir fehlt nichts“

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Bernd Abeln feiert am morgigen Sonntag seinen 70. Geburtstag. Er war 13 Jahre Bürgermeister in Dreieich und fast sieben Jahre Staatssekretär.

Dreieich - Politik hat Bernd Abeln schon immer interessiert. „Nicht nur hinnehmen, sondern mitmachen“, lautet sein Motto. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion bringt er sich weiterhin ein. Von Holger Klemm

Der ehemalige Dreieicher Bürgermeister und hessische Staatssekretär Bernd Abeln feiert am morgigen Sonntag seinen 70. Geburtstag.

„Politik ist spannend und bietet die Möglichkeit, die Verhältnisse zu gestalten.“ Dabei setzt er auf pragmatische Lösungen, wenngleich es wichtig sei, eine Grundposition zu haben. Seine ist die der CDU. Abeln sieht sich innerhalb der Union in der rechten Mitte verortet. Wichtig ist ihm aber der Respekt vor dem anderen Standpunkt. Den vermisst er heute beispielsweise bei vielen Demonstrationen.

Abeln, 1942 in Havixbeck (Münster) in Westfalen geboren und lange in Niedersachsen tätig, hat die Politik über die Jahre aus verschiedenen Blickwinkeln kennen gelernt - von 1987 bis 2000 als Bürgermeister in Dreieich, von da an bis 2007 als Staatssekretär im hessischen Finanz- und später im Wirtschaftsministerium. Und an beide Tätigkeiten erinnert er sich gerne.

Kontakt mit Menschen ist wichtig

Als Bürgermeister habe man unmittelbar mit den Menschen zu tun. Entscheidungen seien schnell zu spüren - auch falsche. Auf Landesebene sehe das etwas anders aus. „Ich war gerne Bürgermeister. Und Dreieich ist für mich längst zur Heimat geworden.“ Doch auch seine Aufgaben als Staatssekretär fand er reizvoll. In den Ministerien habe er mit allen politischen Bereichen und einer Vielfalt an interessanten Themen zu tun gehabt.

Abeln ist überzeugt, in seiner Zeit als Bürgermeister seien viele Entscheidungen gefallen, die die Position der Stadt und das Leben dort verbessert haben. „Das ist aber nicht allein ein Verdienst des Bürgermeisters.“ Abeln nennt seine Partei, die immer stärkste Kraft in Dreieich gewesen sei. Viele Entscheidungen seien aber auch von den anderen Fraktionen mitgetragen worden. Besonders stolz ist er auf das Projekt „kindgerechte Stadt“, das bundesweit Beachtung fand und ausgezeichnet wurde.

Der ehemalige Bürgermeister nennt außerdem die Dreieich-Bahn, die Begegnungsstätte Winkelsmühle, die Stadtteilbücherei Dreieichenhain oder die Verlegung der Sprendlinger Feuerwehr. Kunst und Kultur seien ihm immer wichtig gewesen. So habe er maßgeblich mit dazu beigetragen, dass es die Burgfestspiele gibt.

Fehler gehören zum Menschsein dazu

Natürlich seien in den 13 Jahren auch Fehler gemacht worden, räumt er ein. „Das gehört zum Menschsein dazu.“ Mitverantwortung für die gegenwärtige Finanzmisere der Stadt lehnt Abeln ab. „Das liegt nicht an mir, wie gerne gesagt wird.“ Die Verschuldung sei in seiner Amtszeit zwar von 34 auf 58 Millionen Euro gestiegen. „Wir haben aber Schulden nur für Investitionen aufgenommen und hatten immer ausgeglichene Haushalte.“

Er verteidigt so umstrittene Projekte wie den Bau des Rathauses, für das die Stadt jährlich eine Million Euro Miete zahlen muss. „Ich stehe dazu.“ Das alte Rathaus sei sanierungsbedürftig und die acht Verwaltungsstellen seien über die Stadtteile verteilt gewesen. Zudem habe es sehr schlechte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter gegeben „Das wird heute gerne vergessen.“ Die Stadt habe auf jeden Fall etwas tun müssen. Und andere Lösungen hätten ähnlich viel gekostet.

Auch für das Scheitern des Ulmenhof-Projekts, für das die Stadt eine Ausfallbürgschaft übernommen hatte, lehnt Abel die Verantwortung ab. „Zum Spatenstich kam ich als Staatssekretär, und da war noch alles in Ordnung.“ Die Frage stelle sich aber, ob man das Projekt hätte retten können.

Dreieich hat viel Potenzial

Zur aktuellen Politik in Dreieich möchte der frühere Bürgermeister keine Stellung beziehen. Das widerspräche seinem Selbstverständnis. Abeln glaubt aber, dass Dreieich Potenzial hat und wieder auf die Beine kommt.

Der Politiker schließt sich der Meinung an, dass den Kommunen und den Kreisen zu viel von Seiten des Bundes und des Landes aufgebürdet werde. Als Schul- und Sozialträger trage der Kreis die Hauptlast und bekomme dafür zu wenig Geld. Gut findet er den nun angebotenen Rettungsschirm des Landes, den Dreieich als eine von vier Kreiskommunen in Anspruch nehmen könnte.

Fiel es ihm Anfang 2007 schwer, vom Amt des Staatssekretärs loszulassen? „Nein, ich hatte ja die gesetzliche Altersgrenze erreicht.“ Und irgendwann merke man schon die Beanspruchung.

Weiter in der Kreispolitik tätig

Doch auch danach eröffneten sich auf Landesebene interessante Aufgaben, die er gerne übernommen hat. Roland Koch hat Abeln die Leitung der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region übertragen. Mit dem Erlös des Landes aus der Flughafendividende - mit Spenden jährliche eine Million Euro - konnten wichtige Projekte mit einem breiten Spektrum von Biodiversität über Museen bis zu Schulen umgesetzt werden. Mit 70 sei es aber nun an der Zeit, sich zurückzuziehen und Jüngeren die Leitung der Stiftung zu überlassen. In der Kreispolitik möchte er weiter tätig sein.

„Ich bin ein zufriedener Mensch, mir fehlt nichts“, sagt der Jubilar. Er hofft, noch viele schöne Jahre mit seiner Frau Ursula und seiner Familie zu haben.

Zu seinem Geburtstag am morgigen Sonntag hat er die Schirmherrschaft für das Benefizkonzert „Klassische Kostbarkeiten“ der Musikschule zu Gunsten des Kinderschutzbundes übernommen. Beginn ist um 16 Uhr in der Kirche St. Stephan.

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