Fast schon wie in Verona

Abschluss der „mediterranen“ Festspiele

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Programmmacher Wolfgang Barth (links) und Festspielleiter Benjamin Halberstadt haben gut lachen. Die Burgfestspiele 2018 warten mit einem leichten Besucherplus auf. Das Foto entstand am Sonntag in der Pause des Konzerts von Konstantin Wecker. 

Dreieichenhain - Perfekter Abschluss einer Traumsaison: Mit einem weiteren gefeierten Konzert von Konstantin Wecker endeten am Sonntagabend die Burgfestspiele 2018. Diese werden nicht nur wegen der leichten Steigerung der Besucherzahlen in schöner Erinnerung bleiben. Von Holger Klemm 

Erstmals hat es keinen Tropfen Regen gegeben. Noch einmal entfaltete am Sonntagabend das romantische Ambiente des Burggartens seinen ganzen Reiz. Hinzu kam ein bestens aufgelegter Konstantin Wecker, der mit seinem überaus poetischen, aber auch kämpferischen Auftritt gegen den zunehmenden Rechtsradikalismus für stehende Ovationen sorgte. Einen besseren Abschluss des fast siebenwöchigen Veranstaltungsreigens in der historischen Kulisse hätten sich Veranstalter und Zuschauer nicht wünschen können.

Festspielleiter Benjamin Halberstadt und Programmmacher Wolfgang Barth ziehen denn auch zufrieden Bilanz. Die 36 Veranstaltungen an 33 Tagen zogen 24 650 Besucher an. Bei einer Gesamtkapazität von 27500 Plätzen kletterte die Auslastung auf etwa 90 Prozent. Beide sprechen von einem erneuten Höhepunkt in der Beliebtheit der Burgfestspiele, die zum bereits zwölften Male in der Regie der Bürgerhäuser über die Naturbühne gingen. Insgesamt 17-mal hieß es ausverkauft. Besonders begehrt waren neben national bekannten Künstlern wie Konstantin Wecker oder Max Mutzke die Karten für die Opernnächte und das Varieté unter Sternen. Wegen des großen Zuspruchs wurde eine dritte Opernnacht ins Programm genommen, die ebenfalls ausverkauft war. Hinter den Kulissen sorgte ein bewährtes Team von 40 Mitarbeitern für den reibungslosen Ablauf.

In den vergangenen Jahren blieb die Besucherzahl relativ konstant. 2017 waren es bei 37 Veranstaltungen 24 600 Besucher, genauso viel wie 2016 bei 39 Programmpunkten. Die Auslastung lag da jeweils bei 89 Prozent.

Barth betonte in einem Gespräch in der Pause des Wecker-Konzerts am Sonntag, dass es nicht auf immer neue Rekorde ankomme. „Wir sind ja nicht bei einem Wettkampf.“ Die Burgfestspiele setzen neben beliebten Stammgästen auch immer wieder auf Newcomer, die das Programm bereichern. Barth sieht in den erneut guten Zahlen nicht zuletzt einen Vertrauensbeweis des Publikums, das auch bereit sei, sich auf Neues einzulassen.

„Varieté unter Sternen“ bei den Burgfestspielen Dreieich: Bilder

Nach persönlichen Highlights befragt, nennt Halberstadt „20.000 Meilen unter dem Meer“. Seine Erwartungen im Vorfeld seien vom Kölner NN Theater erfüllt worden. „Das ist Theater, wie es sein soll“, betont er. Die Aufführung sei fantasievoll und witzig gewesen. Aber natürlich gab es viele weitere tolle Abende bei den Festspielen.

Bemerkenswert sei auch die Resonanz auf Varieté unter Sternen, die sich über die Jahre gesteigert habe. Diesmal waren die drei Vorstellungen lange im Vorfeld ausverkauft. „Das mag auch an dem Ferienende gelegen habe“, glaubt Halberstadt. So konnten viele Familien mit dabei sein.

Natürlich darf bei der Festspiel-Bilanz 2018 das Wetter nicht unerwähnt bleiben. Denn wirklich erstmals während des Veranstaltungsreigens hat es bei keiner Vorstellung geregnet. „Wir mussten kein einziges Mal Regencapes ausgeben“, so der Leiter.

Als Open-Air-Veranstalter wünscht man sich tolles Wetter. „Aber man weiß, dass so etwas über so einen langen Zeitraum unrealistisch ist“, betont Halberstadt. Doch diesmal klappte es. An manchen Abenden zeigte das Thermometer nach Ende der Vorstellungen noch mehr als 25 Grad. „Das war dann schon wie in Verona“, schmunzelt er angesichts der mediterranen Verhältnisse der Festspiele 2018. Die Kehrseite sei allerdings gewesen, dass manche Besucher unter den heißen Temperaturen litten. So habe es einige Schwächeanfälle gegeben.

In der vergangenen Woche gab es dann noch eine kurzfristige Programmänderung: Wie bereits berichtet, musste die Vorstellung „Der Alchemist“ mit dem Ensemble von Barock am Main wegen der Erkrankung von Schauspieler Matthias Scheuring abgesagt werden. Halberstadt und Barth wünschen ihm gute Besserung. Die Ersatzvorstellung „Carmen à trois“ mit Michael Quast, Sabine Fischmann und Markus Neumeyer am Klavier wurde vom Publikum mit großem Beifall aufgenommen.

Nach den Festspielen ist vor den Festspielen, die 2019 vom 2. Juli bis 19. August anstehen. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen. Halberstadt und Barth lassen sich aber keine Details entlocken. „Es wird auf jeden Fall wieder ‘Varieté unter Sternen’ und ‘Jazz in der Burg’ geben.“ Beide sind guter Hoffnung, dass auch die neue Spielzeit – wie die gerade abgelaufene – mit einem vielfältigen, unterhaltsamen und begeisternden Programm aufwarten kann.

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