Gästebuch aus dem Backstage-Bereich

Ein Liebesbrief von Max Mutzke

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Sehr ausführlich bedankte sich Max Mutzke im Gästebuch für den Auftritt bei den Burgfestspielen und sprach von einem der schönsten Konzerte der letzten Monate.

Dreieichenhain - Zum Abschluss der Reihe „Hinter den Kulissen der Burgfestspiele“ bot sich ein Blick in das Gästebuch der abgelaufenen Saison an. Und dies fördert zahlreiche schöne und originelle Beiträge zutage. Von Manuel Schubert

So früh wie Max Mutzke stand keiner auf der Matte. Der 26. Juli 2018 war gerade mal neun Stunden alt, da fuhr der Sänger mit der kratzigen Soulstimme schon im großen Nightliner in Sprendlingen vor. Nach einer Dusche im Bürgerhaus ging es hinüber nach Dreieichenhain, wo der 37-Jährige am Abend mit seiner Band monoPunk bei den Burgfestspielen ein gefeiertes Konzert gab und anschließend noch gute anderthalb Stunden lang Autogramm- und Fotowünsche erfüllte. Ein langer Tag, an dessen Ende sich Mutzke nicht zu schade war, sich auch noch für das Gästebuch der Veranstalter Zeit zu nehmen.

Kein Eintrag in dem schweren Schinken mit dem weinroten Einband, der bei jedem der 36 Programmpunkte im Backstage-Bereich auslag, hat es Festspielleiter Benjamin Halberstadt so sehr angetan wie der von Mutzke. Mit einem schwarzen Edding schrieb der Musiker die komplette Seite voll, kein anderer Künstler verfasste solch einen langen Text. „Oh Mann, ihr wisst ja, dass ich mich schon immer am meisten auf unsere Shows in Dreieich freue und meine Erwartungen dadurch leider auch immer sehr hoch sind. Heute aber wurden sie krasserweise deutlich übertroffen“, schrieb Mutzke. „Es war eines der schönsten Konzerte, die wir in den letzten Monaten/Jahren erleben und geben durften.“

Alles zu den Burgfestspielen in Dreieichenhain

Halberstadt ist sichtlich gerührt. „Max hat eine richtige Liebeserklärung geschrieben“, sagt der Bürgerhaus-Chef. „Er hat uns und unseren Spielort liebgewonnen.“ Dass sich der Sänger nach einem derart langen Arbeitstag zu später Stunde noch einmal Zeit für einen ausgedehnten Eintrag genommen habe, anstatt nur seine Unterschrift und ein schnödes Dankeschön auf die Seiten zu kritzeln, zeige, „dass es wirklich ernst gemeint ist“.

Seit September 1972 liegen bei sämtlichen Veranstaltungen der Bürgerhäuser und der Burgfestspiele dicke Gästebücher hinter der Bühne aus. In einem riesigen Regal im Keller des Kulturtempels in der Fichtestraße werden sie aufbewahrt. „Das ist wirklich unser Schatz, unser Archiv“, sagt Halberstadt. Die Bücher seien „etwas, das bleibend ist und sehr individuell“. Mit entsprechend großem Nachdruck sorgt der Betriebsleiter auch dafür, dass sich auch wirklich alle auftretenden Künstler verewigen. „Manchen muss ich bis zum Auto hinterherlaufen“, sagt er. Doch Halberstadt bleibt hartnäckig: Auch in diesem Jahr gibt es zu allen Programmpunkten der Burgfestspiele, die am zurückliegenden Sonntag mit dem Konzert von Konstantin Wecker nach sechseinhalb Wochen ihr Ende fanden, einen Eintrag.

