Garanten des Festspielerfolgs

Kulturpreis für Benjamin Halberstadt und Wolfgang Barth

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Die beiden wissen, wo es in Sachen Kultur lang geht. Benjamin Halberstadt (rechts) und Wolfgang Barth werden am 13. Mai mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet.

Dreieich - Die beiden wissen, wie’s geht. Unter der Regie von Benjamin Halberstadt und Wolfgang Barth haben sich die Burgfestspiele in Dreieichenhain zu einem kulturellen Highlight in der Region entwickelt. Von Frank Mahn 

Die Auslastung liegt regelmäßig bei mehr als 80 Prozent, um die 25.000 Besucher pilgern alljährlich in die Burgruine. Für seine Arbeit wird das Duo mit dem städtischen Kulturpreis 2016 ausgezeichnet. Bürgermeister Dieter Zimmer ist voll des Lobes. „Benjamin Halberstadt leistet als Betriebsleiter für die Bürgerhäuser herausragende Arbeit. Besonders ist dabei auch zu würdigen, dass sein Einsatz weit über das beruflich Geforderte hinausgeht. Er lebt die Bürgerhäuser. Das zeigt sich darin, dass er für die ehrenamtlich Engagierten in den Vereinen, Verbänden und Institutionen ein verlässlicher Partner rund um die Organisation ihrer Veranstaltungen ist, ebenso wie in der Zusammenarbeit mit den professionellen Akteuren, Künstlern und deren Management.“ Seine spätere Berufung ist Halberstadt quasi in die Wiege gelegt worden: Vater Gustav war lange Jahre Chef der Bürgerhäuser, Mutter Heike dessen rechte Hand.

Wolfgang Barth habe als künstlerischer Leiter der Bürgerhäuser das Händchen für neue Programme und Ideen, so Zimmer. Dabei gelinge Barth der Spagat, sowohl Publikumslieblinge nach Dreieich zu holen, die für ausverkaufte Ränge sorgten, als auch Künstlern eine Bühne zu bieten, die (noch) nicht die breite Masse ansprechen. Für manch einen war Dreieich das Sprungbrett zur großen Karriere.

Die Geschichte der Neuzeit-Festspiele in Dreieichenhain reicht ins Jahr 1988 zurück. Damals ließ Mirco von Specht, Inhaber einer Frankfurter Konzertagentur, mit den Bürgerhäusern unter Leitung von Gustav Halberstadt als Veranstalter die Hainer Festspieltradition aus den 20er und 30er Jahren aufleben. Doch 1992 trennten sich die Wege, auch weil die Spiele immer größer wurden und Anwohner wegen nächtlicher Ruhestörung klagten. Nach einer Pause übernahm 1996 Thomas Richter, Leiter der Heppenheimer Festspiele. Richter machte es elf Jahre lang, doch der wirtschaftliche Erfolg war eher bescheiden. Als er seinen Vertrag 2006 kurzfristig kündigte, standen die Festspiele vor dem Aus. Die Bürgerhäuser sprangen in die Bresche, Barth und Halberstadt gingen’s an und luden sich damit noch „ein bisschen“ mehr Arbeit auf. Dabei hatten sie im Oktober kein Programm, standen folglich ordentlich unter Druck. „Ich bin damals tausend Tode gestorben“, erinnert sich Barth. Doch ihre zahlreichen Kontakte halfen ihnen aus der Patsche, 2007 gingen die ersten Festspiele unter ihrer Regie über die Bühne – und entwickelten sich zu einem kulturellen Juwel von stetig wachsender Beliebtheit. 2016 lag die Auslastung bei 89 Prozent, so hoch wie nie zuvor.

Bilder zum Abschluss der Burgfestspiele 2016

Doch was wären zwei Chefs auf dem Feld, wenn die Mannschaft nicht mitspielt? Das Ganze funktioniere nur in Teamarbeit, sagt Barth. Somit gebühre der Preis auch den Kollegen. „Wir freuen uns, dass unsere Arbeit solche Anerkennung findet.“ Rathauschef Zimmer bescheinigt der Bürgerhaus-Belegschaft „höchste Motivation und Leistungsbereitschaft“. Der städtische Eigenbetrieb Bürgerhäuser sei durch das Zusammenwirken von Benjamin Halberstadt und Wolfgang Barth zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens im Rhein-Main-Gebiet geworden, anerkannt und geschätzt für die Qualität, aber auch für innovative Ansätze, urteilt die Jury.

Theater, Oper, Kabarett, Pop, Musical, Literatur – die Hainer Festspiele bestechen durch ihre Vielfalt. Und durch ihre familiäre Atmosphäre, die Künstler und Zuschauer zu schätzen wissen. Vom 4. Juli bis zum 20. August sind in der Burg 37 Vorstellungen angesetzt, von denen ein Teil schon wieder ausverkauft ist.

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