A bissel was geht immer bei ihnen

Hainer Burgfestspiele: Eingespieltes Team bei Vorverkauf und Abendkasse

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Damit die Besucher in der Burg einen unbeschwerten Abend erleben können, muss ein Rädchen ins andere greifen. Tanja Wolf, Heike Halberstadt, Annette Schäfer, Susann Fröhlich und Annette Naumann (von links) kümmern sich um die Kartenwünsche der Kunden.

Dreieich - A bissel was geht immer. War das Motto von Monaco Franze alias Helmut Fischer in der legendären TV-Serie. A bissel ähnlich verhält es sich am Kassenwagen bei den Burgfestspielen. Von Frank Mahn

Auch wenn es aussichtslos erscheint, weil eine Veranstaltung als ausverkauft gemeldet wurde: Es gibt immer Hoffnung. Warum, erklären wir im vierten Teil unserer Serie, bei der die Redaktion hinter die Kulissen der Festspiele schaut. „An der Abendkasse tut sich immer was“, sagt Annette Naumann, geborene Halberstadt. Sie sitzt mit ihrer Mutter Heike allabendlich an den Aufführungstagen im Kassenwagen auf dem Platz vor der Burg und kümmert sich um die Kunden. Manche wollen ihre bestellten Tickets einfach nur abholen oder versuchen ihr Glück bei einem eigentlich ausverkauften Haus. „Dann passiert es auch schon mal, dass wir Gästekarten herausgeben, die für die Produktion als Freikarten vorgesehen sind“, erzählt Heike Halberstadt, die das ganz besondere Geschäft an der Abendkasse schon seit Ende der 80er Jahre kennt. „Benjamin hat noch immer eine Lösung gefunden“, sagt Mutter Halberstadt und meint ihren Sohnemann, den Chef des Ganzen. Spätestens jetzt ist klar: A bissel sind die Festspiele auch ein Familienbetrieb. Im Großen wie im Kleinen.

Es kommt immer wieder vor, dass Karten zurückgegeben werden. Von daher lohnt ein Anruf im Kassenhäuschen. Das ist in der Regel ab 18.30 Uhr besetzt und unter Tel.: 06103/6000-88 zu erreichen. Wenn gerade mal nichts verfügbar ist, hat das Duo einen praktischen Tipp: „Gehen Sie was essen und stellen Sie Ihr Handy laut! Wir melden uns.“ Klappt in der Regel, weil eigentlich immer ein paar Leute absagen. Interessenten können sich auf einer Warteliste eintragen lassen.

Mutter und Tochter machen vieles möglich, aber eines geht definitiv nicht: Tiere müssen draußen bleiben. Vor Kurzem wollte ein älteres Ehepaar unbedingt einen Hund mit reinnehmen. Auch wenn’s ein Winzling war, da kennen die beiden kein Pardon. Man stelle sich vor, der Hund bellt mitten in der Aufführung los. Es fand sich eine unkonventionelle Lösung. Die Eheleute gaben eine Karte zurück und jeder verfolgte eine Hälfte des Konzerts, während der jeweils andere mit dem Hund spazieren ging.

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Den beiden Frauen im Häuschen macht der Job Spaß, auch weil sie viel erleben. Letztes Jahr hat ein junger Mann Karten storniert, weil seine Frau ihn am Tag der Aufführung zum Papa machte. „Am Ende der Festspiele kam das Paar vorbei und wir haben die ganze Familie kennengelernt“, erzählt Heike Halberstadt. Und natürlich gibt’s auch viele Stammkunden, zu denen sich über die Jahre ein besonderes Verhältnis entwickelt hat.

„98 Prozent der Menschen an der Abendkasse sind gut drauf“, stellt Annette Naumann fest. Kein Wunder. So ein Abend in der Burg sei ja wie ein Kurzurlaub, meint sie. Dafür kommen Fans aus allen Teilen der Republik. Jüngst rief ein Mann aus Ingolstadt an, der zu Bodo Wartke wollte. „Dem haben wir nebenbei ein Bett im Christinenhof besorgt“, erzählt das Duo.

Archivbilder:

Bilder: Auftakt der Burgfestspiele Dreieichenhain

Kontakt mit vielen Menschen hat auch das Team, das sich im Sprendlinger Bürgerhaus um den Kartenverkauf kümmert. Susann Fröhlich, Tanja Wolf und Annette Schäfer sind schon etliche Jahre dabei, auch sie kennen viele ihrer „Pappenheimer“. Ab Mitte November geht bei ihnen die Festspielpost ab, dann startet der Vorverkauf. Da ist mächtig Betrieb im Büro des Ticketservice’, pausenlos trudeln zudem Bestellungen per E-Mail ein. Schließlich ist’s dann nicht mehr lang hin bis Weihnachten. Und Karten machen sich als Geschenk unterm Baum ausgezeichnet. Wieder andere wollen sich möglichst schnell die besten Karten für bestimmte Aufführungen sichern. Das lohnt sich auch deshalb, weil bis Ende Januar immer ein Frühbucherrabatt gewährt wird. „In der Vorweihnachtszeit brummt es, da stehen die Leute schon mal Schlange“, berichtet Susann Fröhlich, die seit 22 Jahren im Bürgerhaus arbeitet. „Manchmal kommen Leute und fragen: Na, was ist denn noch nicht ausverkauft?“, erzählen Annette Schäfer und Tanja Wolf lachend.

Natürlich schauen sich die drei Mitarbeiterinnen selbst Vorstellungen an. Man muss ja wissen, was man verkauft. Unters Publikum mischen sich auch Mutter und Tochter Halberstadt, wenn sie mit der Abrechnung und allem Drum und Dran fertig sein. Meistens schaffen sie es zum zweiten Teil. Vor zwei Jahren war’s bei Varieté unter Sternen, als Mama Halberstadt auf der Suche nach einem Platz unfreiwillig für einen Riesenlacher sorgte. Nachdem Conférencier Thomas Otto mehrere Besucher gefragt hatte, aus welcher Stadt sie denn kommen, hakte er bei ihr nach. „Und Sie kommen aus...?“ „Aus dem Kassenhäuschen! Woher denn sonst?“

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