Mit Hemd und Jogginghose

Rainald Grebe begegnet Wahnsinn mit Wahnsinn

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Schon bei der Wahl des Outfits fängt Rainald Grebes Humor an: Wer kombiniert schon Hemd und Jogginghose?

Dreieichenhain - Gleich am Anfang mächtig Stimmung. Am Anfang dieses Abends mit Rainald Grebe und seiner „Kapelle der Versöhnung“ steht seine bekannte, neu variierte Nummer „Lass uns Volkslieder singen“, dargeboten auf Bierkisten sitzend zusammen mit Marcus Baumgart an der akustischen Gitarre. Von Stefan Michalzik

Da fliegen Textzeilen aus deutschen Volksliedern und Schlagern nur so umeinander. Mitsamt Degenhardts „Schmuddelkindern“ und Weckers „Willy“. Ist ja alles irgendwie eins. Und das frappierend amüsierte Publikum klatscht mit.
Salopp-elegantes weißes Hemd, untenrum schlottert eine schwarze Sporthose. Bereits mit der irritierenden Kombination des Outfits fängt bei Grebe, der mit seinem Programm „Wigwamkonzert“ bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain gastierte, die Komik an. Selbstverständlich macht der Universalhumor des 47-Jährigen nicht vor dem Schlaganfall halt, der ihn vor gut einem Jahr bei einem Konzert in Düsseldorf erwischt hat. „Ich war verwirrt, hab’ zusammenhangloses Zeug geredet, gestottert. Die Leute fragten: Warum kommt er denn nicht wieder raus? Ist doch alles wie immer!“

Die immer wieder komische Fügung des scheinbar Zusammenhanglosen ist das Charakteristische dieses großartigen Musikkabarettisten. Mit dem typischen Flirren in der Stimme gibt er einen panoramatischen Blick auf die Gesellschaft. Er tippt die Dinge an. Lässt sie in der Schwebe.

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Politikernamen fallen bei Grebe kaum. Für Beatrix von Storch macht er eine Ausnahme. Er belegt sie mit einem unflätigen Wort, das je nach Schreibweise mit F oder mit V beginnt. Um darauf zu erklären, das sei ja nicht so gemeint gewesen und aus dem Zusammenhang gerissen. Die Methode kennt man doch ...

Und dann gibt es noch Balladen, für die Grebe an den Flügel wechselt. Ganz und gar nicht frei von Humor – und doch ausgesprochen poetisch. Irgendwie geht es bei Grebe auch um den Einzelnen und sein Seelenheil.

Im Übrigen ist die „Kapelle der Versöhnung“, ein Trio um Marcus Baumgart an der Gitarre, Bassist Serge Radtke und Martin Brauer am Schlagzeug, eine fabelhafte Rockband. Grebe ist ein Chronist der Verhältnisse, die nicht so sind, wie sie sein sollten. Dem Wahnsinn kann man einzig mit einer Portion Wahnsinn begegnen. Ungetrübt fröhlich ist diese lustige Anthropologie des Gegenwärtigen mitnichten.

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