Wie bei Mutzke liest man auch bei einigen anderen Künstlern heraus, dass für sie die Auftritte in der Burgruine etwas Besonderes sind. „Was für ein einladender Ort!“, schrieb etwa der Schauspieler Walter Sittler nach seiner Lesung mit Texten von Dieter Hildebrandt. „Es fühlt sich bei euch nicht wie Arbeit an, sondern wie Urlaub“, lobte Rike Joeinig, Ensemblemitglied des Neuen Globe Theater („Die Streiche des Scapin“). Und Tenor Manfred Fink urteilte gar nach der Italienischen Opernnacht: „Es war eine Freude, hier zu singen. Man fühlt sich wie im Himmel.“

Bürgerhaus-Chef Benjamin Halberstadt zeigt auf die Seiten, auf denen sich die Musiker von Jazz in der Burg verewigt haben.

Manche Künstler wurden beim Gestalten ihrer Gästebuchseite sogar richtig kreativ. Sabine Fischmann und Markus Neumeyer („Carmen à trois“) malten eine großflächige Karikatur ihres Auftritts aufs Papier, das Akrobatikduo Monalaura pinselte sehr kunstvoll sein Logo auf die weiße Fläche, Sängerin Alexa Feser klebte einen der gelben Pappsterne auf, die Fans mitgebracht und im Publikum verteilt hatten, Ulrike Neradt knutschte nach ihrem Auftritt mit Denis Wittberg und seinen Schellack-Solisten einen roten Kussmund auf die Seite, und Klavierkabarettist Bodo Wartke kommentierte gleich mal den Ankündigungstext aus der Burgfestspiel-Zeitung der Offenbach Post, den die Veranstalter, wie auch auf jeder anderen Gästebuchseite, angebracht hatten. Bei der Überschrift „Von Poesie bis Blödelei“ kringelte er das letzte Wort mit dem Rotstift ein und schrieb daneben: „Wie bitte?! Frechheit!“ War aber natürlich nur ein Scherz. Einige Zentimeter weiter rechts hinterließ Wartke noch ein paar ganz ernst gemeinte Worte: „Es war wieder mal superschön. Vielen Dank!“

Burgfestspiele Dreieichenhain mit italienischer Opernnacht eröffnet: Bilder

Bei den Burgfestspielen wird das Gästebuch neben dem Catering gelagert. Denn dort, so Halberstadt, „kommt jeder vorbei“. Wenn er durch die Seiten blättert, dann muss er häufig schmunzeln. Zum Beispiel bei den Worten des Brachialbarden Rainald Grebe, der philosophierte: „Heute hat’s geregnet, das hat der Natur gutgetan. Dann haben wir gerockt, das hat der Natur auch gutgetan.“ Wortakrobat Willy Astor kommentierte den Auftritt in der Burg auf seine ganz eigene Art: „Einer der besten Publikümmer. Voll fetter Abend!“ Und Marta Paley, eine russische Jongleurin, die beim „Varieté unter Sternen“ aufgetreten war, dankte: „You have a great refridgerator“ (Ihr habt einen tollen Kühlschrank). „Es war ein sehr heißer Tag“, erklärt Halberstadt schmunzelnd, „und unser Kühlschrank ist immer voll.“

Ganz besonders freut es den Festspielchef aber, wenn es den Künstlern so gut gefallen hat, dass sie von sich aus anbieten, wiederzukommen. „Es war mir ein Fest! Mann, was für ein toller Abend… Ganz sicher bis zum nächsten Mal!“, schrieb etwa Kabarettist und Liedermacher Bernd Stelter nach seinem Premierenauftritt in der Burg Hayn. Alexa Feser richtete aus: „Danke, dass ich hier sein durfte. Komme gerne wieder!“ Und auch Ulrike Neradt ließ nach der sage und schreibe elften Ausgabe des Mundart-Abends „Isch glaab, dir brennt de Kittel“ wissen: „Gibt’s ein Wiedersehen 2019??? Wir würden uns freuen!“ Halberstadt hat nichts dagegen. „Wenn Künstler, die solch eine Auswahl an Auftritten haben, sich selbst einladen...“, sagt er. „Es gibt nichts Schöneres.“

„Varieté unter Sternen“ bei den Burgfestspielen Dreieich: Bilder

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