„Es wird mehr Grün da sein als vorher“

Weiher-Absperrungen in Dreieich sorgen für Ärger - Das sagt der Bürgermeister

Um die hölzernen Geländer am Burgweiher ist eine heftige Diskussion entbrannt. Viele Bürger stören sich an dem Anblick. Bürgermeister Martin Burlon versichert, dass diese Barrieren wieder verschwinden werden. Unterhalb der Burgruine werden in Kürze Steine ins Wasser geschüttet, damit das Ufer flacher wird.
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Um die hölzernen Geländer am Burgweiher in Dreieich ist eine heftige Diskussion entbrannt. Viele Bürger stören sich an dem Anblick. Bürgermeister Martin Burlon versichert, dass diese Barrieren wieder verschwinden werden. Unterhalb der Burgruine werden in Kürze Steine ins Wasser geschüttet, damit das Ufer flacher wird.

Die Sicherheitsvorkehrungen an mehreren Weihern in Dreieichenhain stoßen auf viel Unverständnis. Immerhin – der Protest blieb nicht wirkungslos.

Dreieich - Im Falle des Burgweihers hob die Stadt kurz vor Ostern die Sperrung des beliebten Fußwegs auf der Burgseite auf. Stattdessen wurden am Ufer vorübergehend Ketten gespannt. Auch am Weiher an der Winkelsmühle wurden die rot-weißen Baken vorerst zur Seite geschoben. Bis dort eine Steinschüttung das Ufer seichter macht, ist ebenfalls eine Übergangslösung geplant. Bürgermeister Martin Burlon verteidigt im Interview die Maßnahmen, die etwa 140.000 Euro kosten. Hintergrund ist ein Unglück, bei dem 2016 in Nordhessen drei Kinder in einem Dorfteich ertranken. Der damalige Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen wurde wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt.

Herr Burlon, seit Wochen schlagen vor allem in Dreieichenhain Wellen der Empörung hoch, weil mehrere Uferbereiche von Weihern aus Gründen der Sicherheit gesperrt wurden. Haben Sie mit solch vehementen Reaktionen gerechnet?

Natürlich sieht das Ganze derzeit nicht schön aus, sodass ich manche Reaktion verstehen kann. Ich hatte aber gehofft, dass mit der Kommunikation der Maßnahmen auch eine Akzeptanz für die Notwendigkeit der vorübergehenden baulichen Absperrung am Burgweiher gelingt, zumal wir im Vorfeld auch mit Akteuren vor Ort gesprochen hatten.

Sie betonen das Wort vorübergehend. Dabei geht es ja in erster Linie um den Burgweiher. Offenbar ist in Teilen der Bevölkerung noch nicht durchgedrungen, dass die hölzernen Geländer nicht auf Dauer stehen bleiben werden.

Genau. Es war mir und allen anderen besonders wichtig, dass hier gerade keine dauerhafte Beeinträchtigung des Erscheinungsbilds erfolgt. Es wird am Ende mehr Grün da sein als vorher. Schon heute ist der Zaun dort unterbrochen, wo die Pflanzen einen natürlichen Schutz bieten. So soll es dann bis auf einige wenige Meter, auf denen ein mit der Denkmalbehörde abgestimmter Zaun entsteht, um den ganzen Weiher herum sein.

Bürgermeister Burlon zu Weiher-Absperrungen in Dreieich: „Wir mussten handeln“

Das Urteil gegen den damaligen Bürgermeister von Neukirchen ist noch nicht rechtskräftig. Das Berufungsverfahren steht aus. Womöglich wird der Mann dann von jeglicher Schuld freigesprochen. Hätten Sie respektive die Stadt dann nicht in vorauseilendem Gehorsam gehandelt und Steuergelder verpulvert?

