Skulpturen stammen von straffällig gewordenen Jugendlichen

„Kunst in der Burg“ bereichert Festspiele

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Kai Wolf und Sarah Kramkowski, Sozialarbeiterin der Bildhauerwerkstatt Gallus, sind stolz auf die Dino-Skulpturen der Jugendlichen.

Dreieich - Der Tyrannosaurus Rex grinst frech ins Publikum. Ein Flugsaurier mit Namen Ramphorhynchus schwebt elegant über dem neuen Notausgang des Burggartens. Acht Saurier-Skulpturen aus Stahl schmücken derzeit das Festspielgelände in Dreieichenhain.

Die Dinos aus der Jurazeit sind die Objekte der 28. Dreieicher Kunsttage. „Kunst in der Burg“ bereichert zum wiederholten Mal die Festspiele. Kuratorin Ilse Dreher hat den Kontakt zur Bildhauerwerkstatt Gallus und ihrem künstlerischen Leiter, dem Bildhauer Kai Wolf, hergestellt. „Ich finde, die Dinos passen ganz hervorragend in unsere Kulisse. Und es ist ja auch nicht immer ganz so leicht, etwas zu finden, was wir gut im Freien stehen lassen können“, ist Festspielchef Benjamin Halberstadt sehr zufrieden. Für die Besucher lohnt sich ein zweiter Blick auf die Urviecher in jedem Fall. Zum einen bekommt der Stahl durch Rost schon eine spannende Patina. Außerdem werden „Fachleute“ sicher so manch verarbeitetes Werkzeug in den Dinos erkennen. „Der Flugsaurier hat den Körper aus einem riesigen Gabelschlüssel, ein Fund aus unserer Werkstatt. Im Maul sind die Zähne aus einem ausrangierten Fuchsschwanz-Sägeblatt verbaut“, erläutert Kai Wolf schmunzelnd. Die meisten Saurier sind den Originalen aus der Urzeit nachempfunden – aber es gibt auch Fantasie-Saurier wie den lustigen und tanzenden „Primaballasaurus“, der links von der Bühne auf der Wiese die Zuschauer begeistert.

Die einzelnen Künstler, die die Skulpturen in vielen Stunden Arbeit geschaffen haben, bleiben bei dieser Ausstellung übrigens anonym. Die Bildhauerwerkstatt im Frankfurter Gallus ist ein Projekt der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim. Dort können straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene ihre richterlich auferlegten Sozialstunden abarbeiten und künstlerisch kreativ werden. „Natürlich ist es erst einmal eine richterliche Auflage. Die Jungs kommen nicht freiwillig zu uns und sie finden sehr unterschiedlich Zugang zu der Arbeit. Aber es gibt schon einige sehr talentierte Künstler, die es schnell schaffen, ihre kreative Energie fließen zu lassen. Und dann entstehen eben solche tollen Skulpturen“, ist Wolf stolz auf die Ausstellung in Dreieichenhain. Es sei sicherlich nicht immer die einfachste Klientel. Viele der Jugendliche haben die Sozialstunden wegen Diebstahls aufgebrummt bekommen, andere sind mehrfach beim Schwarzfahren erwischt worden oder weil sie die Schule geschwänzt haben. Und es gibt auch Fälle, bei denen Körperverletzung im Spiel war. „Die Jugendlichen müssen über ihre Taten aber nicht sprechen und wir wissen es auch nur, wenn sie freiwillig davon erzählen. In der Arbeit an der Kunst ist es dann auch einfach egal und spielt überhaupt keine Rolle mehr“, betont Wolf.

Rund 80 Jugendliche durchlaufen im Schnitt pro Jahr die Werkstatt, gleichzeitig sind maximal acht aktiv. Neben den Stahlkunstwerken entstehen Objekte aus Stein und Holz.Wolf leitet die Werkstatt seit zwei Jahren mit einer 40-Prozent-Stelle. Schließlich braucht der freischaffende Künstler aus Eppstein noch Zeit für seine eigene Kunst. Der Bildhauer zeigt in Dreieichenhain auch ein Werk aus seinem künstlerischen Schaffen. Die 40 Zentimeter große Installation „CARAWAU“ schwebt in einer 15 Meter langen Seilbahn über den Köpfen der Zuschauer unter dem Dach der Tribüne. Da der fahrende Wasserbüffel Geräusche verursacht, wird er nur in den Pausen und vor und nach der Vorstellung in Bewegung gesetzt.

Alle Dinosaurier stehen zum Verkauf. Der vorzeitliche Ameisenbär „Elise“ hat schon einen neuen Besitzer gefunden und wird künftig einen Garten in Egelsbach verschönern. „Das ist für uns natürlich sehr gut. Denn mit dem Verkauf der Kunst können wir zumindest einen kleinen Teil der hohen Kosten für die Werkstatt gegenfinanzieren“, erläutert Wolf. Die Ausstellung der Dinos ist bis zum 19. August in der Burg zu sehen. (zcol)

Auftakt der Burgfestspiele 2014

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