Es wird tatsächlich spannend sein, wie das Verfahren weitergeht. Allerdings sind laut Presseberichten nach dem Urteil Unterlagen aufgetaucht, wonach die Gemeinde Neukirchen schon 2014 auf ein erhöhtes Gefahrenpotenzial des Weihers durch den Gemeindeversicherungsverband hingewiesen wurde. Und genau solche Unterlagen liegen uns seitens des GVV inzwischen auch vor. Wir haben nämlich gerade nicht hektisch und in vorauseilendem Gehorsam gehandelt – wenn dem so gewesen wäre, hätten wir einen Tag nach dem Urteil Zäune aufstellen müssen. Sich allerdings nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen war und ist auch keine Alternative. Die Weiher wurden deshalb sorgsam im Einzelnen betrachtet, nachdem wir es dann aber vom GVV schwarz auf weiß hatten, dass es auch bei uns Gefahrenstellen gibt, mussten wir handeln. Und mehr Grün, mehr entsiegelte Fläche, mehr Bäume, aber auch mehr Sicherheit sind für mich und offenbar auch für alle anderen, die diese Entscheidungen mittragen, kein unnützer Einsatz von Steuergeld.

Wer hat diese Entscheidung denn wie mitgetragen?

Es gab im vergangenen Jahr mehrere Termine vor Ort mit Vertretern der Stadtverwaltung, des Dienstleistungsbetriebs, mit dem gesamten Magistrat, mit Vertretern des Geschichts- und Heimatvereins, der AG der Dreieichenhainer Vereine und des Angelsportvereins, in denen einvernehmlich über die konkreten Maßnahmen gesprochen wurde. Die Stadtverordnetenversammlung hat dann am Ende einstimmig das entsprechende Budget bereitgestellt. Aber selbstverständlich stehe ich jetzt als Bürgermeister vorne dran und ducke mich hier nicht weg.

Mit humorvollen Hinweisschildern will die Stadt Dreieich die Schärfe aus der Debatte nehmen.

Weiher-Absperrungen: Dreieich will bestmögliche Sicherheit bieten

Nach welchen Kriterien ist die Auswahl der Gewässer erfolgt, die jetzt gesichert werden? Warum wird beispielsweise am Weiher im Sprendlinger Bürgerpark nichts unternommen? Das ist für Außenstehende schwer verständlich.

Es wurden grundsätzlich alle städtischen Weiher betrachtet, auch der im Bürgerpark. Dieser unterscheidet sich aber dahingehend von den anderen genannten Weihern, dass er seichte Uferbereiche hat, aus denen man sich beim Hereinfallen sehr einfach – auch als Kind – selbst befreien kann. Das ist bei den anderen Weihern teils aufgrund der künstlichen Befestigung der Uferbereiche, teils aufgrund der relativ steil abfallenden Ufer, auch unterhalb der Wasseroberfläche, nicht der Fall – so die Ergebnisse der uns vorliegenden Betrachtung. Dennoch hatten wir den neu gebauten Kleinkinderspielplatz im Bürgerpark schon vor einigen Jahren mit einem kleinen zusätzlichen Zaun Richtung Weiher geschützt, um bestmögliche Sicherheit zu bieten.

Manche Bürger schlagen vor, einfach Schilder mit „Eltern haften für ihre Kinder“ aufzustellen. Warum reicht das aus Ihrer Sicht nicht aus? Eine 100-prozentige Sicherheit kann es doch nicht geben, ganz gleich, was gepflanzt oder an Zäunen gebaut wird.

Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben können, das ist allen Beteiligten klar. Dennoch muss es unsere Aufgabe sein, uns benannte Gefahrenpotenziale zu minimieren, auch deshalb, weil entgegen landläufiger Meinung Eltern gerade nicht immer für ihre Kinder haften und eine reine Beschilderung leider schon lange nicht mehr ausreicht. Auch wenn dankenswerterweise bei uns bisher noch nichts passiert ist, allein darauf zu hoffen, dass das immer so bleibt, kann nicht die Leitlinie unseres Handelns sein. Denn dann könnte es heißen: Muss denn immer erst etwas passieren...

Das Gespräch führte Frank Mahn

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